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Mao Xinyu:Maos Enkel - eine der größten Witzfiguren Chinas

Da ging es für ihn noch aufwärts: Mao Xinyu im März 2008 in Peking

(Foto: AFP)
  • Der chinesische Politiker Mao Xinyu ist der Enkel des Revolutionärs Mao Zedong - trotzdem ist er im Volk unbeliebt.
  • Er gilt als Symbol für Vetternwirtschaft, seit er überraschend zum Generalmajor befördert wurde.
  • Doch die Kommunistische Partei scheint Mao Xinyu nun nicht länger stützen zu wollen.

Von Kai Strittmatter

Revolutionär, Staatengründer, Anstifter zu Chaos und Gewalt - Mao Zedong hatte viele Gesichter, aber eines war er nie wirklich: ein Mann der Familie. Vier Ehefrauen, unzählige Affären, den Kindern ein ferner Vater.

Maos ältester Sohn starb bei einem Angriff amerikanischer Bomber im Koreakrieg, sein zweitältester war den Großteil seines Lebens psychisch krank, die beiden Töchter führten ein zurückgezogenes Leben. "Er sagte uns, uns solle egal sein, in welche Familie wir geboren wurden", erinnert sich seine Enkelin Cao Liya einmal: "Wir sollen stattdessen für die Partei und die Nation arbeiten."

Das China der Kommunistischen Partei (KP) mag in großen Teilen der Erbhof einer Kaste sein, namentlich der Abkömmlinge der Revolutionäre der ersten Stunde. Anders als etwa Nordkorea war China aber nie der Erbhof eines Clans. Nach dem Tode Maos 1976 hatte keiner aus der Familie Mao je wieder groß etwas zu sagen. Natürlich sorgt die Partei für die Ihren, darben muss keiner, in dessen Adern Herrscherblut fließt, schon gar keiner der zwölf Enkel Maos. Eine Enkelin, Kong Dongmei, machte als Geschäftsfrau und eine der reichsten Chinesinnen Schlagzeilen.

Aber keiner ist bekannter als der heute 47-jährige Mao Xinyu, der vor ein paar Jahren in bemerkenswerter Offenheit auf die Frage antwortete, ob er als "roter Prinz" denn besondere Gefälligkeiten erwarten dürfe: Ja natürlich, antwortete der junge Mao: "Die führenden Kader auf allen Ebenen kümmern sich wirklich um uns."

Stimmt. Das ist dann auch schon das Problem. Als Mao Xinyu vor sieben Jahren über Nacht zum jüngsten Generalmajor in der Geschichte der Volksrepublik befördert wurde, geriet er vielen Chinesen zum Symbol für die verhasste Vetternwirtschaft.

Erst trug er ein Gedicht vor, dann popelte er in der Nase

"Die Leute nehmen halt ihre Liebe und ihren Respekt für Mao Zedong und transferieren sie dann auf meine Person", sagte Mao Xinyu damals. Manchen gefiel seine entwaffnende Offenheit, andere zeichneten ihn, als das Internet auch in China noch Freiräume hatte, als eine der größten Witzfiguren des Landes. Sie machten sich lustig über seine aus der Uniform platzende Figur, oder über den TV-Auftritt, in dem er zuerst feierlich ein Gedicht seines Großvaters vortrug und dann ungerührt in der Nase popelte.

Seine Beiträge als Abgeordneter bei Chinas Volksvertretung bestanden zum Beispiel darin, die Anwendung der "Mao-Zedong-Gedanken" (sein Forschungsgebiet an der Militärakademie) auf die moderne Cyberkriegsführung zu fordern. Die KP hinderte das nie daran, den Mao-Enkel wieder und wieder bei ihren Tagungen paradieren zu lassen. Bis jetzt.

Am 18. Oktober ist Parteikongress. 2300 Abgeordnete werden ein neues Zentralkomitee wählen. Parteichef Xi Jinping - selbst ein Abkömmling des roten Adels - wird die Macht neu ordnen. Karrieren werden gemacht, Allianzen geschmiedet. Was im Oktober passieren wird? Wenn man als Beobachter ehrlich ist, dann muss man sagen: Keine Ahnung, zu diesem Zeitpunkt wissen wir nichts. Außer: Mao Xinyu ist nicht eingeladen. Es ist der Kongress der Kongresse, und er ist diesmal keiner der Delegierten. Der Mao-Enkel ist aussortiert. Es wird also diesmal weniger zu spotten und zu lästern geben, den Organisatoren der KP wird das nicht unrecht sein.

© SZ vom 12.09.2017/jsa
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