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Neuer CDU-Vorsitzender:Drei Männer, drei Fragen

Röttgen, Laschet und Merz kämpfen um den CDU-Vorsitz.

(Foto: dpa(3))

Glühender Europäer, Polarisierer, "Blitzgescheiter": Die drei Bewerber für den CDU-Chefposten haben unterschiedliche Vorstellungen von der Zukunft ihrer Partei - und sind unterschiedliche Charaktere. Ein Überblick.

Seit Dienstag ist klar: Für den CDU-Vorsitz kandidieren Armin Laschet, Friedrich Merz und Norbert Röttgen. Welche Stärken und Schwächen haben die drei Männer? Und wie ist ihr Verhältnis zur Kanzlerin? Eine Übersicht:

Armin Laschet

Der 59-jährige Armin Laschet ist ein Umarmer: einer, der Streit schlichtet, Gegner einbindet, der versöhnt. Es ist typisch für den weltoffenen Aachener, dass er sein Zwei-Kerle-Bündnis mit dem konservativen Jens Spahn am Dienstag als "Team Laschet" verkaufte. Laschets Stärke ist aber auch sein Manko: Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident gilt als Mann ohne Kanten, als Politiker ohne scharfes Profil. Dass er allzeit zu "Maß und Mitte" mahnt, legen ihm Gegner gern als gewollte Mittelmäßigkeit aus. Laschet ruht in sich - aber das macht ihn eben zu keinem Orator mit Charisma. Und das wiederum wiegt doppelt schwer. Im Kampf um den künftigen Kurs der Partei gilt der Merkelianer als Vertreter eines "Weiter so". Laschet, leidenschaftlicher Europäer, fehlt die zündende Leitidee, ein "Projekt". Nur Friedrich Merz und einen Rechtsruck verhindern zu wollen, das wird nicht reichen.

Pressekonferenz Laschet und Spahn

Armin Laschet (rechts) wird von Gesundheitsminister Jens Spahn unterstützt.

(Foto: Kay Nietfeld/dpa)

Sein Verhältnis zu Angela Merkel ist dafür ziemlich gut. Laschet gilt als einer, der der Merkel-CDU bereits angehörte, lange bevor es diese überhaupt gab. In den Neunzigerjahren erlernte er Politik als Mitarbeiter von Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth, die damals gegen Parteichef Helmut Kohl für eine offenere, modernere CDU stritt. Als Bundestagsabgeordneter gehörte er zu den jungen Schwarzen, die sich in einer Bonner Pizzeria mit Grünen trafen. Und sechs Jahre im EU-Parlament konfirmierten den Katholiken aus Aachen endgültig zu einem glühenden Europäer. 2015 stellte sich Laschet klar hinter Angela Merkels Flüchtlingspolitik. Inzwischen geht er zwar dezent auf Distanz, wenn er etwa sagt, ein neues Einwanderungsgesetz und schärfere Grenzkontrollen hätten "wieder nötige Ordnung" geschaffen. Aber auch als CDU-Chef wäre Laschet loyal, bis zum letzten Arbeitstag einer Kanzlerin Merkel. Christian Wernicke

Friedrich Merz

Binnen eines guten Jahres tritt Friedrich Merz zum zweiten Mal für den CDU-Parteivorsitz an - und das vor allem mit dem Gefühl, dass er jene mobilisieren kann, die sich zuletzt von der CDU nicht mehr vertreten fühlten. Die größte Stärke des 64-Jährigen besteht darin, durch klare Sprache und Ansprache viele zu erreichen, die sich von der Politik abgewandt haben. Außerdem wird er von vielen Mittelständlern, Unternehmern und Konservativen bis heute nachgerade verehrt - was nichts mit Merz' eigenen Leistungen zu tun hat, sondern mit der Hoffnung auf Unterstützung, die sie in ihn hineinprojizieren. Mehr Hilfen für die Wirtschaft, mehr Mittel für Justiz und Polizei - das ist es, was sie sich von ihm erwarten.

