CDU Merkel über Merz: "Wir sind zwei politikbegeisterte Menschen"

Eine Woche nach ihrem Paukenschlag wirkt Angela Merkel fast schon so, als sei nichts gewesen. Sorge um Deutschland? Nicht die Bohne. Kooperation mit Merz? Kein Problem. Wie nennt sich das? Business as usual à la Merkel.

Von Stefan Braun, Berlin

Kein Zucken, keine Träne, keine Melancholie im Blick - als Angela Merkel zur ersten Pressekonferenz nach ihrem angekündigten Teilrückzug in der Parteizentrale auftritt, ist bei ihr von Wehmut nichts zu entdecken. Im Gegenteil: Fast ein bisschen lässig steht sie und spricht und lächelt in die Kameras. Soll bloß keiner auf die Idee kommen, es könnte sie schmerzen.

Und ganz in dieser Stimmung erzählt sie, was der Vorstand sich in den vergangenen 24 Stunden alles hat vortragen lassen. Zwei Expertinnen haben über die gespaltene Mitte berichtet, also über jene in der Mitte, die Zuversicht haben - und jene, die Sorgen mit sich herumtragen. Sehr spannend sei das gewesen, sagt die CDU-Vorsitzende. Und wer nicht wüsste, dass sie jedenfalls in diesem Haus hier bald abtritt, könnte meinen, sie habe gerade mit ihrem umfassenden und gerne auch wissenschaftlichen Blick auf die Gesellschaft begonnen.

Zumal es in diesem Stile einfach weitergeht. Merkel erzählt von einem Steuerexperten, der seine Pläne für eine Steuer im digitalen Zeitalter vortrug. Sie berichtet, dass eine andere Professorin ihre Prognosen für die Zukunft der Arbeit darlegte und der CDU-Mann Thomas Heilmann einen Plan für die Fortbildung in der digitalen Welt darstellte. Viele Infos, viele Debatten. "Als Vorbereitung auf den Parteitag" sei das ganz ausgezeichnet gewesen, erklärt Merkel. Nüchtern, gelassen, ja mit Lust auf neue Fragen - so war sie, so ist sie, und so wird Merkel immer bleiben.

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Parteivorsitz

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Die Kandidaten für den Parteivorsitz sollen offenbar auf Regionalkonferenzen an verschiedenen Orten in Deutschland auftreten. Viel Zeit bleibt allerdings nicht.

Und auch wenn man das nur ahnen kann - sie hat sich das offenbar auch für den Fall vorgenommen, dass der Wettstreit um den Parteivorsitz nicht so ausgeht, wie es ihr wahrscheinlich am liebsten wäre: mit einem Erfolg ihrer Generalsekretärin.

Das merkt man an diesem Morgen schnell und deutlich: Als sie nach Friedrich Merz gefragt wird und den möglichen Schwierigkeiten beim Zusammenarbeiten. An der Stelle wird ihr Mund ein bisschen spitzer und die Augen werden ein klein wenig kleiner. Aber die Worte, die sie wählt, verhindern den Eindruck, ihr könnte da was gehörig gegen den Strich gehen.

"Wir sind zwei politikbegeisterte Menschen", betont Merkel. Ja, man sei nicht immer einer Meinung, aber das gelte ja auch für die Beziehung zu anderen Kollegen. Aber wenn sie beide zusammengearbeitet hätten, "haben wir immer Lösungen gefunden". Aus diesem Grund habe sie "keine Zweifel", dass sie mit ihm wie mit anderen gut zusammenarbeiten werde.

Keinerlei Bedenken

Gut möglich, dass sie die Idee einer Kooperation mit dem alten Rivalen gar nicht begeistert; sehr wahrscheinlich, dass ihr seine Kandidatur massiv gegen den Strich geht. Aber gezeigt hat sie das hier und heute an keiner Stelle.

Demonstrativ entspannt hat sie sich auch zur SPD und zur großen Koalition geäußert. Sicher, sie kenne die Sorgen der Sozialdemokraten, habe mit dem einen oder anderen ja auch gesprochen. Aber entscheidend sei doch, ob die CDU weiter zum Koalitionsvertrag stehe. Und da könne sie berichten, dass der Vorstand sich einhellig dafür ausgesprochen habe.

Und wie ist das mit Europa? Mit Emmanuel Macron? Mit den Sorgen der Nachbarn, dass Deutschland seine Stabilität verlieren könnte? "Ach", sagt die Kanzlerin an der Stelle, "dass eine Partei in einem demokratischen Prozess einen neuen Vorsitzenden wählt, ist üblich in Europa." Deshalb habe sie keinerlei Bedenken. Üblich halt, nüchtern, normal. Ganz Merkel eben.

Und so ist das wirklich Neue an diesem Montag das Prozedere auf der Suche nach der Nachfolge. Acht Regionalkonferenzen wird es nach jetzigem Stand geben, und alle Mitglieder werden dazu eingeladen. Nach entsprechenden Hallen wird in den verschiedenen Ecken des Landes bereits gefahndet. Dass das eher größere Hallen werden sollten, hat CDU-Bundesgeschäftsführer Klaus Schüler schon bestätigt. Entsprechend kompliziert könnte die Suche noch werden. Und entsprechend eilig, immerhin sollen die Konferenzen in der zweiten Monatshälfte stattfinden.

Nicht ganz so kompliziert könnte die Suche nach der endgültigen Zahl der Kandidaten werden. Denn nachdem am Sonntag bekannt wurde, dass sich inzwischen zwölf Bewerber gemeldet haben, erklärt Schüler am Montag, Kandidat könne am Ende nur werden, wer von einem offiziellen Gremium der Partei vorgeschlagen werde. Ohne die Unterstützung durch mindestens einen Kreisverband oder eine Vereinigung wird es also nichts.

Das freilich gilt nur für jene, die sicher an den geplanten Regionalkonferenzen teilnehmen möchten. Auf dem Parteitag selbst gibt es eine weitere Möglichkeit - und die gibt es laut Statut immer: Dort reicht es, wenn ein einzelner Delegierter einen anderen Delegierten oder ein CDU-Mitglied vorschlägt. Dieses Einfallstor für zusätzliche Kandidaten wird also bis zum Schluss offen bleiben.

Und Prognosen über den Ausgang? Hat es an diesem Montag keine gegeben.

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