Bundestagswahl 2021:CDU-Mitarbeiterinnen statt Models

Um "strengste Corona-Standards" einhalten zu können, griff die CDU für ihre Wahlplakate auf Personal aus dem Konrad-Adenauer-Haus zurück, sagt Generalssekretär Paul Ziemiak.

Um "strengste Corona-Standards" einhalten zu können, griff die CDU für ihre Wahlplakate auf Personal aus dem Konrad-Adenauer-Haus zurück, sagt Generalsekretär Paul Ziemiak.

(Foto: Friso Gentsch/dpa)

Die CDU präsentiert eigene Angestellte als Pflegekraft und Polizistin auf Wahlplakaten und bekommt dafür reichlich Häme ab. Diskussionswürdig ist die Kampagne aber aus ganz anderen Gründen.

Von Boris Herrmann, Berlin

Aus aktuellem Anlass muss darauf hingewiesen werden: Auch Mitarbeiterinnen des Konrad-Adenauer-Hauses sind echte Menschen. In der Aufregung um die neuen Wahlkampfplakate der CDU scheint da einiges durcheinander zu geraten mit den Begrifflichkeiten. Da ist von einer "falschen Pflegerin" sowie von einer "Fake Polizistin" die Rede. Die Partei bekommt reichlich Häme dafür ab, dass sie keine "normalen" beziehungsweise "echten Menschen" abgebildet hat.

Richtig ist: Für das Fotoshooting zur Bundestagswahlkampagne hat die CDU Freiwillige aus ihrem Personalstab in der Parteizentrale eingespannt. Eine Pressesprecherin wurde als Pflegekraft verkleidet, eine Kollegin ließ sich als Polizistin in Uniform ablichten. Mit diesem Motiv zog die CDU gar den Unmut der Polizeigewerkschaft GdP auf sich. Deren stellvertretender Bundesvorsitzender Jörg Radek durfte an exponierter Stelle in der Bild-Zeitung lästern: "Wir sind nicht die Garnitur für Wahlprogramme."

Mal abgesehen davon, dass die GdP hier gar nicht garnierend in Erscheinung tritt, weil es sich ja gerade nicht um eine wahrhaftige Polizeihauptmeisterin handelt, stellt sich die Gegenfrage, was eigentlich los gewesen wäre, wenn die CDU eine echte Polizistin genommen hätte? Das wäre nicht nur dienstrechtlich untersagt gewesen, es hätte vermutlich auch eine Debatte darüber ausgelöst, weshalb sich die real existierende Polizei für den Wahlkampf einer Partei einspannen lässt. Wie man's macht, ist es irgendwie falsch.

Normalerweise werden Models verpflichtet

CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak begründete das hausinterne Casting unter anderem damit, dass seine Partei während der Pandemie keine Krankenschwestern, Polizistinnen oder Altenpfleger mit Fototerminen von der Arbeit habe abhalten wollen. Üblicherweise werden für solche Shootings professionelle Models oder Schauspieler verpflichtet. Darauf, so Ziemiak, habe man diesmal verzichtet, um "strengste Corona-Standards" einhalten zu können. Deshalb macht die CDU also Wahlwerbung aus der eigenen Kohorte heraus.

Diskussionswürdig an dieser Kampagne ist sicherlich, ob der Slogan "Deutschland gemeinsam machen" grammatikalisch Sinn ergibt und ob eine selbst ernannte moderne Volkspartei wirklich ihrem Anspruch gerecht wird, wenn sich auf sämtlichen Plakaten nirgendwo auch nur der geringste Migrationshintergrund erahnen lässt. Vermutlich ist die Kampagne eben einfach so divers geraten, wie die Mitarbeiterstruktur im Adenauer-Haus nun einmal ist. Echt sind diese Leute trotzdem.

Natürlich erwartet man von Wahlwerbung mehr Authentizität als von Waschmittelwerbung. Und sicherlich hat die CDU hier die Wirkung ihres offensichtlichen Bruchs mit der Wahrhaftigkeit unterschätzt. Es wäre aber naiv zu glauben, dass Wahlplakate grundsätzlich die Realität abbilden. Auch SPD und Linke teilen auf Anfrage mit, schon Gesichter von Parteimitgliedern auf Werbemittel gedruckt zu haben. Auch bei ihnen ist nicht jeder abgebildete Dachdecker und jede Supermarktkassiererin tatsächlich in diesem Beruf beschäftigt.

Die FDP macht es sich da deutlich leichter mit ihrer Wahlkampagne. Sie setzt konsequent auf ein Plakatmotiv: einfach immer Christian Lindner.

© SZ/liv
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