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CDU in Sachsen-Anhalt:Einsame Spitze

Auf der Wahlliste der CDU Sachsen-Anhalts für die Bundestagswahl findet sich nur eine Frau, bei den Landtagswahlen sieht es ähnlich aus. Nicht nur deshalb löste der Parteitag am Wochenende Unverständnis aus.

Von Ulrike Nimz, Leipzig

Es war ein geglücktes Wochenende für Sachsen-Anhalts Ministerpräsidenten Reiner Haseloff: Auf dem Listenparteitag der Christdemokraten in Dessau-Rosslau wählten 94,9 Prozent der Delegierten den 67-Jährigen zum Spitzenkandidaten für die Landtagswahl im Juni, zum dritten Mal in Folge.

Als durchaus unglücklich wird hingegen bewertet, dass sich auf der Wahlliste zum Bundestag neben acht Männern nur eine Frau findet, diese immerhin an der Spitze. Doch auch auf der Liste zur Landtagswahl schaffte es nur eine Frau unter die ersten zehn. Derzeit sind nur zwei der 30 Mitglieder der CDU-Fraktion in Sachsen-Anhalt weiblich. In keinem Landtag ist der Frauenanteil niedriger.

Die Bundesvorsitzende der Frauen-Union, Annette Widmann-Mauz, kritisierte die Unausgewogenheit der Vorschläge des Landesvorstandes. Zuvor hatte Sachsen-Anhalts Landesverband der Frauen-Union einen eigenen Listenvorschlag erarbeitet, der deutlich mehr weibliches Personal auf den aussichtsreichen Plätzen vorsah, war damit bei der Parteiführung jedoch nicht durchgedrungen.

Trotz hoher Fallzahlen kamen die Delegierten zusammen, ohne Maske

Die Frauen-Union beruft sich auf die Satzung der Landes-CDU. Dort steht: "Frauen sollen an Parteiämtern in der CDU und an öffentlichen Mandaten mindestens zu einem Drittel beteiligt sein." Die Landesvorsitzende des CDU-Frauenverbandes in Sachsen-Anhalt, Sabine Wölfer, scheiterte schließlich auf dem Parteitag mit ihrer Bewerbung für Platz zehn der Liste zur Bundestagswahl und trat danach nicht mehr an.

Der Parteitag fand unter Pandemiebedingungen ohne Gäste und Vorstellungsreden statt. Für Unverständnis sorgte der Umstand, dass die Delegierten trotz anhaltend hoher Fallzahlen zu einem Präsenzparteitag zusammenkamen, zudem am Platz keine Masken tragen mussten. Die Partei rechtfertigte die Entscheidung damit, dass Teilnehmer vor Ort auf das Virus getestet worden seien.

© SZ/dpa/uz/pamu
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