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Debatte um Parteivorsitz:CDU-Politiker bringen Teamlösung ins Spiel

Kramp-Karrenbauer, Spahn, Merz, CDU

Jens Spahn (vorne) und Friedrich Merz sind zwei der drei CDU-Politiker, die als Nachfolger von Annegret Kramp-Karrenbauer an der Parteispitze gehandelt werden. Können sie auch als Team?

(Foto: AFP)
  • Wie wird sich die CDU nach dem angekündigten Rückzug von Parteichefin Kramp-Karrenbauer aufstellen?
  • Mehrere CDU-Politiker sprechen sich dafür aus, die Parteiführung als "Team" neu aufzustellen. Wie genau das aussehen soll, ist allerdings unklar.
  • "Wen immer sie fragen, hat jeder so seine Präferenz, wer denn beim Team vorne stehen soll", sagt dazu Gesundheitsminister Spahn, der selbst als möglicher Kandidat für den Vorsitz gehandelt wird.
  • Noch Parteichefin Kramp-Karrenbauer will in den nächsten Tagen Gespräche mit potenziellen Nachfolgern führen.

In der CDU werden die Rufe nach einer Teamlösung bei der Neuaufstellung in der Partei lauter. Der baden-württembergische CDU-Landesvorsitzende und Partevize Thomas Strobl betonte am Sonntagabend im ZDF, dass die Partei "drei exzellente Bewerber" für die Nachfolge von Parteichefin Annegret Kramp-Karrenbauer und "gegebenenfalls" auch von Kanzlerin Angela Merkel habe.

"Es könnte ja auch sein, dass wir in den nächsten Tagen uns darum bemühen, ein Team zu bilden, in dem die Stärken aller drei Bewerber zur Geltung kommen", sagte CDU-Präsidiumsmitglied Strobl im heute journal. "Der Gedanke, dass wir ein Team bilden, den sollten wir in den nächsten Tagen schon mal intensiv miteinander besprechen."

Kramp-Karrenbauer will in den kommenden Tagen Gespräche mit den potenziellen Kandidaten führen und dann am 24. Februar die CDU-Spitzengremien informieren. An diesem Dienstag ist nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa ein Treffen mit dem früheren Unionsfraktionschef Friedrich Merz geplant. Außer ihm werden der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet und Gesundheitsminister Jens Spahn als Kandidaten gehandelt. Strobl betonte, Merz habe nicht von vornherein gesagt, dass er sich einem Team verschließe. Das gelte auch für die beiden anderen potenziellen Bewerber.

Auch Spahn selbst nahm das Wort "Team" in dem Zusammenhang in den Mund. "Es gibt ein hohes Bedürfnis bei unseren Wählern und unseren Mitgliedern, dass wir das im Team und mit viel Verantwortungsbereitschaft regeln", sagte der CDU-Politiker in der ARD-Sendung Bericht aus Berlin. Über den CDU-Vorsitz und die Kanzlerkandidatur der Union solle jetzt "zügig" entschieden werden.

Natürlich sei es bei der Kanzlerkandidatur aus wahltaktischen Gründen manchmal besser, eine Entscheidung zeitlich näher an der Wahl zu treffen. Beim momentanen Zustand der CDU brauche es nun aber vor allem Klarheit - inhaltlich, aber auch personell, sagte Spahn. Es gelte, nach einem Team zu suchen, das "die Partei eint und den Anspruch deutlich macht, die Zwanzigerjahre zu gestalten". Mit Blick auf mögliche Konstellationen in einem Team sagte Spahn, er schließe nichts ein oder aus. "Wen immer sie fragen, hat jeder so seine Präferenz, wer denn beim Team vorne stehen soll."

Der Chef der Mittelstandsunion, Carsten Linnemann (CDU) sagte der Rheinischen Post, die Hoffnung in der Partei sei groß, dass es zu einer Teamlösung komme und keine Spaltung gebe. "Der Wert einer gütlichen Einigung ist höher einzuschätzen als ein langwieriges öffentliches Gezerre mit Kampfkandidaturen."

Die stellvertretende Unionsfraktionschefin Katja Leikert warnte vor den Risiken einer Kampfkandidatur um den Parteivorsitz: "Was nicht geht, ist, dass das Lager des Unterlegenen dann wie nach der Wahl von Annegret Kramp-Karrenbauer dreimal täglich die Autorität des neuen Vorsitzenden untergräbt", sagte sie der Rheinischen Post. "So einen Zirkus dürfen wir uns kein zweites Mal erlauben."

Der Vorsitzende der kommunalpolitischen Vereinigung der Union, Christian Haase, sagte dem Redaktionsnetzwerk Deutschland: "Wir erwarten ein vorzeigbares Team, paritätisch besetzt von Frauen und Männern, hinter dem sich die Partei versammeln kann und das Brücken baut".

Wie eine Teamlösung konkret aussehen könnte, scheint derzeit völlig unklar. Die drei bislang als künftige Parteichefs gehandelte Kandidaten Merz, Laschet und Spahn haben untereinander komplizierte Beziehungen - und stehen zum Teil auch inhaltlich für unterschiedliche Ausrichtungen der Partei.

© SZ.de/dpa/gal/mkoh
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