Debatte um gleichgeschlechtliche Ehe Harsche Reaktionen auf Kramp-Karrenbauers Aussage über Homosexualität

  • Im Streit um die Homo-Ehe hat die saarländische Ministerpräsidentin Kramp-Karrenbauer (CDU) Homosexualität mit Inzest und Polygamie verglichen.
  • Politiker verschiedender Parteien kritisieren die Äußerungen Kramp-Karrenbauers heftig.
  • Die Union ist gegen eine Gleichstellung homosexueller Paare. SPD, Grüne und Linke versuchen über den Bundesrat eine Mehrheit hierfür zu organisieren.

"Neuer Tiefpunkt in der Debatte"

Heftige Kritik hat sich die saarländische Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) mit Äußerungen zur Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare eingehandelt. Sie verglich dabei indirekt Homosexualität mit Inzest und Polygamie. Durch eine Gleichstellung homosexueller Partnerschaften öffne man die Ehe auch für "eine Heirat unter engen Verwandten oder von mehr als zwei Menschen".

SPD-Generalsekretärin Yasmin Fahimi nannte die Aussagen von Kramp-Karrenbauer "einen neuen Tiefpunkt der Debatte über die Ehe für alle".

Fahimi betonte, sie habe keinerlei Verständnis für dien Äußerungen Kramp-Karrenbauers. "Das ist ein Schlag ins Gesicht Hunderttausender gleichgeschlechtlicher Partnerschaften, die füreinander einstehen und Verantwortung übernehmen", sagte Fahimi.

Volker Beck, der innenpolitische Sprecher der Grünen kritisierte, "wenn man keine Argumente hat, beschwört man absurde Folgen".

Der Linken-Abgeordnete Harald Petzold sagte: "Die Union ist argumentativ in puncto Gleichstellung am Nullpunkt angelangt. Mit obskuren Statements und schrillen Tönen wird versucht, ein Horrorszenario an die Wand zu malen."

Auch FDP-Generalsekretärin Nicola Beer zeigte sich verärgert: "Die Äußerungen von Frau Kramp-Karrenbauer sind eine Unverschämtheit, sie beleidigt Homosexuelle zutiefst. Ich fordere sie auf, sich für ihre Entgleisung zu entschuldigen."

Johannes Kahrs, der SPD-Beauftragte für die Belange von Lesben und Schwulen, erklärte, wenn die Saarbrücker Regierungschefin die Eheöffnung für Homosexuelle in eine Reihe mit "Inzucht und Vielehe" setze, sei dies eine "grobe Entgleisung". Kramp-Karrenbauer begebe sich mit ihren Äußerungen "in zutiefst homophobe und menschenfeindliche Fahrwasser" und verlasse den "politisch statthaften Diskurs". Sie sollte sich bei den Bürgern entschuldigen, forderte Kahrs.

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Der AfD-Ko-Vorsitzende Bernd Lucke pflichtete Kramp-Karrenbauer dagegen bei. Der Begriff der Ehe als dauerhafter Gemeinschaft von Mann und Frau dürfe nicht ausgehöhlt werden. "Würden wir den Begriff der Ehe so erweitern, dann gibt es noch viele andere Lebensformen, die über kurz oder lang ebenfalls als 'Ehe' anerkannt werden wollten", sagte Lucke.

In den sozialen Netzwerken äußerten sich viele Menschen empört über die Analogien, die Kramp-Karrenbauer zieht. Eine lesbische Rechtsanwältin kündigte per Facebook an, gegen die saarländische Ministerpräsidentin Strafanzeige wegen Volksverhetzung stellen zu wollen.

SPD, Grüne und Linke versuchen über den Bundesrat eine Mehrheit für einen Vorstoß zur Gleichstellung für homosexuelle Partnerschaften zu organisieren, um Kanzlerin Angela Merkel (CDU) unter Druck zu setzen. Im Bund sind der SPD wegen der Koalition mit der Union die Hände gebunden.

Das hat Kramp-Karrenbauer genau gesagt

"Es stellt sich die Frage, ob wir grundlegende Definitionen unserer Gesellschaft verändern wollen, und zwar mit womöglich weitreichenden Folgen", hatte die CDU-Ministerpräsidentin des Saarlandes der Saarbrücker Zeitung zuvor gesagt.

Es gebe in Deutschland bisher eine klare Definition der Ehe als Gemeinschaft von Mann und Frau. "Wenn wir diese Definition öffnen in eine auf Dauer angelegte Verantwortungspartnerschaft zweier erwachsener Menschen, sind andere Forderungen nicht auszuschließen: etwa eine Heirat unter engen Verwandten oder von mehr als zwei Menschen", sagte Kramp-Karrenbauer.

Auch das Adoptionsrecht für homosexuelle Paare lehnt die CDU-Politikerin ab: Seit Jahren heiße es, dass für die Entwicklung von Kindern Vater und Mutter die beste Konstellation sei. "Gerade diese Frage dürfen wir nicht daran festmachen, ob sich jemand diskriminiert fühlt oder nicht - sondern allein am Kindeswohl."