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Provokation von CDU-Vize Strobl:"Der Grieche hat jetzt lang genug genervt"

CDU Präsidium Thomas Strobl Griechen

Thomas Strobl, Landesvorsitzender der CDU in Baden-Württemberg, bei seinem "Griechen"-Statement.

(Foto: dpa)

Halb Europa fürchtet eine neue deutsche Dominanz. Da stellt sich der CDU-Vize und Schäuble-Schwiegersohn Thomas Strobl vor eine Kamera und bestätigt die antideutschen Vorurteile.

Thomas Strobl sagt diese Worte einfach so. Ein erster Satz von mehreren Sätzen. Als ob er am Stammtisch säße beim dritten Glas Heilbronner Trollinger Rosé. Oder im Kreise seiner Familie. Er sagt:

"Der Grieche hat jetzt lang genug genervt."

Strobl hat dabei kein Weinglas in der Hand, sondern seine abgeschabte Aktentasche. Und er sitzt auch nicht am Stammtisch der Stuttgarter Senioren-Union. Er steht vor der CDU-Zentrale vor einer Traube Journalisten und spricht in Mikrofone und schaut dabei in die Kamera.

Strobl ist ja nicht irgendwer: Er ist einer der Stellvertreter von Angela Merkel im CDU-Parteivorsitz, Chef der CDU in Baden-Württemberg, Bundestagsabgeordneter. Und außerdem ist seine Frau die Tochter von Wolfgang Schäuble.

Der Bundesfinanzminister ist seit dem Wochenende wohl der Mann, den die Griechen am meisten hassen. Denn Schäuble steht für die beinharte deutsche Linie gegenüber der Regierung in Athen. Er plädierte für den Austritt des bankrotten Griechenlands aus der Eurozone. "Zuchtmeister" nannte ihn dafür der ehemalige griechische Amtskollege Yanis Varoufakis und behauptete, Schäuble wolle den Währungsraum durch ein griechisches Exempel unterjochen.

Schäuble ist seit ein paar Tagen auch in anderen EU-Staaten für viele das Gesicht eines Deutschlands, das Europa seinen Willen aufzwingt. Einer Macht, die den Kontinent beherrschen will wie einst kaiserliche Anführer oder eingebürgerte Österreicher. In Italien warnt man vor einem "germanisierten Europa", in Frankreich lobt man Athen für seinen Widerstand gegen Schäuble.

Berliner Arroganz also? Geschichtsvergessene Teutonen? Allmachtsphantasien? Quatsch, sagen andere (auch aus der Union), war doch alles nur Taktik. Schäuble habe bei den Verhandlungen nur den harten Hund und Wüterich gegeben, damit die linke Tsipras-Regierung endlich kompromissbereit wird. Der Schäuble sei halt erfahren, der kennt halt alle Tricks und Kniffe. Und liebt Europa, ergo auch Griechenland.

Und dann kommt dieser Strobl daher und sagt mit Blick auf das Land, das die Deutschen vor nur etwas mehr als 70 Jahren überfallen und grausam beherrscht hatten: "Der Grieche hat lang genug genervt."

Natürlich: Sippenhaft ist abgeschafft. Man kann Schäuble nicht verantwortlich machen für das, was sein Schwiegersohn sagt. Aber Schäuble kann auch nicht verhindern, dass seine Worte vor dem Hintergrund der Stroblschen Wortwahl einen neuen Klang bekommen.

Strobls Statement läuft im ZDF und in der ARD, dann verbreitet es sich schnell im Internet. Der Berliner Korrespondent von El Pais twitterte die Nachricht an seine mehr als 20 000 Follower.

Ansonsten bescherte sich Strobl einen Shitstorm, Tendenz wachsend.

Der Grüne Arndt Klocke empfiehlt Strobl, in die Alternative für Deutschland einzutreten.

Und Grünen-Parteichef Özdemir wundert sich, dass niemand (in der Union) Strobl widerspricht.

In Strobls Südwest-CDU dürften sich nun einige überlegen, ob sein Spruch Auswirkungen auf die Landtagswahl in Baden-Württemberg haben könnte. Vielleicht erinnern sie sich auch an das Panzerlied der Wehrmacht, das Strobl einst in ein CDU-Gesangsbuch drucken ließ ( hier mehr). Oder denken daran, wie Strobl den Schauspieler und Stuttgart-21-Gegner Walter Sittler mit einem Nazi-Vergleich verunglimpfte ( hier mehr).

Und dann dürften manche Christdemokraten froh sein, dass Strobl die Spitzenkandidatur für die Landtagswahl verpasst hat.