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Chávez-Wahl in Venezuela:An der Macht festgekrallt

Charismatisch, missionarisch, populistisch - und wenig fair: Venezuelas Präsident Hugo Chávez hat den gesamten Staatsapparat eingesetzt, um wiedergewählt zu werden. Seine Regierung hat die private Übermacht zugunsten des Staates gebrochen, sein Sieg darf Lateinamerika eine Lehre sein.

Venezuelan President Hugo Chavez waves the national flag while celebrating from a balcony at the Miraflores Palace in Caracas

Nach dem Wahlsieg schwenkte Hugo Chavez die Nationalflagge vom Balkon des Palacio de Miraflores in Caracas.

(Foto: REUTERS)

Die Geschichte Lateinamerikas ist voller Führerfiguren und Dynastien, und kaum eine davon ist unumstritten. Oft dominieren einzelne Persönlichkeiten die politischen Lager, die Präsidenten sind zumeist stärker als die Parteien und Parlamente.

Manche Clans halten sich hartnäckig: Auf Kuba herrschen nach wie vor die Revolutionäre von 1959, Fidel und Raúl Castro haben heutzutage sogar mehr Freunde denn je. In Argentinien dominieren noch immer Peronisten, die Erben des Generals Juan Domingo Perón und seiner mythischen Frau Evita.

Früher allerdings wurde geputscht oder Revolution gemacht, um an die Macht zu gelangen. Auch Venezuelas Präsident Hugo Chávez saß vor 20 Jahren in einem Panzer. Damals scheiterte er.

Jetzt ist Chávez einer der Staatschefs der Welt mit den meisten Wiederwahlsiegen. Bald 14 Jahre lang regiert er bereits, für sechs weitere Jahre wurde er soeben bestätigt. Wenn seine Gesundheit es zulässt - bis zuletzt litt er unter einer rätselhaften Krebserkrankung -, dann wird er am Ende zwei Jahrzehnte im Amt gewesen sein.

Das Vermögen sprudelt nur so aus dem Boden

Wer die Demokratie schätzt, der muss Sieger wie ihn akzeptieren. Es hat die Region viel Blut gekostet, zu geordneten Wahlen zu kommen. In anderen Erdteilen bleiben immer mehr Wähler zu Hause, weil sie Politik nicht mehr interessiert.

Südlich des Rio Grande dagegen wird seit dem Ende der Diktaturen vielerorts mit großem Eifer abgestimmt. In Venezuela gingen acht von zehn Wahlberechtigten zur Urne, obwohl dort - anders als etwa in Brasilien - keine Wahlpflicht herrscht. Von so einer Wahlbeteiligung sind die USA oder Europa weit entfernt.

Wundern braucht sich über Chávez' Wahlerfolge niemand, der Präsident ist ein Produkt der lateinamerikanischen Verhältnisse. Venezuela mag ein Sonderfall sein, da das Land enorme Ölreserven besitzt. Doch darin liegt auch ein Teil der Erklärung. Das Vermögen sprudelt nur so aus dem Boden - wie konnte es da sein, dass auf solch einem Schatz Menschenmassen in Slums hausen?

Der frühere Fallschirmjäger Chávez fiel nicht vom Himmel. Viele Venezolaner hatten genug von einer Elite, die guten Whiskey trank und die Pfründe unter sich aufteilte. So ähnlich war es in vielen Ländern des Kontinents.