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CDU und FDP:Kohls verwirrende Wahlwerbung

Brüderle und Rösler besuchen Helmut Kohl in Ludwigshafen

Umstrittenes Kaffeekränzchen: Rainer Brüderle (l.), Philipp Rösler (r.) und Alt-Bundeskanzler Helmut Kohl posieren in Kohls Garten vor einem Stück der Berliner Mauer.

(Foto: dpa)

Zuerst schmauste Helmut Kohl Pflaumenkuchen mit der FDP-Spitze, dann folgte ein Wahlspot mit der Botschaft "beide Stimmen für die CDU". Dieses Verhalten im Wahlkampf ließ Union und Liberale rätseln. Ist der Altkanzler nun für Schwarz-Gelb oder gegen die FDP? Zwei Auftritte und ihre Deutung.

Helmut Kohl ist 83 Jahre alt. Er ist gesundheitlich schwer angeschlagen. Seine öffentlichen Auftritte werden immer seltener. Er lebt weitgehend abgeschottet in seinem Haus in Ludwigshafen und wird behütet und betreut von seiner zweiten Ehefrau Maike. Und so dürfte auch sie beteiligt gewesen sein an dem, was den Altkanzler in den letzten Tagen in die Schlagzeilen gebracht hat.

Denn wie es Kohls politischer Leidenschaft entspricht, hat er passend zum Wahlkampffinale für eine schwarz-gelbe Koalition und für seine CDU geworben. Die Abläufe und die medialen Interpretationen haben allerdings dazu geführt, dass er in einen Strudel geraten ist, der ihn schwer bekümmern dürfte.

Begonnen hatte es mit Kaffee und Kuchen. Genau genommen: mit Pflaumenkuchen in Kohls Garten. Dort nämlich hatte der Altkanzler vor knapp zwei Wochen Rainer Brüderle und Philipp Rösler empfangen. Es soll ein nettes Gespräch gewesen sein mit den beiden FDP-Wahlkämpfern. Kohl soll den angeschlagenen Liberalen Mut gemacht haben, weiter an eine schwarz-gelbe Mehrheit zu glauben. Und damit seine Aufmunterung auch unters Volk gebracht würde, sind ein Fotograf und ein Schreiber der Bild-Zeitung mit dabei gewesen. Das Ergebnis waren ein schönes Foto und ein länglicher Text, in dem sich Kohl für vier weitere Jahre Schwarz-Gelb ausspricht. Brüderle und Rösler sehen zufrieden aus in Kohls Garten. Sie können zur Zeit jede Hilfe gebrauchen.

Aufregung um ein Stück Kuchen

Am nächsten Tag griffen einige Medien das groß auf. Und der Tenor war fast immer derselbe: Der Altkanzler werbe nicht nur für die Liberalen. Zwischen den Zeilen spreche er sich auch für eine Zweitstimmenkampagne zugunsten der FDP aus. Brüderle und Rösler mochten das nicht dementieren. Und den meisten Medien gefiel es prächtig, weil sie einen Streit mit der aktuellen CDU-Spitze wittern durften.

Prompt gab es entsprechende Berichte - bis Tage später ein Wahlwerbespot Helmut Kohls für die Hamburger CDU bekannt wurde. Darin ist ein Foto Kohls zu sehen und daneben steht zu lesen, dass er, Kohl, alle auffordere, mit der Erst- und der Zweitstimme bei der CDU das Kreuzchen zu machen. Das war zwar schon einige Tage alt, aber viele lasen es als Antwort auf die Spekulationen, ausgerechnet der alte CDU-Chef werbe nicht mehr für seine eigenen Christdemokraten. Prompt meldete das Online-Portal von Focus, Kohl stelle sich gegen die Liberalen. Und der Rest der Welt fragte sich, was Kohl wirklich möchte.

Unterstützung des gewünschten Partners

Es folgte, was folgen musste: eine Erklärung aus dem Büro des Altkanzlers. Darin erklären seine Mitarbeiter, was er gemeint und was er sicher nicht gemeint hat. Vor allem widersprechen sie der Sichtweise von Focus-online. Wörtlich heißt es dazu: "Das Gegenteil ist richtig. Der Bundeskanzler will die Fortsetzung der schwarz-gelben Koalition. Und was er dazu an Unterstützung beitragen kann, will er gerne leisten."

Ja, das ist es, was Kohl will und stets wollte. Und das ist nicht überraschend. Die FDP hat ihn mit ihrem Koalitionswechsel 1982 an die Macht gebracht. Er hat 16 Jahre mit ihr regiert. Und er hat trotzdem immer wieder und zuletzt 1998 gesagt, dass er von Leihstimmen und Zweitstimmenkampagnen nichts halten würde. In der Aufgeregtheit dieses Wahlkampfes aber ist das gerne vergessen worden. Was bedeutet: Wenn es um alles geht, darf auch Helmut Kohl seine Botschaften nicht mehr zwischen den Zeilen versenden.