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Merz und der CDU-Machtkampf:"Respekt und Anerkennung" für Merkel

Ob beabsichtigt oder nicht, entsteht schon nach einigen Minuten der Eindruck, dass Merz mit allem, was er vorschlägt, ankündigt, für nötig erachtet, halt doch massive Kritik an der Kanzlerin übt. Seine Sätze klingen fast lapidar und dürften anderen gleichwohl weh tun. Sie benennen Lücken, die nicht existieren sollten.

Zugleich aber will Merz gerade in Richtung Merkel an diesem Tag kein Öl ins Feuer gießen. Im Gegenteil sagt er, der Kanzlerin gebühre "großer Respekt und große Anerkennung". Natürlich sei bekannt, dass er nicht alle Entscheidungen für richtig gehalten habe. Am Respekt für sie ändere das aber nichts. Für einen, der tief enttäuscht im Streit mit Merkel ausschied, klingt Merz an diesem Nachmittag sehr versöhnlich.

Und das obwohl er kurz darauf betont, dass eine Versöhnung zwischen ihm und Merkel eigentlich gar nicht mehr nötig sei. In den vergangenen Jahren sei man sich öfter begegnet. Als er anschließend gefragt wird, ob es nicht doch ein Problem geben werde mit einer Kanzlerin Merkel und einem Parteivorsitzenden Merz, erinnert er an die Sätze Merkels vom Montag. Da habe sie sich dazu bekannt, dass es natürlich ein Wagnis werde - "und dieses Wagnis", so Merz lächelnd, "möchte ich eingehen".

"Wirtschaftsliberaler, wertkonservativer, sozial engagierter Mensch"

Wer also darauf gewartet hat, dass Merz, wie in der Vergangenheit, seiner Enttäuschung freien Lauf lassen würde, dürfte enttäuscht gewesen sein über den konzilianten Auftritt.

An andere Stelle freilich wird Merz zwar resolut; das zeigt sich vor allem bei dem Vorwurf, er sei ein neoliberaler Politiker, der mal erklärt habe, ein monatlicher Hartz IV-Satz sei auch ausreichend. "Die Behauptung ist falsch", erklärt der Kandidat entschieden. Dafür gebe es auch keinerlei Belege. Im Übrigen wolle er betonen, dass er nie ein Neoliberaler gewesen sei. "Ich bin ein wirtschaftsliberaler, ein wertkonservativer und ein sozial engagierter Mensch." Dazu gehöre, dass ein Sozialstaat nicht mehr ausgeben könne, als die Volkswirtschaft erwirtschafte.

Und weil er an der Stelle schon beinahe programmatisch wird, fügt Merz mit Blick auf Deutschland und Europa noch hinzu: "Ich will ein weltoffenes Deutschland, ich bin ein überzeugter Europäer, ich bin ein überzeugter Transatlantiker und unsere Verbündeten sind die westlichen Demokratien." Westliche Demokratien? Ja, das meine er ganz bewusst so - denen fühle er sich am engsten verbunden.

Was bleibt am Ende hängen? Dass er zwar ein bisschen älter geworden ist, aber noch immer den gleichen Elan, die Energie und das unbestreitbare Selbstbewusstsein hat. Und dazu eine gesammelte Botschaft: "Die CDU braucht Aufbruch und Erneuerung, sie braucht mehr Frauen und mehr junge Menschen - aber sie braucht keinen Umsturz."

Eines ist sicher nach diesem Kurzauftritt: Ihm ist es ernst. Was an seine schärfste Konkurrentin Annegret Kramp-Karrenbauer erinnert. Bei ihrer Wahl zur CDU-Generalsekretärin sagte sie: "Ich kann, ich will und ich werde." Die Botschaft hat Merz hiermit auch versendet.

© SZ.de/ghe/rus

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