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CDU Niedersachsen: Wahlkampf-Affäre:Dank per Postkarte

Beweise für eine direkte Verstrickung von Christian Wulff in die Affäre gibt es jedoch nicht. Der Spiegel berichtet von einer Postkarte, die Wulff an Nahrstedt geschickt haben soll: "Maik Nahrstedt, herzlichen Dank für die Unterstützung und frohe Ostern", soll darauf zu lesen sein. Karten wie diese verschicken Politiker jedoch tausendfach, um sich bei Wahlkämpfern zu bedanken.

Der damalige Generalsekretär und heutige Wulff-Nachfolger als Ministerpäsident, David McAllister, hält den Einfluss des Duos Nahrstedt/Karp für überschätzt. Er könne sich an Nahrstedt erinnern, sagte McAllister dem Spiegel: "Eine tragende Rolle" habe der im Wahlkampf 2003 "aber nicht gespielt."

"Schwer vorstellbar"

Der aktuelle SPD-Fraktionschef im Landtag, Stefan Schostok, bezweifelt, dass McAllister nichts von den Vorgängen um das Duo Karp/Nahrstedt wusste. Es sei "schwer vorstellbar", dass McAllisters Vorgänger im Amt des Generalsekretärs, Hartwig Fischer, nichts geahnt habe und seinen Nachfolger nicht gewarnt habe. "Gerade in Wahlkampfzeiten und gerade drei Jahre nach Aufdeckung der CDU-Spendenaffäre sollte man erwarten, dass die Christdemokraten besonders aufmerksam darauf achteten, nicht schon wieder negativ aufzufallen", sagte Schostok.

Dass sich Nahrstedt nun mit den Vorwürfen an die Öffentlichkeit wagt, liegt offenbar an dem Ende seiner Freundschaft zu Karp. Nachdem Karp 2008 Chef der Stadtwerke wurde, habe es Eifersüchteleien zwischen ihm, dem großen Macher, und dem Helfer Nahrstedt gegeben, berichtet der Spiegel. Für Karps Geschmack sei Nahrstedt zu oft medienwirksam aufgetreten - dabei habe der Chef selbst im Rampenlicht stehen wollen. Nahrstedt schreibt in seinem Bericht, mit der Kandidatur für den Betriebsrat der Stadtwerke Wolfsburg im Februar 2010 sei für ihn "das politische Aus" gekommen.

Anonyme Briefe

Mit seiner Attitüde machte sich Karp Feinde. In der CDU-Parteizentrale in Hannover geriet er ins Abseits, als er mit Wulffs damaliger Chefsekretärin anbandelte - das Paar heiratete 2004 auf Sylt. Nahrstedt sei als "Gast und Fotograf in Doppelfunktion" dabei gewesen, schreibt er in seinem Bericht. Karp habe für 1000 Euro Fotos bei ihm bestellt, die Kosten seien über die Stadtwerke abgerechnet worden. "Auch einige große Bilderrahmen für sein Haus musste ich für ihn über den Fotoladen der Stadtwerke besorgen und über das Unternehmen abrechnen", schreibt Nahrstedt.

Insgeheim soll Karp davon geträumt haben, einen Posten als Minister im Kabinett von Christian Wulff ergattern zu können - daraus wurde nichts. Stattdessen wechselte der Wahlkampfmanager zu den Stadtwerken und sah sich bald mit anonymen Anschuldigungen konfrontiert.

Nach seinem Wechsel an die Spitze der Stadtwerke tauchten in Wolfsburg anonyme Briefe auf, mit Hinweisen darauf, dass Vorstandschef Karp das Geld der Stadtwerke verschwendet habe.

Nahrstedt steht im Verdacht, der Verfasser dieser Briefe zu sein. Die Polizei durchsuchte im August sein Haus und nahm seine Computer mit. Die Staatsanwaltschaft Braunschweig ermittelt nun wegen der Verbreitung falscher Behauptungen. Es ist nur eines von vier Ermittlungsverfahren in der Causa Karp/Nahrstedt.

Tickets für 5000 Euro

Gegen beide wird wegen Untreue ermittelt, im Falle Karps auch wegen Vorteilsgewährung. Hinzu kommt eine Anzeige Nahrstedts gegen Karp wegen Nötigung - ein Vertrauter Karps soll einem Prokuristen mit Unannehmlichkeiten gedroht haben, wenn er nicht gegen Nahrstedt aussage.

Am Mittwoch folgte dann eine Anzeige des Aufsichtsrates der Stadtwerke Wolfsburg gegen Nahrstedt und einen Prokuristen. Sie sollen VIP-Karten für den Fußball-Bundesligisten VfL Wolfsburg im Wert von 5000 Euro hinter dem Rücken des Vorstandes vergeben haben.

Dem Spiegel sagte Nahrstedt, er habe nach der Veröffentlichung seines Schreibens nichts mehr zu verlieren. Für den damaligen Ministerpräsidenten und jetzigen Bundespräsidenten Wulff gilt diese Aussage freilich nicht.

© sueddeutsche.de/liv/jja

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