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US-Politik:Für Trump ist Chicago ein "Kriegsgebiet"

Die Kriminalitätsrate ist zwar spürbar gesunken, sie liegt aber immer noch auf hohem Niveau. Für Lightfoot bleibt noch viel Spielraum für Reformen. Der komplette Polizeiapparat steht seit Jahren in der Kritik. Die Polizisten hätten den Kontakt zu den Bewohnern verloren, heißt es, sie werden eher als Gegner denn als Helfer wahrgenommen.

Auch das trägt dazu bei, dass etwa junge Familien zögern, sich in Chicago anzusiedeln, sagt Arthur Lurigio, Professor für Psychologie und Strafjustiz an der Loyola University Chicago. Ob Chicago wieder zu einem attraktiven Ort werden und die anhaltende Stadtflucht gestoppt werden kann, hängt für ihn auch davon ab, wie die neue Bürgermeisterin die Wahrnehmung des Themas Sicherheits verändere. Seit 2015 verliert der Großraum Chicago Einwohner. Immer wieder wird Kriminalität als Grund für einen Wegzug genannt.

Die Hoffnung ist, dass die neue Bürgermeisterin das ändern kann. Lightfoot wird dafür ihre ganze Erfahrung aus ihren früheren Aufgaben einsetzen müssen. Gary Slutkin, Gründer und Vorsitzender von Cure Violence, sagt, mit Lightfoots Wahl seien zwei angstgetriebene, aber lange populären Ideen endlich zurückgewiesen worden: dass mehr Polizei die einzige Antwort auf die Gewalt sei. Und dass nur mehr Unternehmen die wirtschaftliche Entwicklung armer Viertel vortreiben könnten.

Ein Problem sticht besonders heraus: die eiserne Pipeline. So wird der ständige Zufluss an Waffen genannt, die aus den Nachbarbundesstaaten nach Chicago geschmuggelt werden. Strohmänner kaufen Waffen in Indiana oder Wisconsin, die ein sehr laxes Waffenrecht haben. Und verticken sie nach Chicago. Dort gilt das deutlich striktere Waffenrecht des Bundesstaates Illinois. Chicago liegt genau an den Grenzen zu Indiana und Wisconsin.

Allein in diesem Jahr hat die Polizei von Chicago über 1600 illegale Waffen aus dem Verkehr gezogen, sechs Prozent mehr als im gleichen Zeitraum 2018. Eine gute Idee, wie Chicago diese "eiserne Pipeline" veröden kann, hat Lightfoot aber auch nicht. Zuviel hängt davon ab, dass die Nachbarstaaten ihre laschen Gesetze verschärfen - was unwahrscheinlich ist.

Die hohe Gewaltrate der Stadt ist ein beliebtes Angriffsziel von Präsident Donald Trump, auch, weil die Stadt seit 1931 durchgehend von Demokraten regiert wird. Er hat Chicago als " Kriegsgebiet", als "völlig außer Kontrolle" bezeichnet. Und damit gedroht, Bundesbeamte nach Chicago zu schicken. Trump füht Chicago auch gerne als Beispiel dafür an, dass strenge Waffengesetz nichts bringen würden. Chicago leide schließlich trotz der strengen Gesetze in Illinois unter hoher Waffengewalt. Von der "eisernen Pipeline" scheint Trump noch nie gehört zu haben.

Lightfoot wird also an zwei Fronten kämpfen müssen. Gegen die Kriminalität in ihrer Stadt. Und gegen die Einmischung des Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika.

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