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CDU-Parteivorsitz:Spitze der Frauen-Union gegen Merz als Parteichef

Rita Süssmuth

Rita Süssmuth (CDU), ehemalige Bundestagspräsidentin und frühere Vorsitzende der Frauen-Union, spricht sich für Armin Laschet als neuen Vorsitzenden ihrer Partei aus.

(Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa)

In einer Schaltkonferenz findet der ehemalige Unions-Fraktionschef nur wenig Unterstützung für seine Kandidatur. Favorit ist NRW-Landeschef Laschet, knapp gefolgt von Röttgen.

Die Spitze der Frauen-Union hat sich für Armin Laschet oder Norbert Röttgen als neuen Vorsitzenden der CDU ausgesprochen. Die Unterstützung für den früheren Unions-Fraktionschef Friedrich Merz dagegen fiel eher dürftig aus. Das zeigt ein Stimmungsbild in einer Schaltkonferenz des Bundesvorstands der Frauen-Union am Donnerstag.

Dabei ergab sich ein leichter Vorsprung für den nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Laschet als Kandidat für die Nachfolge der Parteivorsitzenden Annegret Kramp-Karrenbauer. Zu seiner Unterstützung gab es während der vierstündigen Runde zwölf Wortmeldungen. CDU-Außenpolitiker Röttgen kam immerhin auf zehn, im Fall Merz sind die Angaben nicht ganz eindeutig. Es heißt, zwei oder drei Stimmen hätten sich für ihn ausgesprochen.

Formell abgestimmt wurde in der Runde nicht. Das Stimmungsbild dürfte aber von Bedeutung sein, da etwa 300 der 1001 Delegierten des CDU-Parteitages Frauen sind.

In einem Interview mit der Nachrichtenagentur Dpa legte sich auch die frühere Vorsitzende der Frauen-Union, Rita Süssmuth, auf Laschet fest. Zur Begründung wies sie darauf hin, wie wichtig ihm Mitbürgerlichkeit sei, seine Fähigkeit, den Blick auf Andersdenkende zu korrigieren und sich selbst immer neu zu fragen, ob die eigene Position zu halten sei. Süssmuth betonte: "Ich spreche den anderen Bewerbern nicht die Fähigkeit für das Amt ab." Aber auch aus frauenpolitischer Sicht hält Süssmuth ihn für am besten geeignet: "Schauen Sie sich sein Kabinett an: Frauen haben immer selbstverständlich zu seiner Mannschaft gehört."

Die Vorsitzende der Vereinigung, Annette Widmann-Mauz, Bundesbeauftragte für Migration, Flüchtlinge und Integration, sagte dem Spiegel, Laschet und Röttgen hätten "durch ihre politische Erfahrung, ihren modernen Politikstil und zukunftsweisende Inhalte die Fähigkeiten, die CDU gut in die Zukunft zu führen". Auch Bundesbildungsministerin Anja Karliczek erneuerte in dem Magazin ihre Unterstützung für Laschet. Dieser könnte die Strömungen in der CDU am besten zusammenführen. "Er wäre eine gute Wahl."

Süssmuth: Frauenpolitik endlich voranbringen

Süssmuth zufolge muss der künftige Parteichef die Frauenpolitik endlich voranbringen. So erwarte sie, den Beschluss umzusetzen, dass bis 2025 die Frauen zu 50 Prozent in den Parlamenten beteiligt sein sollen. Notwendig sei aber auch ein Handeln bei Kinderbetreuung, Familie und Gesellschaft. Süssmuth erinnerte daran, dass der große Teil der erwerbstätigen Frauen nur in Teilzeit beschäftigt sei, was ihr Weiterkommen behindere. Wenn an solchen Dingen nicht gearbeitet würde, "hilft mir eine rein gesetzliche Parität im Parlament nicht".

Die Entscheidung über den neuen Vorsitzenden soll am Freitag kommender Woche beim CDU-Bundesparteitag fallen. Bereits an diesem Freitagabend wollten sich die drei Kandidaten in einem Online-Forum Fragen von Mitgliedern der Partei stellen. Es wird erwartet, dass der neue CDU-Vorsitzende auch den Anspruch auf die Kanzlerkandidatur anmelden wird.

© SZ/dpa/mcs/saul
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