Botschafter einbestelltAuswärtiges Amt wirft China Laser-Attacke gegen deutsches Flugzeug vor

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Das Auswärtige Amt in Berlin.
Das Auswärtige Amt in Berlin. (Foto: IMAGO/Rolf Kremming)

Das Kanzleramt hat China bereits in der vergangenen Woche zu einer Verhaltensänderung aufgefordert. Was bislang bekannt ist.

Das Auswärtige Amt hat den chinesischen Botschafter Deng Hongbo einbestellt, nachdem das chinesische Militär „mit einem Lasereinsatz“ ein deutsches Flugzeug „ins Visier genommen“ habe. Das teilte das Ministerium auf der Plattform X mit. Den Angaben zufolge handelte es sich um ein Flugzeug der Bundeswehr im Rahmen des EU-Einsatzes Aspides. „Die Gefährdung von deutschem Personal“ und die „Störung des Einsatzes sind vollkommen inakzeptabel“.

Plattform X

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Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur ereignete sich der Vorfall Anfang Juli, als ein deutsches Flugzeug zu einem Überwachungsflug über dem Roten Meer unterwegs war. Dabei wurde festgestellt, dass von einem chinesischen Kriegsschiff aus ein Laser auf die Maschine gerichtet wurde. Das Anstrahlen mit einem Laser gilt im Militär mindestens als Drohgebärde. Spiegel und Bild berichten, dass der Vorfall vor der Küste Jemens geschehen sei.

Das Verteidigungsministerium teilte mit, das Flugzeug sei bei einem Routine-Einsatzflug „von einem chinesischen Kriegsschiff, das schon mehrfach im Seegebiet angetroffen wurde, ohne Grund und vorherige Kontaktaufnahme angelasert“ worden. „Mit dem Einsatz des Lasers hat das Kriegsschiff eine Gefährdung von Mensch und Material in Kauf genommen“, teilte ein Sprecher mit. Der Einsatzflug der Maschine sei nach dem Zwischenfall abgebrochen worden. „Die Maschine ist sicher auf der Basis des Kontingents in Dschibuti gelandet, die Besatzung ist wohlauf.“

Der Aspides-Einsatz hat seinen Schwerpunkt im Roten Meer und soll die zivile Schifffahrt vor Angriffen der islamistischen Huthi-Miliz in Jemen schützen. Deutschland stellt etwa 30 Soldaten für die Mission. Das Bundestagsmandat sieht für den Einsatz bis zu 700 deutsche Soldatinnen und Soldaten vor.

Der chinesische Botschafter Deng Hongbo im Jahr 2024 im Bundeskanzleramt.
Der chinesische Botschafter Deng Hongbo im Jahr 2024 im Bundeskanzleramt. (Foto: IMAGO/dts Nachrichtenagentur)

Nach Angaben des Bundesverteidigungsministeriums ist Deutschland mit dem Flugzeug mit einer sogenannten Multi-Sensor-Plattform (MSP) seit Oktober 2024 an Aspides beteiligt. Es sei als „fliegendes Auge“ bei der weiträumigen Aufklärung des Seegebiets im Einsatz. Die gewonnenen Daten tragen demnach zum Lagebild für die Missionsführung und die beteiligten Partner bei.MSP werde von einem zivilen Dienstleister betrieben. Personal der Bundeswehr sei beteiligt.

Die förmliche Einbestellung eines Botschafters ist ein scharfes diplomatisches Mittel, mit dem die Regierung des Gastlandes eine deutliche Verstimmung signalisiert. Die ist allerdings nicht der erste Kontakt zwischen Deutschland und China wegen des Vorfalls im Roten Meer. Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung hat das Kanzleramt bereits in der vergangenen Woche auf hoher Ebene scharf protestiert und China zu einer allgemeinen Verhaltensänderung aufgefordert.

Als der chinesische Außenminister Wang Yi am Freitag das Kanzleramt besuchte, wurde er demnach mit dem Zwischenfall konfrontiert. Sollte es diesen gegeben haben (was inzwischen aus deutscher Sicht als eindeutig gilt), sei dies absolut nicht akzeptabel, hieß es gegenüber dem chinesischen Diplomaten nach Angaben aus Regierungskreisen. Demnach erwarte die Bundesregierung von der chinesischen Seite, dass sie solche Belastungen aus der Welt schaffe und künftig unterlasse. Dies gelte auch für andere Maßnahmen wie Cyberangriffe oder transnationale Repression.

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