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Charles Taylor:"Ein Friedensstifter, kein Kriegstreiber"

Liberias Ex-Präsident Taylor lässt sich vor dem Internationalen Gerichtshof als friedliebend darstellen. Mit Verbrechen seiner Kämpfer will er nichts zu tun gehabt haben.

Der ehemalige Präsident Liberias, Charles Taylor, hat vor dem Sondergericht für Sierra Leone in Den Haag alle Vorwürfe von Kriegsverbrechen zurückweisen lassen. Sein britischer Anwalt Courtenay Griffiths sagte in seinem Plädoyer, er stehe im Gerichtssaal, "um einen Mann zu verteidigen, von dem wir sagen, er ist unschuldig".

Liberias Ex-Präsident Charles Taylor (rechts) und sein Verteidiger Courtenay Griffiths im Den Haager Gerichtsaal.

(Foto: Foto: AP)

Die Anklage wirft dem 61-Jährigen in elf Punkten Mord, Folter, Vergewaltigung, sexuelle Versklavung, Einsatz von Kindersoldaten und die Terrorisierung der Bevölkerung mit systematischen Verstümmelungen vor. Taylor sei einer der Hauptverantwortlichen für die Grausamkeiten im von 1991 bis 2002 dauernden Bürgerkrieg in Sierra Leone, einem Nachbarland Liberias.

Anwalt Griffiths sagte, keiner dieser Punkte sei bewiesen. Er bestritt nicht, dass Taylors Kämpfer Kriegsverbrechen begangen hätten, wolle aber beweisen, dass Taylor persönlich nichts mit den Grausamkeiten zu tun habe, "dass er ein Friedensstifter war und nicht ein Kriegstreiber."

Ein Menschenrechtler des liberianischen Demokratischen Instituts, Dan Saryee, wies die Argumentation von Taylors Anwalt zurück. "Taylors Kriegsmaschinerie war nie eine Friedenstruppe; wie sollte sie nach Sierra Leone gehen, um Frieden zu schaffen? Das ist undenkbar."

Taylor und die menschliche Leber

Griffiths bezeichnete Zeugenaussagen als unwahr, laut denen Taylor per Funk mit den Rebellen kommunizierte. Auch Berichte über Waffenschmuggel von Liberia nach Sierra Leone, die mit Diamanten bezahlt wurden, sind laut Griffiths "gelogen". Das gleiche gelte für die Aussage eines früheren Mitarbeiters, Taylor habe eine menschliche Leber gegessen.

Taylor war 2003 als erster amtierender afrikanischer Staatschef vor einem internationalen Strafgericht wegen Kriegsverbrechen angeklagt worden. Der Prozess wird mit besonderer Aufmerksamkeit verfolgt seit der Internationale Strafgerichtshof (IStGH) in Den Haag im März einen Haftbefehl gegen den sudanesischen Präsident Omar al-Baschir wegen ähnlich schwerer Verbrechen in Darfur ausgestellt hat.

"Der Herr der Blutdiamanten"

Staatsanwalt Stephen Rapp warf Taylor vor, die für extreme Grausamkeiten berüchtigte Rebellentruppe "Revolutionäre Vereinigte Front" (RUF) in Sierra Leone bewaffnet, ausgebildet und kontrolliert zu haben. Die RUF seines Kumpanen Foday Sankoh "bestrafte" seinerzeit Zivilisten durch das Abhacken von Gliedmaßen und das Abschneiden ihrer Lippen.

Dem Bürgerkrieg in Sierra Leone fielen zwischen 1991 und 2001 nach UN- Schätzungen mehr als 250.000 Menschen zum Opfer. Für die Ausrüstung der Rebellen soll Taylor in Sierra Leone geraubte Diamanten kassiert haben. Dafür erhielt er den Spitznamen "Herr der Blutdiamanten".

© AP/dpa/jab/bavo

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