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Laschet oder Söder?:Klare Präferenzen

Haseloff über Kanzlerkandidatur

Plädoyer für Popularitätswerte: Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) hatte sich indirekt für Markus Söder starkgemacht.

(Foto: Ronny Hartmann/dpa)

Hätte allein die CDU im Osten zu entscheiden, wäre die Kandidatenfrage schnell beantwortet gewesen.

Von Ulrike Nimz

Wenn es um Krisenbewältigung geht, stehen Bayern und Sachsen gern Seite an Seite, zuletzt Anfang März, als die Freistaaten einen gemeinsamen Plan zur Eindämmung der Corona-Pandemie vorlegten. Und auch wenn es um die Führungskrise der Union geht, die in den vergangenen Wochen unter dem Schlagwort "K-Frage" das Land bewegte, schienen die Präferenzen klar zu sein. Wo immer man sich an der Basis umhörte in Sachsen, fiel zuerst der Name Markus Söder. Dabei hatte sich Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) Anfang Februar noch klar für Armin Laschet als Kanzlerkandidaten ausgesprochen. Zuletzt pochte Kretschmer nur noch auf schnelle Klärung des Zweikampfes, auf einen Namen festlegen wollte er sich angesichts des eskalierten Machtkampfes in der Union nicht mehr. Das taten andere. Sören Voigt zum Beispiel, stellvertretender Fraktionsvorsitzender der CDU im sächsischen Landtag, parlamentarischer Geschäftsführer und Kreisvorsitzender im Vogtland.

Im Osten gebe es die Sehnsucht nach klarer Ansage, sagt der CDU-Fraktionsvize

"Nach 16 Jahren Angela Merkel gibt es, bei allen Erfolgen, speziell im Osten eine Sehnsucht nach einem veränderten Führungsstil, nach mehr klarer Ansage", sagte Voigt. Die Richtung vorgeben, die Menschen mitnehmen, das könne Söder besser. "Mit seinem konservativen Profil kann er auch enttäuschte CDU-Wähler binden bei klarer Abgrenzung zum Hauptkonkurrenten im Osten, der AfD."

Gleichzeitig machte Voigt keinen Hehl daraus, dass viele Mitglieder im Osten am liebsten einen ganz anderen an der Spitze der Partei gesehen hätten: Friedrich Merz. Ob Autohaus oder Brauereihalle, Merkels Erzfeind wurde auf Wahlkampfveranstaltungen in Sachsen und Thüringen gefeiert wie ein konservativer Heiland. Seit Merz für höhere Ämter vorerst aus dem Rennen war, galt Söder als zweite, aber in der K-Frage bessere Wahl.

Dabei war es vor allem Armin Laschet, der sich in der Vergangenheit um den Osten bemüht hatte. Er bereiste das Erzgebirge, lobte die "wunderbaren Städte und Landschaften", so als könnte Helmut Kohl ihn noch hören. Mit Reiner Haseloff (CDU) stand er staunend an der Wittenberger Schlosskirche, nur hatte sich auch Sachsen-Anhalts Ministerpräsident seither dafür ausgesprochen, den Kanzlerkandidaten der Union entlang der Popularitätswerte zu bestimmen. Am 6. Juni wird in Sachsen-Anhalt ein neuer Landtag gewählt. Parteichef Sven Schulze sah die Mitglieder seines Landesverbandes mehrheitlich hinter Söder.

Viele CDUler fürchten, bei der Bundestagswahl Mandate an die AfD zu verlieren

Die ostdeutschen CDU-Landesverbände sind männlicher, älter und ländlicher geprägt als anderswo. Viele Mitglieder fürchten, bei der anstehenden Bundestagswahl ihre Mandate an die AfD zu verlieren. In Südthüringen will die CDU mit Hans-Georg Maaßen einen der umstrittensten Christdemokraten des Landes zur Bundestagswahl aufstellen, in der Hoffnung, dass dieser am rechten Rand reüssiert.

Lili Fischer glaubt nicht daran, dass sich AfD-Wähler durch einen besonders konservativen Ton zurückgewinnen lassen. Sie sitzt für die CDU im Erfurter Stadtrat und hat seinerzeit für einen Parteivorsitzenden namens Norbert Röttgen getrommelt. Auf dem entscheidenden Parteitag im Januar war sie die jüngste Delegierte. "Bayern und Thüringen sind Nachbarn. Markus Söder kennt die Mentalitäten vor Ort besser als Armin Laschet", sagt aber auch Fischer. Söder habe gute umweltpolitische Ansätze und spreche die Sprache der Menschen. "Ich habe Auftritte von ihm erlebt. Kaum einer hat einen Saal so schnell auf seiner Seite."

© SZ/rpr
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