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CDU-Schatzmeister Linssen unter Druck:Heimlichtuer mit zweifelhaften Motiven

Helmut Linssen

Der ehemalige nordrhein-westfälische Finanzminister Helmut Linssen hat nach eigenen Worten keine Steuern hinterzogen

(Foto: dpa)

Jetzt will er seiner Mutter nur einen Gefallen getan haben. Bitte? Und deshalb Geld auf die Bahamas transferieren? CDU-Schatzmeister Linssen muss sich langsam ernsthaft erklären. Sonst wird sein Fall ein echtes Problem für Merkel.

Fassen wir doch mal kurz zusammen: Helmut Linssen, Schatzmeister der CDU, Finanzvorstand der RAG-Stiftung, ehemaliger NRW-Finanzminister, dieser Mann also zahlte Ende der 90er Jahre 830.000 DM auf ein geheimes Konto der Bank HSBC Trinkaus & Burkhardt in Luxemburg ein. Das Geld floss um 1997 an eine Briefkastenfirma auf den Bahamas, deren Direktorin zugleich Direktorin von weit mehr als 1700 weiteren Briefkastenfirmen war. Später war die Firma plötzlich in Panama registriert. Das Magazin Stern hat alles ans Licht gebracht.

Und das alles nur, weil er seiner Mutter "einen Gefallen" tun wollte, wie er jetzt der Rheinischen Post beichtet?

Mit Verlaub, Herr Linssen, um es mal mit Joschka Fischer zu sagen: "Excuse me, i'm not convinced", ich bin nicht überzeugt. Wen will dieser Mann eigentlich hinter die Fichte führen? Das ganze Geschäft stinkt so dermaßen zum Himmel, dass auch ein eingestelltes Verfahren gegen ihn kaum zur Glaubwürdigkeit beitragen kann.

Nach Stand der Dinge waren vor allem die Verjährungsfristen abgelaufen. Die Augen des Rechtsstaates haben da wohl ein paar blinde Flecken.

Dabei müsste Linssen nur ein paar schlichte Fragen beantworten, wenn er die Sache aus der Welt schaffen will: Warum hat er angeblich ehrlich verdientes und versteuertes Geld seiner inzwischen verstorbenen Eltern auf geheimen Wegen auf die Bahamas transferieren lassen? Warum lag es nicht, wenn der Weg über die Bahamas auch noch - wie er sagt - der teuerste war, brav auf einem Konto seiner Heimat-Sparkasse Kleve? Warum hat er, wenn er nichts zu verbergen, also keine Steuern hinterzogen hat, Geld von dem Geheimkonto stets in bar abgehoben? Und worin bitteschön liegt der Gefallen, den er seiner 2004 mit 97 Jahren verstorbenen Mutter mit all dem gemacht haben will?

"Immer geahnt, dass da was kommen könnte"

Auf keine dieser Fragen gibt Linssen Antwort. Das wäre nicht weiter tragisch, wenn er kurz nach Schließung des Kontos 2004 nicht den Job des Finanzministers in seinem Land übernommen hätte und später den des Bundesschatzmeisters der CDU. Ihm muss klar gewesen sein, welches Gepäck er da aus jüngster Vergangenheit mit sich herumschleppt. Das sagt er sogar selbst: Er habe "immer geahnt, dass da was kommen könnte". Warum hat er dann nichts selbst etwas dazu gesagt?

Es soll ihm hier nichts unterstellt werden. Die wahren Gründe können harmlos sein. Aber als Finanzchef der Volkspartei CDU haben zumindest seine Parteifreunde Anspruch darauf, zu erfahren, wer da wirklich das Geld der CDU verwaltet. Es fällt von Tag zu Tag schwerer zu glauben, dass die Weste, die er trägt, so blütenrein weiß ist, wie er behauptet.

Sollte Linssen nicht bald die offenen Fragen klären, wird die Angelegenheit zu einem Problem für Kanzlerin und CDU-Parteivorsitzende Merkel. Einen Heimlichtuer aus zweifelhaften Motiven in der Spitze ihrer Partei wird sie sich nicht lange leisten können.