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Union:CDU-Vorstand beschließt: Laschet soll Kanzlerkandidat werden

Nach rund sechs Stunden intensiver Diskussion votiert eine deutliche Mehrheit des CDU-Vorstands für den Parteichef. Nun steht noch die Zustimmung von CSU-Chef Markus Söder aus.

Von Nico Fried

Das tagelange Ringen um die Kanzlerkandidatur der Union könnte heute zu Ende gehen: Der CDU-Vorstand nominierte am frühen Dienstagmorgen den Parteivorsitzenden Armin Laschet mit überraschend deutlicher Mehrheit. In einer geheimen Abstimmung sprachen sich 31 Vorstandsmitglieder für Laschet aus, neun stimmten für Söder, sechs enthielten sich. Der weitere Verlauf der teilweise chaotischen Kandidatenkür hängt nun davon ab, ob CSU-Chef Markus Söder das Ergebnis akzeptiert und Laschet als gemeinsamen Kanzlerkandidaten der Union unterstützt. Auch die Sitzung der Bundestagsfraktion, in der sich zuletzt zahlreiche Abgeordnete der CDU für Söder ausgesprochen hatten, könnte noch einmal spannend werden.

Der Abstimmung im Parteivorstand war eine fast sechsstündige intensive Debatte im Führungsgremium der Christdemokraten vorausgegangen. Dabei hatten sich zahlreiche prominente Rednerinnen und Redner hinter Laschet gestellt, unter anderem die frühere CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer und Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble.

Andere Vorstandsmitglieder unterstützten zwar ebenfalls Laschet, mahnten aber eine zusätzliche Einbindung der Parteibasis an, zum Beispiel über eine Konferenz der Kreisvorsitzenden. In diese Richtung plädierten Parteivize Volker Bouffier und der Vorsitzende der Mittelstandsvereinigung, Carsten Linnemann.

Wirtschaftsminister Altmaier sprach sich überraschend deutlich für Söder aus

Im von Parteivize Julia Klöckner geführten Landesverband Rheinland-Pfalz hatte noch kurz vor der Sitzung eine Abfrage bei Mitgliedern des Landesvorstands und Kreisvorsitzenden eine klare Mehrheit für Söder ergeben. Obwohl Laschet zwischenzeitlich die Bereitschaft zu einer solchen Konferenz der Kreisvorsitzenden signalisiert hatte, wurde der Vorschlag in einer Abstimmung klar abgelehnt. Eindeutig für Söder hatte sich unter anderem erneut der sachsen-anhaltische Ministerpräsident Reiner Haseloff positioniert. Überraschend deutlich sprach sich auch Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier für den CSU-Chef aus.

Söder hatte sich in der Nacht auf Montag in Berlin mit Laschet getroffen. Am Montag kündigte dann zunächst Laschet eine Sondersitzung des CDU-Vorstands an. Er wolle darlegen, wie die Union den Streit auflösen könne. "Ich hoffe, dass wir dann sehr schnell in dieser Woche zu den erforderlichen Entscheidungen kommen." Kurz darauf erklärte Söder nach einer Präsidiumssitzung in München, er werde dem Votum der Schwesterpartei folgen: "Wenn die CDU heute Abend souverän zu einer klaren Entscheidung kommt, werden wir das respektieren", sagte er. Am Abend bekräftigte Laschet dann seinen Anspruch auf die Kandidatur, forderte aber eine offene und ausführliche Debatte im Vorstand. Tatsächlich gab es mehr als 40 Wortmeldungen, weshalb zunächst offen blieb, ob das Gremium die Personalfrage am Montagabend bereits entscheiden würde. Der Abstimmungsprozess selbst wurde dann zunächst durch Geschäftsordnungsdebatten und später technische Probleme verzögert.

Söder hatte zuvor bekräftigt, dass er weiter zu einer Kanzlerkandidatur bereit sei, wenn er breite Unterstützung aus der großen Schwesterpartei CDU bekomme. "Wird es Armin, hat er meine volle Unterstützung. Darauf kann er sich zu 100 Prozent verlassen", sagte Söder. Umgekehrt erwarte er im Fall der Entscheidung für ihn volle Unterstützung der CDU.

Am Montag der vergangenen Woche hatte Laschet in einem Meinungsbild eine deutliche Zustimmung zunächst des Parteipräsidiums und anschließend des Bundesvorstands für eine Kanzlerkandidatur erhalten. Söder hatte sich aber geweigert, aufgrund dieses Votums seine Kandidatur zurückzuziehen, und konnte sich bestärkt fühlen, nachdem am folgenden Tag in der Bundestagsfraktion eine Mehrheit der Rednerinnen und Redner ihn unterstützt hatte. Laschet bezeichnete am Montag den CDU-Bundesvorstand als "eine breite Repräsentanz unserer Basis". Er nahm damit den Begriff auf, den Söder wiederholt in Verbindung mit der Forderung verwendet hatte, "die Breite der Partei" anzuhören. Söder hatte damit Vorstand, Fraktion und Basis gemeint.

© SZ/jsa
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