CDU:Laschet ist bei FDP und Grünen anerkannt

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Und hier kommen jetzt diejenigen in der CDU in Spiel, die gerne Spahn als Parteichef und Söder als Kanzlerkandidaten hätten. Auch sie wissen, dass Laschet nicht einfach so verzichten kann. Und auch ihnen ist klar, dass Söder bestenfalls dann nach der Kanzlerkandidatur greifen wird, wenn sie ihm von der CDU angeboten wird. Genau das ist deshalb der Punkt, an dem das Szenario, um das es jetzt geht, ansetzt.

Armin Laschet könne doch Bundespräsident werden, heißt es da. Die Zusammensetzung der nächsten Bundesversammlung sei zwar noch unklar, die Union werde aber vermutlich die meisten Mitglieder entsenden. Beim letzten Mal waren es bereits 43 Prozent. Bei den Grünen sei Laschet mit seiner Pizza-Connection-Vergangenheit und als ehemaliger Integrationsminister hervorragend vermittelbar, sagen die Christdemokraten, die einem jetzt das neue Szenario schmackhaft machen wollen. Und auch mit der FDP dürfte es kein Problem geben - denn mit den Liberalen regiere Laschet gerade reibungslos in Nordrhein-Westfalen.

Laschet wäre in der Bundesversammlung also sowohl ein hervorragender schwarz-grüner- als auch ein guter Jamaika-Kandidat. Anfang 2022 wird zum nächsten Mal ein Bundespräsident gewählt. Und Frank-Walter Steinmeier hat noch nicht mitgeteilt, ob er eine zweite Amtszeit anstrebt.

Merz gilt vielen als Risiko, dass die Partei derzeit nicht nötig hat

Wenn Laschet jetzt seine Kandidatur aufgeben würde, um später Bundespräsident werden zu können, wäre auch Spahn wieder frei von seiner Zusage, im Team Laschet anzutreten, heißt es. Spahn könnte dann selbst für den CDU-Vorsitz kandidieren. Norbert Röttgen gelte ohnehin als Außenseiter. Und gegen Merz habe Spahn gute Chancen. Denn der Bundesgesundheitsminister spreche eine ähnliche Klientel an, stehe im Gegensatz zum 24 Jahre älteren Merz aber für einen Aufbruch. Außerdem gelte Merz inzwischen vielen in der Partei als Risiko - wegen seines erratischen Verhaltens nach seiner Niederlage gegen Kramp-Karrenbauer und weil er noch nie ein Ministeramt innehatte. Ins Risiko würden die stark auf Sicherheit bedachten CDU-Delegierten aber nur gehen, wenn sie in einer schlechten Lage keinen anderen Ausweg sehen würden. Angesichts der hervorragenden Umfragewerte für die Union sei dies derzeit aber nicht der Fall. Spahn könnte nach einer Wahl zum CDU-Chef dann Söder die Kanzlerkandidatur anbieten. Die beiden verstünden sich ohnehin gut.

Diejenigen, die sich eine solche Lösung Spahn/Söder wünschen, konnten sich in den vergangenen Tagen auch durch Bundestagspräsident Schäuble und durch die Bundeskanzlerin befeuert sehen. In der Zeit erschien am Donnerstag ein Doppel-Interview mit Schäuble und Spahn. Allein das kann man schon als Botschaft des Bundestagspräsidenten verstehen. In dem Interview spricht Schäuble aber auch ziemlich kühl über seinen früheren Favoriten Friedrich Merz. Außerdem sagt Schäuble, er habe Spahn "früh als ein herausragendes Talent in der CDU erkannt". Spahn habe "einen klaren Kopf, er kann gut kommunizieren und formulieren - und er ist bereit, sich anderen Meinungen zu stellen, darüber zu diskutieren". Spahn schrecke auch vor Streit nicht zurück und habe den Willen zur Macht. All das klingt wie eine Jobbeschreibung für einen Parteivorsitzenden. Über Laschet sagt Schäuble in dem Interview nichts Vergleichbares.

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