bedeckt München 21°

CDU:Merkel will Kanzlerin für die unsicheren Zeiten sein

Angela Merkel tritt 2017 noch einmal an. Weil ihr Wille vorhanden ist, die Herausforderungen groß und die Themen spannend sind. Und für AfD-Anhänger hat sie auch ein paar Botschaften.

Applaus für Angela Merkel, als sie im Atrium des Konrad-Adenauer-Hauses auf die Bühne tritt. Auf der Empore der CDU-Parteizentrale klatschen Julia Klöckner, Ursula von der Leyen, Volker Kauder. Und noch ein paar andere aus dem CDU-Bundesvorstand sowie Mitarbeiter der Parteizentrale. Sie wissen was kommt.

Merkel wird jetzt hier vor der versammelten Presse ihre Bereitschaft erklären, die Union zum vierten Mal in einen Bundestagswahlkampf zu führen. Das haben vor ihr nur Konrad Adenauer und Helmut Kohl versucht. Beide erfolgreich. Ein historisches Ereignis irgendwie.

Lange habe sie mit sich gerungen, sagt Merkel. Sie habe "sprichwörtlich unendlich viel darüber nachgedacht". Denn: "Die Entscheidung für eine vierte Kandidatur ist nach elf Amtsjahren alles andere als trivial. Weder für das Land, noch für die Partei noch - ich sage es ganz bewusst in dieser Reihenfolge - für mich persönlich."

Sie habe sich gefragt, ob sie noch die nötige Neugierde habe, die Lust, vier Jahre im Amt die Politik in Deutschland zu gestalten. Aber jetzt, nach Monaten der Entscheidungsfindung, ein klares Ja. Die Herausforderungen seien groß, die Themen spannend und ihr Wille vorhanden. Warum sie solange gebraucht habe? Das sei eben so. Aber dann stehe sie auch dazu, sagt sie.

Angela Merkel Momente aus drei Amtszeiten Bilder
Bundeskanzlerin

Momente aus drei Amtszeiten

Atomausstieg, Finanzkrise, Flüchtlingsdrama: In ihrer Zeit als Kanzlerin musste Angela Merkel einige Brocken stemmen. Ein Rückblick in Bildern und Zitaten.

Warum sie noch einmal antritt?

Entspannt wirkt sie. Mit sich im Reinen, wie sie dasteht. Die Haare nicht mehr ganz so akkurat gekämmt wie noch am Morgen. Aber mit fester Stimme. Sie vermittelt den Eindruck, dass sie weiß, was sie da macht.

Es war am Ende keine Überraschung mehr. Eine Absage Merkels hätte die Partei in eine tiefe Krise gestürzt. In zwei Wochen kommt die CDU zu ihrem Bundesparteitag in Essen zusammen. Bis dahin hätte jemand anderes den Staffelstab übernehmen müssen. Nur wer? Kandidaten drängen sich gerade nicht auf. Auch wenn Merkel sagt, es gebe immer jemanden der den Staffelstab übernehmen könne. Das gehöre zum Wesen der Demokratie.

Warum sie noch einmal antritt? Weil die Menschen wohl wenig Verständnis hätten, wenn "ich jetzt nicht noch einmal meine ganze Erfahrung und das, was mir an Gaben und Talenten gegeben ist, in die Waagschale werfen würde, um meinen Dienst für Deutschland zu tun".

Sie will das für volle vier Jahre tun, "wenn die Gesundheit es zulässt". Aber was soll sie auch anderes sagen. Würde sie nur zwei Jahre antreten, wer würde dann noch CDU wählen.

