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Union:Laschet holt Merz in sein Wahlkampfteam

Friedrich Merz und Armin Laschet auf einem CDU-Parteitag

Im Rennen um den CDU-Vorsitz im Januar sind Laschet und Merz noch gegeneinander angetreten. Jetzt wird Merz Teil von Laschets Wahlkampfteam.

(Foto: Odd Andersen/Reuters)

Der CDU-Vorsitzende bindet seinen früheren Rivalen ein. Er reagiert damit auch auf den Unmut über die Kanzlerkandidaten-Entscheidung.

Von Robert Roßmann, Berlin

CDU-Chef Armin Laschet hat am Dienstagabend mitgeteilt, dass er seinen früheren Rivalen Friedrich Merz in sein Wahlkampfteam aufnehmen wird. Im Januar hatte Merz die Abstimmung über den CDU-Vorsitz knapp gegen Laschet verloren, jetzt wollen die beiden zusammen für einen Erfolg der Union bei der Bundestagswahl werben. Mit seiner Ankündigung versucht Laschet auch, bei den CDU-Mitgliedern zu punkten, die seine Ausrufung zum Kanzlerkandidaten kritisch sehen. Merz ist derzeit Vizepräsident des Wirtschaftsrats der CDU. Der Rat ist trotz seines Namens kein Teil der Partei, sondern ein Berufsverband, der Wirtschaftsinteressen vertritt.

"Friedrich Merz gehört für mich fest in den Mannschaftskader der Union für die Bundestagswahl", sagte Laschet bei einer Videokonferenz mit mehr als hundert Mandats- und Funktionsträgern der baden-württembergischen CDU. Mit seiner Wirtschafts- und Finanzkompetenz könne Merz dabei helfen, die gewaltigen Herausforderungen für Deutschland nach der Corona-Pandemie zu meistern. Er gehöre zu "den besten Köpfen", die die Partei habe. Laschet sagte, er habe immer deutlich gemacht, nicht als "One-Man-Show" antreten zu wollen. Der CDU-Chef erklärte aber nicht, wer seinem Wahlkampfteam außer Merz angehören wird und wie groß es werden soll.

Die Videokonferenz dauerte mehr als zwei Stunden. In der Debatte meldeten sich gut zwei Dutzend Teilnehmer zu Wort. Dabei gab es auch viele Laschet-kritische Beiträge. Außerdem wurde die Art und Weise der Entscheidung über die Kanzlerkandidatur beklagt. Derlei müsse in Zukunft deutlich professioneller ablaufen, verlangten mehrere Teilnehmer. Insgesamt soll am Ende der Konferenz aber eine konstruktive Stimmung geherrscht haben - auch aus Sorge darüber, dass andauernder Streit in der Partei dazu führen könnte, dass am Ende eine Ampelkoalition oder ein grün-rot-rotes Bündnis eine Mehrheit der Wähler hinter sich bringt.

Merz könne die Menschen begeistern. Deshalb habe er ihn berücksichtigt

Die baden-württembergische CDU ist der zweitgrößte Landesverband der Partei. Große Teile des Verbandes hatten sich zunächst Merz als CDU-Vorsitzenden und dann Markus Söder als Kanzlerkandidaten gewünscht. Auch deshalb hat Laschet die Einbeziehung von Merz jetzt bei einem Gespräch mit der Südwest-CDU mitgeteilt.

Mit der Berufung von Merz geht Laschet aber auch auf Wünsche der CDU in Sachsen-Anhalt ein. In dem Bundesland wird Anfang Juni gewählt. Die dortige Landespartei findet, dass ihr Merz und Söder im Wahlkampf besonders gut helfen können. Söder hat bereits zugesagt, die Landespartei zu unterstützen.

In der Videokonferenz mit der baden-württembergischen CDU sagte Laschet nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur, er sei sich bewusst, dass es viele Aspiranten aus Nordrhein-Westfalen auf höhere Posten im Bund gebe. Neben Merz seien das der Außenpolitik-Experte Norbert Röttgen, Unionsfraktionschef Ralph Brinkhaus und Bundesgesundheitsminister Jens Spahn. Für alle gelte: "Mann, katholisch, Nordrhein-Westfalen." Er wisse, dass die CDU mehr Diversität brauche. Merz sei aber "eine andere Kategorie". Der 65-Jährige könne die Menschen begeistern. Deshalb habe er ihn berücksichtigt.

Merz war von 2000 bis 2002 Vorsitzender der Unionsfraktion. 2009 hat er den Bundestag verlassen. Im Herbst will er wieder in das Parlament einziehen. Vor zehn Tagen wurde er zum Direktkandidaten der CDU im Hochsauerlandkreis gewählt.

Laschet warnte in der Videokonferenz davor, wegen der sinkenden Umfragewerte für die Union jetzt den Grünen hinterherzulaufen. Die CDU dürfe nicht so tun, "als wären wir so etwas wie die Grünen", sagte der CDU-Chef laut dpa. Die Grünen würden jede sich bietende Gelegenheit nutzen, ohne die Union eine Bundesregierung zu bilden. Das würde dann "eine andere Republik sein". Die CDU müsse deshalb als "CDU pur" auftreten, dann habe sie eine Chance, die Bundestagswahl im September zu gewinnen.

In dieser Woche will Laschet sich auch noch mit dem CDU-Landesverband Rheinland-Pfalz austauschen. In der vergangenen Woche hatte er bereits mit den CDU-Kreisvorsitzenden aus Niedersachsen und Hessen konferiert. Auf der Rangliste der mitgliederstärksten Landesverbände liegen Niedersachsen, Rheinland-Pfalz und Hessen auf den Plätzen drei bis fünf. Laschet plant außerdem Beratungen mit den ostdeutschen Landesverbänden.

© SZ/berj
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