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CDU:Wie Merkel Kramp-Karrenbauer zur Kanzlerin machen könnte

Angela Merkel (links) und Annegret Kramp-Karrenbauer haben "all in" gespielt - und zunächst gewonnen. Aber schafft es Merkels Favoritin auch ins Kanzleramt?

(Foto: AFP)

Nach dem Willen Angela Merkels soll Neu-CDU-Chefin Kramp-Karrenbauer auch ihre Nachfolgerin im Kanzleramt werden. Dahin führen mehrere Wege. Aber keiner ist ohne Risiko.

Vermutlich hat Angela Merkel selbst nicht damit gerechnet, dass sie so viel Spaß daran haben würde, Macht abzugeben. Merkel und Annegret Kramp-Karrenbauer haben "all in" gespielt, wie man beim Pokern sagt: mit letztem Einsatz. Kramp-Karrenbauer durch ihren politischen Umzug nach Berlin, Merkel mit dem frühzeitigen Verzicht auf den Parteivorsitz.

Der Teil der Macht, den Merkel jetzt an AKK übergeben hat, ist wie ein erstes Stück vom Kuchen. Dass dabei ihre alten Rivalen Friedrich Merz und Wolfgang Schäuble das Nachsehen hatten, ist eine Extraportion Schlagsahne, die Merkel ganz allein genießt.

Doch der Übergang in die Nach-Merkel-Zeit hat erst angefangen. Sein Ende wäre perfekt, wenn das Kanzleramt in den Händen der Union bliebe - jedenfalls aus Sicht von CDU und CSU. Merkels Ehrgeiz, auch das mit Kramp-Karrenbauer hinzukriegen, dürfte groß sein.

Daran ändert nichts, dass AKK sich nun hier und da von der Kanzlerin absetzt. Das ist eingepreist. Für AKK wiederum wäre es aussichtsreicher, den nächsten Wahlkampf schon im Amt zu führen. Doch ist es für die Kanzlerin bedeutend schwerer, die Macht im Staate loszuwerden als die Macht in der Partei.

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Eine SPD, die Merkel dreimal zur Kanzlerin gemacht hat, könnte politisch ohne Weiteres auch mit Kramp-Karrenbauer leben. Doch die Wahrscheinlichkeit, dass Andrea Nahles und Olaf Scholz für eine Fortsetzung der großen Koalition mit AKK an der Spitze eine Mehrheit in der eigenen Partei erhielten, ist gering.

Am Versuch wiederum, AKK ohne Neuwahlen mit einer Jamaika-Koalition aus Union, FDP und Grünen an die Macht zu bringen, haben die Grünen kein Interesse. Sie stehen in den Umfragen viel besser da als mit der bescheidenen Größe ihrer Fraktion im bestehenden Parlament.

Die SPD ist also zu schwach, die Grünen sind zu stark für eine Kanzlerin Kramp-Karrenbauer. Der geradeste Weg für Angela Merkel, ihre Favoritin ins Kanzleramt zu bringen, führt deshalb über vorgezogene Neuwahlen. Dann würde AKK den Wahlkampf zwar noch nicht im Amt führen. Für die zwei CDU-Frauen hätte es aber den Vorteil, dass weniger Zeit für ambitionierte Ministerpräsidenten ihrer Partei bliebe, sich als Kanzlerkandidaten ins Spiel zu bringen.

Gelegenheiten für eine Vertrauensfrage mit dem Ziel Neuwahlen werden sich 2019 genügend bieten: Merkel könnte damit etwa persönliche Verantwortung für schlechte CDU-Ergebnisse bei Europa- und Landtagswahlen übernehmen. Und spätestens Ende 2019 wird die SPD sehr wahrscheinlich die große Koalition sowieso aufkündigen. Die Abneigung gegen das Regieren hat sich so tief in die Partei gefressen, dass die im Koalitionsvertrag vereinbarte Halbzeitbilanz gar nicht gut genug ausfallen kann, um die vielen sozialdemokratischen Gegner von Schwarz-Rot zu besänftigen.

Denkbar wäre auch, eine Kanzlerin Merkel nach deren Rücktritt durch eine Minderheitsregierung AKK zu ersetzen - wenn der Bundespräsident mitspielte. Eine Genugtuung wäre die Minderheitsregierung für Wolfgang Schäuble: Er hatte für dieses Modell schon plädiert, bevor die große Koalition gebildet wurde. Andererseits entbehrte es nicht der Ironie, wenn er als Bundestagspräsident in AKK ausgerechnet die Kandidatin, die er verhindern wollte, nun vereidigen müsste. Daran hätte Merkel vermutlich wieder ihren Spaß.

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