Das sind Merkels entscheidenden Sätze

Die Zeiten seien unsicher. Der Wahlkampf werde nicht einfach. Merkel erwartet "Anfechtungen von allen Seiten". Von ganz rechts, "wie nie zuvor". Und natürlich auch von links. Die Gesellschaft sei polarisiert. Mehr als noch 2013. Sie will antreten, "für unsere Werte" und "unsere Art zu leben". Beides werde heute im Land und international angefochten. Dazu komme eine Weltlage, die sich - "vorsichtig gesagt" - erstmal neu sortieren muss. Jetzt, nach der Wahl in den USA. "In dieser Situation bin ich bereit zu kandidieren, erneut zu kandidieren." Das sind die entscheidenden Sätze.

Die Erwartungen an Merkel sind nach der Wahl von Donald Trump weltweit gestiegen. Manche sehen in ihr die letzte mächtige Fahnenträgerin der freien, der liberalen Welt. Die müsse Merkel jetzt verteidigen. Merkel hat das wahrgenommen, es ärgert sie.

Es "ehrt mich zwar", sagt sie leicht gereizt, dass es jetzt angeblich nur auf sie ankomme. Sie empfinde solche Anforderungen aber als "grotesk, geradezu absurd". Kein Mensch könne alleine, auch nicht mit größter Erfahrung, die Dinge in Deutschland Europa oder der Welt mehr oder weniger zum Guten wenden. "Und schon gar nicht die Bundeskanzlerin der Bundesrepublik Deutschland."

Ihre Botschaften an die AfD-Sympathisanten

Das entspricht genau ihrem Politikansatz: Kooperation, Dialog, Kompromiss. Kurz, der Ausgleich von Interessen. Ihre Basis: Empathie, Freiheit, Respekt vor dem Recht jedes einzelnen Menschen. Und zwar "unabhängig von Herkunft, Hautfarbe, Religion, Geschlecht, sexueller Orientierung oder politischer Orientierung". Das sind die Sätze, die in Richtung derer gehen, die mit der AfD sympathisieren. Die will, die muss sie wohl auch an die CDU binden, muss ihnen zeigen, dass sie bereit ist, ihre Probleme zu lösen. Was nicht bedeute, ihnen nach dem Mund zu reden, sagt Merkel.

Ihre Ziele: Für den Zusammenhalt in der Gesellschaft arbeiten, dafür, dass die Gesprächsfähigkeit erhalten bleibt. Ihr sei klar, dass niemand die Weisheit gepachtet habe. Darum wirbt sie dafür. Miteinander wie Demokraten zu streiten. Und streiten heißt: "Nicht hassen, nicht andere herabsetzen oder ausgrenzen."

Das alles ist noch keine klare Agenda. Aber es soll ein Beginn sein, soll die vierte Amtszeit von Angela Merkel vorbereiten. Sie möglich machen. Wenn sie gewinnt und wenn sie die vier Jahre durchhält, dann wird sie so lange regiert haben wie Helmut Kohl. 16 Jahre. So wie Angela Merkel tickt, interessiert sie das eher wenig. Aber sie will, hat sie einmal gesagt, auch nicht als Wrack aus der Politik ausscheiden.

Denkt sie so weit in die Zukunft? Merkel ist über die Frage eher belustigt. "Das muss ich heute echt nicht beantworten." Sonst müssten sie jetzt schon über das Jahr 2025 sprechen. "Ich weiß ja nicht einmal, ob Sie dann noch dabei sind", antwortet sie der Fragestellerin. Wer Visionen erwartet, dafür ist sie die Falsche. Merkel ist Pragmatikerin. War sie schon immer. Wird sie auch blieben. Auch wenn sie es noch einmal schafft 2017. Sicher ist das nicht. Es sind eben unsichere Zeiten.

Angela Merkel "Angela Merkel ist nicht mehr unschlagbar"
Kanzlerkandidatur

"Angela Merkel ist nicht mehr unschlagbar"

Die SPD bringt sich bereits gegen die Kanzlerin in Stellung, aus der CSU kommen versöhnliche Töne und die "New York Times" findet pathetische Worte. Die Reaktionen auf Merkels erneute Kanzlerkandidatur.