China-Afrika-Treffen Ein Gipfel für Milliarden

Werben um Afrika: Chinas Staatschef Xi Jinping begrüßt Südafrikas Präsident Cyril Ramaphosa in Peking.

(Foto: Andy Wong/AP)

Kredite, Infrastrukturprojekte, Rohstoffabbau: Schon lange ist China wirtschaftlich bestimmend in Afrika. Die guten Geschäfte sollen nun auch politisch abgesichert werden.

Von Bernd Dörries, Kapstadt, und Christoph Giesen, Peking

Die Stadt ist wie abgeriegelt an diesem Montag. Vom Pekinger Flughafen bis in die Innenstadt staut sich der Verkehr, Vorfahrt haben die Staats- und Regierungschefs. Fast 50 von ihnen kommen an diesem Tag, in schwarzen Limousinen der Marke Hongqi werden sie durch die chinesische Hauptstadt gefahren, mit aufgepflanzter Standarte, zur Großen Halle des Volkes, wo Staats- und Parteichef Xi Jinping Großes verkünden wird. Es ist China-Afrika-Gipfel, Peking hat geladen, und alle sind gekommen. Delegationen aus allen Staaten Afrikas - mit Ausnahme von Swasiland, das diplomatische Beziehungen zu Taiwan unterhält. "Wir begrüßen Afrika im Expresszug der chinesischen Entwicklung", sagt Xi Jinping in seiner Eröffnungsrede. Und verkündet: Chinesische Unternehmen und Staatsbanken werden in den kommenden Jahren 60 Milliarden Dollar in Form von Krediten und Investitionen bereitstellen. Zusätzlich.

Die Volksrepublik investiert schon seit vielen Jahren in Afrika, hat in dem Kontinent eine Quelle für dringend benötigte Rohstoffe gefunden. Doch auch als Absatzmarkt rückt die wachsende afrikanische Mittelschicht für China stärker in den Fokus. Mit einem Handelsvolumen von zuletzt 170 Milliarden Dollar hat China sowohl die USA als auch die alte Kolonialmacht Frankreich als wichtigste Handelspartner des Kontinents hinter sich gelassen. Doch es geht längst nicht mehr nur um Wirtschaft: Nach Peking sind dieser Tage auch Hunderte Journalisten aus Afrika gereist - auf Kosten des chinesischen Staats. Sie schauen sich den Flughafen an, der gerade in Windeseile gebaut wird, und machen Selfies in den Schnellzügen. An chinesischen Universitäten studieren inzwischen etliche Afrikaner Journalismus - auf Englisch und mit Stipendium. Manche von ihnen verfassen danach Bücher, die heißen etwa "China in den Augen eines afrikanischen Journalisten" und werden vom Pekinger Außenamt umsonst verteilt. Es geht um die Deutungshoheit in Afrika.

Davon kann auch John erzählen. Früher hätte er darüber berichtet, wie viel Geld durch Korruption versickert ist, wie überteuert die Bahnstrecke von Mombasa nach Nairobi ist. Heute, sagt John, der in Wahrheit anders heißt, produziere er hübsche Beiträge für das internationale Ausgabe des chinesischen Nachrichtenfernsehens. Darüber etwa, wie schön die Sitzbezüge in den neuen Waggons sind, die jetzt durch Afrika fahren.

In Tansania hat China eine Kaderschmiede für Parteinachwuchs gegründet

Die Züge, die durch Kenia rollen, kommen natürlich aus China, so wie viele der Arbeiter, die diese Strecken gebaut haben und die Kredite, mit denen sie finanziert wurden. Peking sorgt mittlerweile auch dafür, dass seine riesigen Infrastrukturprojekte in Afrika medial ins rechte Licht gesetzt werden. Mit der Regierungszeitung China Daily und vor allem mit dem englischsprachigen Sender CGTN, der in Nairobi riesige Studios unterhält. Der Kenianer John arbeitete einst für einen lokalen Sender, machte kritische Beiträge, bekam oft Ärger und wenig Geld. "Jetzt ist alles viel bequemer, ich bekomme pünktlich mein Gehalt, aber Journalismus ist das nicht immer unbedingt", sagt er.

Auch die Parteien in vielen afrikanischen Ländern werden inzwischen von Peking unterstützt. Vor allem im südlichen Afrika reichen die Kontakte weit zurück, bis in die Zeit, als China noch kein globaler Player war, aber die Unabhängigkeitsbewegungen vieler Staaten unterstützte. In jüngster Zeit werden die Kontakte wieder intensiviert. In Tansania wurde für die noch heute regierenden Bewegungen aus Südafrika, Angola, Simbabwe und Namibia eine Kaderschmiede gegründet, die Julius-Nyerere-Leadership-School. Die heutigen Regierungsparteien waren früher alle mal mehr oder weniger kommunistisch, leiden heute aber vor allem an Korruption. Die Bekämpfung dieses Grundübels steht jedoch eher nicht auf den Lehrplänen der neuen Akademie. Es geht nicht darum, was für das Land und seine Bevölkerung gut ist - sondern für die Partei. Wie viel das Ausbildungszentrum gekostet hat, will niemand sagen, Architektur und die chinesischen Schriftzeichen auf dem Grundstein lassen aber darauf schließen, dass die Akademie von China bezahlt wurde.

Für den ANC kommt die Eröffnung gerade recht, die ehemalige Befreiungsbewegung in Südafrika ist von der lokalen Ebene bis fast an die Spitze von Korruption durchsetzt, intern kursieren Papiere, die vor einem möglichen Verlust der absoluten Mehrheit bei den Wahlen 2019 warnen. Viele Schwarze sind die Korruption leid, können sich sogar vorstellen, die ehemals rein weiße Oppositionspartei zu wählen. ANC-Generalsekretär Ace Magashule kündigte deshalb jüngst eine Offensive an, die "Propaganda und Loyalität" sollen verbessert werden, sagte Magashule auf einem ANC-Kongress. Wie? Mit Unterstützung aus China. Die Medienabteilung des ANC soll von Experten der Kommunistischen Partei beraten, etwa 300 ANC-Leute in Peking geschult werden. Nur ein einziges ANC-Mitglied, der Wahlleiter Fikile Mbalula, fragte öffentlich, was seine Bewegung, die sich als demokratisch sieht, denn "von einem undemokratischen Staat lernen kann". Siegen, glauben viele im ANC.