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CDU-Parteivorsitz:So kann AKK sich selbst noch überholen

Koalition erzielt Durchbruch bei Wahlrecht und Kurzarbeit

Als Annegret Kramp-Karrenbauer am 10. Februar 2020 ankündigte, den Vorsitz der CDU abzugeben, war sie erst kurz Parteichefin: gerade mal ein Jahr, zwei Monate und drei Tage.

(Foto: Markus Schreiber/dpa)

Die CDU verschiebt ihren für Dezember geplanten Parteitag. Das könnte skurrile Folgen für die Parteistatistik haben.

Von Nico Fried, Berlin

Annegret Kramp-Karrenbauer hat einen langen Namen, den sie gerne abkürzen lässt, was die drei Initialen AKK zu einer politischen Marke gemacht hat. Mit ihrer Amtszeit als Parteichefin der Christdemokraten verhält es sich genau andersrum: Als Kramp-Karrenbauer am 10. Februar 2020 ankündigte, den Vorsitz der CDU abzugeben, war die Saarländerin erst sehr kurz an der Parteispitze: gerade mal ein Jahr, zwei Monate und drei Tage. Doch seither zieht sich die Verweildauer AKKs im CDU-Vorsitz immer länger hin. Und das hat bemerkenswerte Folgen - erst recht, nachdem der CDU-Vorstand an diesem Montag eine erneute Verschiebung des eigentlich für Dezember in Stuttgart geplanten Parteitags beschlossen hat und damit einem Vorschlag Kramp-Karrenbauers folgte.

Im Februar, am Tag ihrer Ankündigung, den CDU-Vorsitz abzugeben, war Kramp-Karrenbauer genau 430 Tage Parteivorsitzende und hatte damit zu diesem Zeitpunkt von insgesamt acht christdemokratischen Parteichefs seit Konrad Adenauer die zweitkürzeste Amtszeit. Nur Ludwig Erhard hatte sie kurz zuvor schon überholt, der war zwischen März 1966 und Mai 1967 nur auf 426 Tage gekommen. Allerdings galt Erhard zwar als Vater des Wirtschaftswunders, nicht aber als Freund des Parteienwesens. Der Apparat sei ihm "unwichtig" gewesen, "Formalien langweilten ihn", berichtete vor einigen Jahren der Historiker Daniel Koerfer. Mitunter tauchen in der Geschichtsschreibung sogar Zweifel auf, ob Erhard überhaupt CDU-Mitglied war oder sich um einen formal korrekten Beitritt immer wieder gedrückt hatte.

Mit der Terminierung des Parteitags auf den 25. April 2020 war klar, dass AKK zumindest auch noch den wegen der Spendenaffäre zurückgetretenen Wolfgang Schäuble überholen würde. Bei der so geplanten Übergabe an ihren Nachfolger wäre sie 505 Tage Vorsitzende gewesen. Schäuble hatte am 16. Februar nach 466 Tagen seinen Rücktritt als CDU-Chef erklärt. Die 54 Tage, die er geschäftsführend im Amt war, bis Angela Merkel auf dem Essener Parteitag am 10. April 2000 gewählt wurde, zählt auch die offizielle Historie der CDU nicht mehr mit.

AKK ist schon auf Platz fünf vorgerückt

Sie hätten ihm auch nichts genützt. Denn wegen der Corona-Epidemie wurde der Parteitag von April auf Dezember verschoben. Das hat dazu geführt, dass Kramp-Karrenbauer nicht nur Schäuble, sondern im August - also nach einem Jahr und acht Monaten - auch noch Rainer Barzel überholte, der von Oktober 1971 bis Juni 1973 CDU-Vorsitzender war. Mittlerweile steht Kramp-Karrenbauer also schon auf Platz fünf in der CDU-Statistik, was man fast als solides Mittelfeld bezeichnen könnte. Vor ihr befinden sich mit Konrad Adenauer, Helmut Kohl und Angela Merkel drei Vorsitzende, die auch als Kanzler und Kanzlerin besonders lange Amtszeiten zu Buche stehen haben. Auch Platz vier ist für AKK in zu weiter Ferne. Dort steht Kurt Georg Kiesinger, der immerhin viereinhalb Jahre lang als CDU-Chef amtierte und damit deutlich länger, als er Kanzler war.

Sehr wohl aber kann Kramp-Karrenbauer noch eine andere, ziemlich skurrile Zeitmarke erreichen, die in der deutschen Parteienlandschaft einzigartig sein dürfte. Ob AKK das gelingt, hängt nun davon ab, wie sich die CDU-Spitze verständigt, wenn sie Mitte Januar die Pandemie-Lage noch einmal beurteilt und dann über einen etwaigen neuen Termin für einen Präsenzparteitag entscheidet.

Nach der Erfahrung mit Corona in diesem Jahr, als die höchsten Werte der ersten Welle im April erreicht wurden, liegt es nahe, auch den Parteitag 2021 nicht früher zu legen. Dabei verbietet sich wegen Ostern das erste Wochenende um den 4. April und auch das zweite könnte wegen der Ferien ungünstig sein. Stichtag für Kramp-Karrenbauers einsamen Rekord ist der 15. April 2021: An diesem Tag wäre sie mit 430 Tagen als CDU-Vorsitzende seit ihrer Rücktrittsankündigung genauso lange im Amt, wie sie es vorher bis zu ihrer Rücktrittsankündigung gewesen war.

© SZ/dit/rpr
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