Auf- und Absteiger des CDU-Parteitags:Dämpfer für Spahn - und die Chefin der Frauen Union scheitert ganz

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Auf- und Absteiger des CDU-Parteitags: Annette Widmann-Mauz auf einem Foto aus dem Jahr 2021, damals noch als Migrationsbeauftragte der Bundesregierung

Annette Widmann-Mauz auf einem Foto aus dem Jahr 2021, damals noch als Migrationsbeauftragte der Bundesregierung

(Foto: Fabrizio Bensch/AFP)

Annette Widmann-Mauz fliegt aus dem Präsidium, der Ex-Gesundheitsminister kommt nur auf 60 Prozent. Mit Joe Chialo und Jessica Heller schaffen es ein Ex-Grüner und eine Krankenschwester in den Bundesvorstand.

Von Robert Roßmann, Berlin

Auf dem CDU-Parteitag haben sich die Blicke naturgemäß vor allem auf Friedrich Merz gerichtet: Wie gut wird er bei der Wahl zum CDU-Vorsitzenden abschneiden? Merz hatte sich ein Ergebnis von mehr als 80 Prozent gewünscht - fast 95 Prozent sind es geworden. Doch bei Parteitagen müssen sich nicht nur Vorsitzende bewerten lassen. Dort wird auch die Beliebtheit der zweiten Reihe der Partei gemessen. Ein Blick auf deren Ergebnisse offenbart, wessen Karriere sich dem Ende zuneigen wird. Vor allem aber zeigt er, wer die Aufsteiger der kommenden Jahre sein könnten.

Bei der Wahl der fünf stellvertretenden Parteivorsitzenden glänzte jetzt zum Beispiel Michael Kretschmer. Der sächsische Ministerpräsident kam auf 92,65 Prozent. Carsten Linnemann, bis vor kurzem Chef des Wirtschaftsflügels, erzielte das zweitbeste Ergebnis. Es folgten die Bundestagsabgeordneten Silvia Breher und Andreas Jung. Die schleswig-holsteinische Bildungsministerin Karin Prien landete mit 70,83 Prozent mit Abstand auf dem letzten Platz.

Noch interessanter waren die Wahlen der weiteren Präsidiums- und Bundesvorstandsmitglieder. Denn dabei gab es mehr Kandidaten als Plätze. Und deutliche Fingerzeige der Delegierten - zum Beispiel für Jens Spahn.

Auf- und Absteiger des CDU-Parteitags: Jens Spahn, ehemals stellvertretender CDU-Vorsitzender, ist jetzt nur noch einfaches Präsidiumsmitglied.

Jens Spahn, ehemals stellvertretender CDU-Vorsitzender, ist jetzt nur noch einfaches Präsidiumsmitglied.

(Foto: Kay Nietfeld/dpa)

Spahn hatte sich Ende 2018 für den Parteivorsitz beworben. Vor einem Jahr war er in einer Meinungsumfrage der beliebteste Politiker im Land - er hätte nichts dagegen gehabt, Kanzlerkandidat zu werden. Doch statt aufzusteigen, ist er abgestürzt. Sein Ministeramt hat er verloren. Auch in der CDU ist sein Stern gefallen. Bisher war Spahn stellvertretender Bundesvorsitzender. Für dieses Amt hat er auf dem Parteitag gar nicht mehr kandidiert. Er wusste, dass es aussichtslos gewesen wäre. Stattdessen bewarb er sich nur für eine einfache Mitgliedschaft im Präsidium. Aber selbst dafür war er vielen Delegierten jetzt nicht mehr gut genug. Spahn bekam lediglich 60,21 Prozent der Stimmen, niemand im neuen Präsidium hat ein schlechteres Ergebnis erzielt.

