Süddeutsche Zeitung

CDU: Vorwürfe gegen Banzer:Ein Rufmord, pünktlich zur Wahl

Ein Mann behauptet, Hessens Justizminister Banzer besitze Kinderpornos und habe ein Mädchen vergewaltigt - offensichtlich eine gezielte Intrige.

An den Pädophilie-Vorwürfen gegen den hessischen Justiz- und Kultusminister Jürgen Banzer ist offensichtlich nichts dran. Der CDU-Politiker scheint das Opfer einer Verleumdungskampagne geworden zu sein.

In einer Anzeige war dem 54-jährigen Banzer vorgeworfen worden, ein Mädchen sexuell missbraucht zu haben und kinderpornographisches Material zu besitzen, wie sueddeutsche.de aus Justizkreisen erfuhr.

Die Wiesbadener Ermittlungsbehörden scheinen von einer Rufmord-Kampagne auszugehen, ähnlich äußerte sich eine Sprecherin der Frankfurter Staatsanwaltschaft im Gespräch mit sueddeutsche.de. Sie wies darauf hin, dass die Anzeige in der vergangenen Woche zustande kam - just wenige Tage vor der hessischen Landtagswahl. Dieser Fakt sei "schon merkwürdig".

Die Anzeige war dem Vernehmen zufolge anonym von einer Schweizer Faxnummer auch mehreren Printmedien zugegangen. In dem Schreiben war die Kanzlei eines Wiesbadener Anwalts als Rechtsvertretung des Klägers angegeben.

Falsche Handynummer

Der Jurist sagte der dpa, er habe das Fax nie gesehen. Der angebliche Kläger habe zwar zweimal bei ihm angerufen, Termine für ein Treffen aber verstreichen lassen. Eine Handynummer des Mannes habe sich als falsch herausgestellt.

Wie die Sprecherin der Staatsanwaltschaft zu sueddeutsche.de sagte, habe der Mann unter anderem erklärt, Banzer habe seine Tochter vor zwei Jahren missbraucht.

Der beschuldigte Justizminister reagierte am Montagvormittag mit einer persönlich verlesenen Erklärung. Banzer wies die "schwerwiegenden verleumderischen Behauptungen" als "empörend" und "völlig aus der Luft gegriffen" zurück. Er selbst habe durch Journalisten von den Gerüchten über eine "angeblich gegen ihn gerichtete Strafanzeige" erfahren. Er habe nun selbst Strafanzeige beim Landeskriminalamt erstattet.

Er sehe sich als Opfer einer Intrige mit dem Ziel, "auf den Ausgang der hessischen Landtagswahl Einfluss zu nehmen", sagte Banzer in Wiesbaden.

Auch der Anwalt des angeblichen Klägers teilt diese Sicht der Dinge: Er deutete die Vorkommnisse als gezielte Intrige gegen Banzer.

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