Konflikt mit China:Visite mit Folgen

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Konflikt mit China: Nancy Pelosi, Sprecherin des US-Repräsentantenhauses, bei der Begrüßung mit Japans Premierminister Fumio Kishida in Tokio.

Nancy Pelosi, Sprecherin des US-Repräsentantenhauses, bei der Begrüßung mit Japans Premierminister Fumio Kishida in Tokio.

(Foto: Kyodo/Reuters)

Nancy Pelosis Besuch in Taiwan war ein starkes Zeichen für die Demokratie in Ostasien. Aber den US-Partnern Japan und Südkorea bringt er auch ein paar Schwierigkeiten.

Von Thomas Hahn, Tokio

Am Freitag flog Nancy Pelosi also wieder heim nach einer Reise durch Asien, die für alle in der Region ziemlich aufregend war. Aber bevor ihre Maschine Richtung Washington abhob, hatte die Sprecherin des amerikanischen Repräsentantenhauses noch Einiges zu tun in Tokio.

Sie sprach mit Japans Premierminister Fumio Kishida über das angespannte Verhältnis zu China und über die gemeinsamen Bemühungen um Sicherheit und Stabilität. Sie demonstrierte beim Fototermin Einigkeit. Sie hörte zu, als Kishida ihr von den fünf Raketen berichtete, die China bei Militärübungen infolge ihres Taiwan-Besuchs am Donnerstag in die exklusive Wirtschaftszone Japans gefeuert hatte. Und sie gab eine Pressekonferenz, in der sie indirekt sagte, dass Chinas Regierung übertreibe mit ihren Reaktionen auf ihren Taiwan-Trip vom Mittwoch.

"Wir haben von Anfang an gesagt, dass es uns bei der Vorstellung hier nicht darum geht, den Status quo in Taiwan oder in der Region zu verändern", sagte Pelosi. Außerdem mahnte sie Richtung China: "Sie werden Taiwan nicht isolieren, indem sie uns davon abhalten dorthin zu reisen."

Nancy Pelosi zeigte also, was die freie Welt sich traut, wenn sie in umstrittenem Gebiet für ihre Werte einsteht. Ein starkes Zeichen. Trotzdem konnte man es sich nicht zu einfach machen mit dem Applaus für die entschlossene Demokratin. Japan und Südkorea, der andere US-Bündnispartner in Ostasien, dürften die Folgen der Pelosi-Visite noch einige Zeit spüren. China zählt das demokratisch regierte Taiwan zu seinem Hoheitsgebiet. Pelosis Besuch dort war ein Affront für Peking. Und Chinas Zorn ist ein Problem für Japan und Südkorea. Erstens weil China für Japan und Südkorea ein wichtiger Wirtschaftspartner ist. Zweitens wegen der Sicherheitslage, die im ostchinesischen Meer ohnehin angespannt ist; Japan und China streiten dort um die Senkaku- bzw. Diaoyu-Inseln.

In Südkorea wurde Pelosi eher kühl empfangen. Ein Treffen mit Präsident Yoon gab es nicht

Kishida hat öffentlich nichts gesagt zu Pelosis Taiwan-Besuch. Aber begeistert war er davon sicher nicht. Und auch in Seoul hielt man sich zurück mit Kommentaren. In der südkoreanischen Hauptstadt wurde Nancy Pelosi ohnehin nicht ganz so empfangen, wie sie sich das selbst wohl erwartet hatte. Als sie am Mittwochabend auf der Osan Air Base ankam, war kein Vertreter der südkoreanischen Regierung da. Für den Empfang sei das Parlament zuständig gewesen, erklärte das Büro von Präsident Yoon Suk-yeol später laut Korea Times. Ein Treffen mit Yoon sei nicht möglich, weil dieser Urlaub habe.

Ein 40-minütiges Telefonat zwischen Yoon und Pelosi rettete die Situation schließlich. Die Spekulation, wonach die Distanz mit Rücksicht auf China zu tun habe, wies das Präsidialamt zurück. Und Nancy Pelosi erklärte in einem Statement: "Die Vereinigten Staaten und Südkorea verbindet ein starkes Band der Sicherheit." Offiziell alles gut.

Aber China ist Südkoreas größter Handelspartner, und Außenminister Park Jin reist nächste Woche dorthin zu Verhandlungen mit seinem chinesischen Amtskollegen Wang Yi. Es ist deren erstes Treffen seit dem Regierungswechsel im Mai und dürfte den Ton setzen für die weitere Beziehung Chinas zur konservativen Yoon-Regierung. Diese gilt als unverbrüchlicher US-Partner und Aufrüstungsbefürworter, aber darf es sich aus wirtschaftlichen Gründen nicht mit China verscherzen. Ein Dilemma. Ohne den Ärger um den Pelosi-Besuch würden die Verhandlungen vermutlich etwas leichter fallen.

Jetzt ist die Stimmung in der Region schlecht. Vor allem zwischen Japan und China. Tokios Kritik an Pekings Militärübung akzeptiert Peking nicht. Aus diplomatischen Kreisen wurde bekannt, dass es bei einem Treffen des Verbandes Südostasiatischer Staaten in Phnom Penh zu einem Eklat kam: Als Japan über die Raketen klagte, hätten Wang Yi und dessen russischer Amtskollege Sergei Lawrow den Raum verlassen. Chinas Militärübungen rund um Taiwan sollen bis Montag weitergehen. Und danach wird das Klima sicher nicht sofort freundlicher. Nancy Pelosis Asien-Reise werden die Nachbarn in Ostasien nicht so schnell vergessen.

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