US-Politik Chicago wählt erstmals schwarze Frau zur Bürgermeisterin

Lori Lightfoot bei ihrer Wahlparty am Dienstagabend in Chicago.

(Foto: Kamil Krzaczynski/AFP)
  • Die parteilose Lori Lightfoot ist zur neuen Bürgermeisterin von Chicago gewählt worden.
  • Sie steht vor großen Herausforderungen: Chicago gilt als eine der gefährlichsten Städte der USA.
  • Der Präsident wird sie wohl kaum unterstützen. Immer wieder thematisiert Trump die hohe Kriminalitätsrate - auch, weil Chicago seit Jahrzehnten von Demokraten regiert wird.
Von Thorsten Denkler, New York

Eines war schon klar, bevor am Dienstag die Wahlurnen geschlossen wurden: Chicago, die drittgrößte Stadt der USA, wird erstmals von einer schwarzen Bürgermeisterin regiert. In der Stichwahl standen sich die beiden parteilosen Kandidatinnen Toni Preckwinkle und Lori Lightfoot gegenüber, die sich im ersten Durchgang Ende Februar ein Kopf-an-Kopf-Rennen geliefert hatten.

Gewonnen hat am Ende die Anwältin Lori Lightfoot. Der Name sollte nicht täuschen. Lightfoot ist alles andere als ein Leichtfuß. Sie kommt aus einfachen Verhältnissen, die Mutter arbeitete in der Gesundheitsfürsorge, der Vater war Fabrikarbeiter und Hausmeister. Einer ihrer Verwandten wurde in den 1920er Jahren von Mitgliedern des Ku-Klux-Klan umgebracht. Ihr älterer Bruder geriet immer wieder mit dem Gesetz in Konflikt. Das hat sie geprägt. Sie studierte Jura, wurde Staatsanwältin. Nicht nur für sich - sie wollte immer auch eine Stimme der afroamerikanischen Bevölkerung sein.

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Als Anklägerin ermittelte sie gegen Korruption in Chicago. Zu ihren größten Erfolgen gehörte die Festnahme des Stadtrates Virgil Jones im Rahmen der Operation "Silberschaufel".

Sie übernahm danach wichtige Positionen innerhalb der Polizei von Chicago. Meist ging es darum, Fehlverhalten von Polizisten nachzugehen und aufzuklären. Empfahl sie allerdings Disziplinarverfahren gegen einzelne Polizisten, wurden diese oft von der Polizeiführung zurückgewiesen.

Lightfoot machte sich später als Anwältin selbstständig, blieb aber ihren Themen treu: Korruption und polizeiliches Fehlverhalten. 2015 wurde sie vom damaligen Bürgermeister zur Vorsitzenden des Chicago Police Board nominiert, einem Gremium aus Zivilisten, das in Disziplinarverfahren gegen Polizisten entscheidend mitwirkt. Unter ihrer Leitung wurden die beschuldigten Polizisten in 72 Prozent aller Fälle gefeuert.

Diese Erfahrungen mit der Polizei von Chicago dürften erheblichen Anteil an ihrem Wahlsieg gehabt haben. Sie gewann gegen Toni Preckwinkle mit 74 zu 26 Prozent.

Eine "stolze schwarze Lesbe" als Bürgermeisterin

Inhaltlich liegen beide gar nicht so weit auseinander. Sie haben sich als progressive und liberale Kandidatinnen präsentiert. Und sowohl Preckwinkle als auch Lightfoot konzentrierten sich im Wahlkampf auf zwei wichtige Themen: Bildung, und, vor allem, öffentliche Sicherheit.

Der einzige große Unterschied liegt in ihren Persönlichkeiten. Lightfoot, mit 56 Jahren 18 Jahre jünger als Preckwinkle, hatte sich als "stolze schwarze Lesbe" vorgestellt. Sie ist jetzt nicht nur die erst schwarze, sondern auch die erste offen homosexuell lebende Bürgermeisterin der Stadt.

Die Probleme, vor denen Lightfoot steht, sind gewaltig. Die 2,7-Millionen-Einwohner-Stadt gehört zu den gefährlichsten der USA. Vor zwei Jahren hat die Zahl der Tötungsdelikte den Rekordwert von 762 erreicht. Die Zahl ist seitdem gesunken. Aber 2018 waren es immerhin noch 550. Keine Stadt der USA verzeichnete mehr Morde. Zum Vergleich: In New York City, mit 8,6 Millionen Einwohner die größte Stadt der USA, wurden im vergangenen Jahr 289 Tötungsdelikte gezählt.

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Chicago wird den Ruf, ein Ort der Gewalt zu sein, nur schwer wieder los. Für viele konservative Amerikaner, manche Touristen und Investoren gilt die Stadt als No-go-Area. Was auch dazu führte, dass nach Ansicht mancher Experten der US-weite wirtschaftliche Aufschwung der vergangenen Jahre Chicago nicht so erfasst hat, wie es möglich gewesen wäre.

Die sichtbarste Antwort auf das Sicherheitsproblem war bisher: mehr Polizei. Innerhalb von zwei Jahren wurden fast 1200 zusätzliche Polizisten eingestellt. In neu geschaffenen 20 Unterstützungscentern fließen Informationen über lokale Kriminalitätsschwerpunkte zusammen. Es gibt jetzt auch Sensoren in der Stadt, die Schüsse erkennen und melden können.