Union nach der Europawahl AKK - Parteichefin auf Bewährung

Annegret Kramp-Karrenbauer bei einer Wahlkampfveranstaltung in München.

(Foto: Christof Stache/AFP)

Die Europawahl war die erste große Bewährungsprobe für die neue CDU-Chefin. Das Ergebnis hat die Zweifel an Annegret Kramp-Karrenbauer in ihrer Partei wachsen lassen.

Von Robert Roßmann, Berlin

Eines kann man Annegret Kramp-Karrenbauer wirklich nicht vorwerfen: Dass sie nicht mit vollem Einsatz für ein gutes Ergebnis ihrer Partei gekämpft hätte. Mehr als 25 Wahlkampfveranstaltungen hat die neue CDU-Chefin absolviert, zusätzlich zu all den üblichen Parteiterminen und unzähligen Fernsehauftritten. Dabei hatte sie sich zwischendurch eine schmerzhafte Augenentzündung eingefangen.

Das Pensum Kramp-Karrenbauers war so groß, dass sich die Wohlmeinenden in der Partei bereits Sorgen um sie machten. Schließlich stehen jetzt drei schwierige Landtagswahlkämpfe im Osten an, da braucht man eine gesunde Parteivorsitzende. Die weniger Wohlmeinenden wiesen darauf hin, dass Angela Merkel doch bewiesen hätte, dass die Kraft in der Ruhe liege - und weniger manchmal mehr wäre. Das könne man zum Beispiel an den Folgen des unüberlegten Umgangs Kramp-Karrenbauers mit den Anwürfen des Youtubers Rezo sehen.

Grüne Das junge Deutschland wählt grün
Erfolg bei Europawahl

Das junge Deutschland wählt grün

Um die 30 Prozent der Unter-30-Jährigen haben den Grünen ihre Stimme gegeben. Ob Rezo-Effekt oder nicht: Die Jugend hat sich politisiert - und die politische Landkarte könnte sich dauerhaft verändern.   Kommentar von Stefan Braun, Berlin

Für Kramp-Karrenbauer war die Europawahl die erste große Bewährungsprobe als Parteivorsitzende. Wie Angela Merkel nach ihrer ersten Wahl zur CDU-Chefin im Jahr 2000 steht sie vor der Aufgabe, Zweiflern in der Partei zu beweisen, dass sie der Herausforderung gewachsen ist. Das Europawahl-Ergebnis vom Sonntag, so viel lässt sich schon jetzt sagen, hat die Skepsis nicht beseitigt. Daran ändert auch das gute Abschneiden der CDU in Bremen nichts.

Könnte sie eine Vorsitzende sein, die nicht selbst Regierungschefin wird?

Kramp-Karrenbauer ist in einer unangenehmen Lage, aus der sie sich nicht selbst befreien kann. Sie hat zwar die Wahl zur Parteivorsitzenden gewonnen. Und die Bundeskanzlerin hat angekündigt, längstens bis 2021 Regierungschefin bleiben zu wollen. Zum ersten Mal in der Geschichte der Bundesrepublik wird der Platz im Kanzleramt also freiwillig geräumt. Und doch gibt es für Kramp-Karrenbauer wegen der Vorgaben des Grundgesetzes und der politischen Lage keinen schnellen Weg an die Regierungsspitze. Die CDU-Chefin rackert sich ab, aber auf ihrem Weg ins Kanzleramt ist sie bisher keinen Schritt vorangekommen. Sie muss sich vorkommen wie ein Hamster im Rad.

Um die wegen des unklaren Machtübergangs nervös gewordene CDU zu beruhigen, musste die Parteichefin sogar öffentlich beteuern, dass sie nicht am Stuhl der Kanzlerin säge und sich wünsche, dass Merkel bis 2021 im Amt bleibt. Kramp-Karrenbauer sagt inzwischen, sie sehe ihre Hauptaufgabe darin, die CDU personell, programmatisch und organisatorisch nach vorne zu bringen, um für die Wahl im Jahr 2021 gut gewappnet zu sein. Andere haben am Zaun des Kanzleramts gerüttelt, Kramp-Karrenbauer erweckt eher den Eindruck, eine selbstlos Dienende zu sein.