CDU-Vorsitz Die selbstbewusste Botschaft der Annegret Kramp-Karrenbauer

  • Als Kandidatin für den CDU-Vorsitz muss Annegret Kramp-Karrenbauer einen schwierigen Spagat machen.
  • Sie gilt einerseits als Merkel-Vertraute, andererseits muss sie auch das Gefühl eines Neuanfangs vermitteln.
  • Ihr kämpferischer und selbstbewusster Auftritt bei der Präsentation ihrer Kandidatur in Berlin zeigt: Mit "AKK" ist zu rechnen.
Von Stefan Braun, Berlin

Am Anfang, in den allerersten Sekunden, muss sich Annegret Kramp-Karrenbauer noch an alles gewöhnen. An den regen Betrieb und die Unruhe, die so was immer begleiten. Rappelvoll ist es in der saarländischen Landesvertretung. Wie zuletzt beim Konkurrenten Friedrich Merz drängeln sich auch bei ihr viele Fotografen, Kameraleute und Journalisten um die besten Plätze. Alle wollen den Start ihrer Kampagne miterleben. Als die Fotografen einfach nicht aufhören mit dem Knipsen, greift die CDU-Generalsekretärin ein: "Nur die Ruhe. Nur die Ruhe."

Zwei kurze Sätze sind das, die vielleicht auch ihr selbst gelten. Kramp-Karrenbauer weiß genau, dass für sie mit diesem Tag eine neue Zeit anbricht. Gleich wird sie von einem "besonderen Tag" und einem "besonderen Ort" sprechen. Dabei zeigt sich, dass auch die coole Saarländerin einen solchen Aufbruch nicht mit links macht.

Es geht um die Zeit nach Angela Merkel; es geht um die Macht in der Volkspartei CDU. Und es geht um die Frage, ob es nach 18 Jahren mit einer Frau an der Spitze gleich noch mal eine Frau ganz nach oben schafft. Manche haben das im Vorfeld der jetzigen Umwälzungen als Problem ausgemacht. Also unternimmt Kramp-Karrenbauer binnen Minuten alles, um derartige Zweifel aus dem Raum zu bugsieren. Zu schwach, zu Merkel-nah, zu wenig Neues - mit derlei Attributen will sie ganz offensichtlich aufräumen.

AKKs Spagat

Schnell und früh spricht Kramp-Karrenbauer von dem Ende einer Ära und vom Aufschlagen eines neuen Kapitels. Sie lässt dabei erkennen, dass ihr, der sogenannten Merkel-Vertrauten, nicht bange ist vor dem Spagat, der sich für sie damit verbindet. Wie viel Altes nimmt man mit und wie viel Neues ist bitter nötig? Das sind die Fragen, vor denen die CDU bis zum Parteitag im Dezember steht.

Die gebürtige Völklingerin dürfte sich damit in den vergangenen Tagen beschäftigt haben. An diesem Mittwochmittag aber will sie sich nicht lähmen lassen. Mindestens so selbstbewusst wie in der Vorwoche Friedrich Merz spricht sie von den eigenen Stärken, warnt vor einem vergifteten Wettstreit und hat gleichwohl manchen Seitenhieb im Gepäck, der deutlich macht, mit welchem Selbstverständnis sie diesen Wettbewerb angeht.

"Ich will, ich kann, ich werde" - sie muss diesen Satz vom letzten Parteitag gar nicht mehr wiederholen, um deutlich zu machen, dass sie sehr entschlossen um den Sieg kämpft. Mag der Ort, die saarländische Landesvertretung, Teil ihrer alten Heimat sein - heute will sie zu neuen Ufern aufbrechen.

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Entsprechend deutlich spricht sie über Merkel und die vergangene Zeit. Zunächst erinnert sie an "sehr viele persönliche Erlebnisse mit Angela Merkel", beschreibt die Bedeutung ihrer Ära, redet davon, dass die Zeit der bisherigen CDU-Vorsitzenden die Partei und das Land sehr verändert habe. Dabei sei klar, "dass wir Angela Merkel für sehr vieles zu danken haben".

Kramp-Karrenbauer lässt also keinen Zweifel daran, wie eng sie Merkel begleitet hat - und wie sehr die Kanzlerin sie geprägt hat. Und sagt dann: "Eine solche Ära kann man nicht beliebig verlängern, aber man kann sie auch nicht einfach rückgängig machen." Das klingt wie ein Lob und ist doch eine erste Warnung: Lieber Herr Merz, lieber Herr Spahn, glaubt ja nicht, ihr könntet Derartiges durchsetzen.