Container mit korrosions- und hitzebeständigen Fliesen, sie sind Hinweise darauf, dass Nordkorea bis in jüngste Zeit geheime Aktivitäten in Syrien zur Produktion von Chemiewaffen unterstützt hat. Im neuen Bericht einer UN-Experten-Kommission, die vom Sicherheitsrat beauftragt ist, die Einhaltung der Sanktionen gegen Nordkorea zu überwachen, werden diese abgefangenen Lieferungen beschrieben. Mindestens 40 solcher bisher unbekannter Sendungen hat es demnach seit 2012 gegeben. Geliefert hat Pjöngjang auch spezielle Rohre, Ventile und Thermometer, die "bekanntermaßen in Chemiewaffenprogrammen zum Einsatz kommen".
Den Verdacht erhärten nicht nur die gelieferten Güter, sondern auch die involvierten Firmen in Nordkorea und Syrien. Etliche von ihnen sind den Geheimdiensten bekannt als Tarnorganisationen für Waffenlieferungen aus der Diktatur Kim Jong-uns und als Beschaffer für das Zentrum für wissenschaftliche Studien und Forschung in Syrien, das im Zentrum des syrischen Chemiewaffen- und Raketenprogramms steht.
Dutzende Angriffe mit Chlor wurden in Syrien dokumentiert
Präsident Baschar al-Assad hat zwar 2013 nach dem Einsatz des Nervenkampfstoffs Sarin gegen Rebellengebiete offiziell sein Chemiewaffenprogramm aufgegeben, um einen Angriff der USA abzuwenden. Die Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW) geht inzwischen aber davon aus, dass das Regime nicht alle Anlagen deklariert hat und auch Kampfstoffe oder mindestens deren Bestandteile nicht vernichtet hat. So setzte das Regime nach Überzeugung der gemeinsamen Untersuchungskommision von OPCW und UN im April 2017 in Khan Scheikhun erneut Sarin ein. Überdies sind Dutzende Angriffe mit Chlor dokumentiert. Chlor gilt im Sinne der Chemiewaffenkonvention nicht als Kampfstoff; der Einsatz ist dennoch verboten.
Der Bericht dürfte den Druck auf Assad erhöhen, aber auch auf Nordkorea. Der US-Vertreter bei der UN-Abrüstungskonferenz warf Russland vor, seiner Rolle als Garantiemacht für die Abrüstung der syrischen Chemiewaffen nicht gerecht zu werden. Moskau bestreitet die Vorwürfe des syrischen Chemiewaffeneinsatzes. Nachdem die Untersuchungskommission von UN und OPCW zu anderen Ergebnissen gekommen war, verhinderte Moskau die Verlängerung ihres Mandats.