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CDU:Laschet zwischen Gut und Böse

Hat er an Boden gewonnen im Rennen um den Parteivorsitz? Der Ministerpräsident sieht sich durch die NRW-Kommunalwahl in seinem Kurs der Mitte gestärkt. Die Wahrheit ist: Laschet sollte das Ergebnis möglichst schnell vergessen.

Von Nico Fried

Nach der Kommunalwahl in Nordrhein-Westfalen ist man mit Blick auf die Machtverhältnisse im Bund insgesamt etwa so schlau wie vorher. Nur Armin Laschet zeigt sich mal wieder etwas schlauer. Vor dem Sonntag hatte er einen Zusammenhang mit dem Ringen um den CDU-Vorsitz stets von sich weggeschoben. Nun ist es ihm doch wichtig, seine Konkurrenten darauf zu stoßen, dass der Kurs der Mitte, also sein Kurs, den Christdemokraten Erfolg verspricht, jedenfalls wenn man bei mehr als drei Prozentpunkten weniger als bei der letzten Wahl von einem Erfolg reden möchte.

Grundsätzlich gilt die Regel: Bei einem ordentlichen Ergebnis sagen alle, es war ja nur eine Kommunalwahl. Wenn ein Politiker nach einem schlechten Ergebnis aber sagt, es war doch nur eine Kommunalwahl, dringt er damit selten durch. Das hätte auch Laschet befürchten müssen, wäre die CDU tiefer gesunken. Nun hängt er mit dem Ergebnis irgendwo zwischen Gut und Böse, und das Beste, was er damit anfangen kann, ist, sich nicht lange damit aufzuhalten.

Bis zur Wahl eines neuen CDU-Vorsitzenden sind es drei Monate. Zu all dem, was in dieser Zeit noch passieren wird, gehört neben der Unwägbarkeit einiger Stichwahlen in 14 Tagen ganz sicher das weitgehende Verblassen der Erinnerung an diese Kommunalwahl.

© SZ vom 15.09.2020

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