Chefin der Jungen Gruppe jetzt im Präsidium

Sogar Ronja Kemmer, Ina Scharrenbach und Ines Claus - die drei traten alle zum ersten Mal an - schnitten deutlich besser ab als Spahn. Kemmer ist erst 32 Jahre alt, sie ist Chefin der Jungen Gruppe der Unionsfraktion. Scharrenbach, 45, ist Ministerin in Nordrhein-Westfalen. Und Claus, 44, führt die CDU-Fraktion im hessischen Landtag. Die drei Frauen sind zweifelsohne Gewinnerinnen dieses Wochenendes.

Auf- und Absteiger des CDU-Parteitags: Eine der Gewinnerinnen des Parteitags, NRW-Ministerin Ina Scharrenbach.

Eine der Gewinnerinnen des Parteitags, NRW-Ministerin Ina Scharrenbach.

(Foto: Roberto Pfeil/dpa)

Die Vorsitzende der Frauen Union, Annette Widmann-Mauz, wurde dagegen abgestraft. Für die Wahl der sieben einfachen Präsidiumsmitglieder gab es acht Kandidaten. Spahn erzielte das schlechteste Ergebnis der sieben Gewählten - aber Widmann-Mauz wurde gar nicht gewählt. Die 55-Jährige kommt wie Ronja Kemmer aus Baden-Württemberg. Und die Delegierten entschieden sich für die jüngere der beiden Kandidatinnen aus diesem Bundesland.

Hauptgrund für das Scheitern von Widmann-Mauz dürfte aber deren Einsatz für eine Frauenquote sein. Die Satzungskommission der CDU hatte sich 2020 nach jahrelangem Drängen der Frauen Union für die Einführung einer solchen Quote ausgesprochen. Doch dafür braucht es eine Satzungsänderung. Satzungsänderungen können aber nur auf Präsenzparteitagen beschlossen werden, deshalb stand die Quote auch diesmal nicht auf der Tagesordnung. Formal hat also erneut die Pandemie die Einführung der Quote verhindert, es gibt aber viele in der CDU, die das nicht sonderlich stört - wie das schlechte Ergebnis für Widmann-Mauz beweist.

Die besten Ergebnisse bei der Wahl der einfachen Präsidiumsmitglieder erzielten übrigens Männer. Karl-Josef Laumann, der Chef des Arbeitnehmerflügels, landete auf dem ersten Platz - vor dem Ministerpräsidenten von Sachsen-Anhalt, Reiner Haseloff, und dem niedersächsischen Wirtschaftsminister Bernd Althusmann.

Ex-Ministerin Anja Karliczek scheitert bei der Vorstandswahl

Bei der Wahl der weiteren Bundesvorstandsmitglieder stachen vor allem fünf Ergebnisse heraus. Anja Karliczek, im Dezember noch Bundesministerin, schaffte es nicht in den Vorstand. Auch die Rechtsauslegerin Sylvia Pantel, sie zeigt sich gerne mit Hans-Georg Maaßen, scheiterte. Sie erhielt das mit Abstand schlechteste Ergebnis.

Auf- und Absteiger des CDU-Parteitags: Joe Chialo zog mit einem herausragenden Resultat in den CDU-Vorstand ein.

Joe Chialo zog mit einem herausragenden Resultat in den CDU-Vorstand ein.

(Foto: Michael Sohn/AP)

Spektakulär war dagegen das Resultat von Joe Chialo. Der 51-jährige Musikmanager stammt aus einer tansanischen Diplomatenfamilie. Er war Metal-Sänger, Boxer, Türsteher und Mitglied der Grünen. Jetzt zog er mit dem besten Ergebnis in den CDU-Vorstand ein. Sehr gut schnitt auch Jessica Heller ab. Die 31-Jährige ist Krankenschwester auf einer Leipziger Intensivstation und nun zum ersten Mal im Vorstand. Die 25-jährige Juristin Wiebke Winter von der Klima-Union saß bereits im Bundesvorstand, sie wurde jetzt wieder gewählt.

Der ehemalige CDU-Generalsekretär Peter Tauber hatte sich in seiner Amtszeit zum Ziel gesetzt, die CDU jünger, weiblicher und vielfältiger zu machen. Zumindest mit Wiebke Winter, Jessica Heller und Joe Chialo könnte das gelingen.

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