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CDU:Geburt einer Parteispenden-Affäre

Werner Mauss, Former Secret Agent, Goes On Trial For Tax Evasion

Ex-Agent Werner Mauss - hier in Bochum vor Gericht.

(Foto: Sascha Steinbach/Getty)

Eine Briefkastenfirma von Werner Mauss spendete mehrfach große Geldbeträge an die CDU Rheinland-Pfalz. Die wusste angeblich von nichts - dabei hätte einmal googeln schon Klarheit gebracht.

Von Hans Leyendecker und Georg Mascolo

Am Morgen des 21. September schicken die Süddeutsche Zeitung, der NDR und der WDR eine Anfrage an den Presseanwalt des ehemaligen Geheimagenten Werner Mauss:

Ob Mauss "dem CDU-Kreisverband Cochem-Zell und dem CDU-Landesverband über die Jahre große Geldsummen gespendet" habe, lautet die Frage. "Wenn ja: Haben Sie sich damit für das Entgegenkommen und die Hilfe rheinland-pfälzischer Behörden bedankt?" Außerdem fragt die Zeitung noch nach ein paar anderen Merkwürdigkeiten.

Bereits am nächsten Tag antwortet der Anwalt. Mauss äußere sich derzeit nicht zu solchen Fragen. Das ist so überraschend nicht, weil vier Tage später der Prozess gegen den 76-Jährigen in Bochum ansteht. Die Anklage wirft ihm vor, rund 15 Millionen Euro Steuern hinterzogen zu haben.

Allein zu der Frage nach den CDU-Parteispenden mag sich der Mauss-Anwalt dann doch näher erklären. "Nur so viel: Unser Mandant hat weder dem CDU-Kreisverband Cochem-Zell noch dem CDU-Landesverband Rheinland-Pfalz Geldbeträge zugewandt."

Aufhalten konnte das die Nachricht nicht. Die Unterlagen zeigen klar, dass Parteispenden in fast sechsstelliger Höhe über den Absender eines Vertrauens-Anwalts von Mauss und mit dem Namen der Briefkastenfirma Nolilane im Verwendungszweck an die CDU in Rheinland-Pfalz geflossen sind. Nolilane ist eine Offshore-Gesellschaft, die Mauss seit vielen Jahren zugerechnet wird und sogar in seinen Steuererklärungen auftauchte. Sie ist eigentlich die bekannteste unter den vielen Briefkastenfirmen des Werner M.

Das mit den Parteispenden und der Briefkastenfirma stand dann am 24. September in der SZ.

Medien in Rheinland-Pfalz, allen voran die Mainzer Allgemeine Zeitung und die Rhein-Zeitung, setzten nach, stellten neue Fragen. Aus alledem hat sich dann im Lauf der Woche eine veritable Parteispenden-Affäre entwickelt. Die Geburt und die Entwicklung dieser Affäre nachzuzeichnen lohnt sich, weil man viel über Wegsehen, Heuchelei und falsche Dementis erfahren kann.

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