Pressekonferenz Merz

Friedrich Merz polarisiert am meisten von den drei Kandidaten.

(Foto: Michael Kappeler/dpa)

Doch was Merz stark macht, kann sehr schnell auch zu seiner größten Schwäche werden. Dass er mehr als alle anderen polarisiert, sei es im Umgang mit der Klimakrise, sei es in aktuellen Lehren aus dem Flüchtlingsjahr 2015. So sehr seine Fans ihn bejubeln, so kritisch beäugen ihn viele Liberale. Seine Zeit bei Blackrock, seine bis vor Kurzem große Distanz zur Berliner Politik und sein Habitus als selbstbewusster Konservativer führen dazu, dass die Liberaleren in der CDU ihn als Zuspitzer und Provokateur fürchten. Ihre Sorge: Am Ende würden mit ihm nicht die Christdemokraten, sondern SPD und Grüne profitieren.

Hinzu kommt, dass keiner der Kandidaten lauter das Ende der Ära Merkel zu versprechen scheint als Merz. Unvergessen ist, mit welcher Schärfe er Merkel für die Niederlage in Thüringen verantwortlich machte. Und alle haben seinen Auftritt im Gedächtnis, als er die Groko mit dem Wort "grottenschlecht" abqualifizierte. Dass nun auch letzte Versuche scheiterten, ihn in Merkels Kabinett zu bekommen, hängt nicht nur an ihm - und zeigt doch, welche Welten die Bundeskanzlerin und ihn trennen. Stefan Braun

Norbert Röttgen

Im Rennen um den CDU-Vorsitz gilt Norbert Röttgen als Außenseiter. Das hat auch mit einer seiner größten Schwächen zu tun. Der 54-Jährige war schon immer ein Einzelkämpfer. Röttgen ist zwar ein exzellenter Redner und klarer Analytiker, er ist politisch erfahren und ziemlich intelligent - in Bayern würde man sagen "blitzgescheit". Und er hat Ausstrahlung weit über die CDU hinaus. Aber er gibt sich wenig Mühe, andere seine Überlegenheit nicht spüren zu lassen - damit macht man sich keine Freunde. Das gilt umso mehr, wenn man wie Röttgen eine der schmerzhaftesten Niederlagen der CDU zu vertreten hat. Mit ihm als Spitzenkandidaten stürzte die Union bei der Landtagswahl 2012 in Nordrhein-Westfalen auf ihr bis heute schlechtestes Ergebnis. Klug daherreden, aber nicht liefern, damit macht man in keiner Partei Punkte.

Norbert Röttgen will für den CDU Vorsitz kandidieren

Norbert Röttgen ist der Außenseiter im Rennen um den CDU-Vorsitz.

(Foto: Michael Kappeler/dpa)

Nach seiner Niederlage in Nordrhein-Westfalen warf ihn Angela Merkel aus der Bundesregierung. Für Röttgen war das ein tiefer Fall, sein politisches Leben hatte ihn bis dahin nur aufwärts geführt: erst parlamentarischer Geschäftsführer der Unionsfraktion im Bundestag, dann Bundesumweltminister - und in der Partei NRW-Landesvorsitzender und stellvertretender Bundesvorsitzender. All das verlor Röttgen 2012. "Die Umstände meines Ausscheidens waren unschön", sagt er. Nach seinem Hinauswurf als Minister sei "das Verhältnis zur Kanzlerin schon ein bisschen stumm geworden, es gab längere Zeit keinen größeren Kontakt". Aber es sei nicht seine Natur, "dass ich mich immer gräme", er "rechne nicht jeden Tag, wer hat mir mal bei einer Gelegenheit etwas angetan". Seitdem er 2014 Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses geworden sei, hätten Merkel und er "schon immer wieder vertraulich über Dinge gesprochen". Die Kanzlerin und Röttgen, sie dürften also miteinander auskommen, wenn Röttgen CDU-Chef und Kanzlerkandidat werden sollte - viel mehr aber auch nicht. Robert Roßmann

© SZ vom 26.02.2020/bix
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