CDU/CSU vor der Bundestagswahl:Gefährlich weit vorn

Lesezeit: 2 min

Bundestag

Kanzlerin Merkel und FDP-Spitzenmann Brüderle im Bundestag. Die Politiker verfolgten die Debatte über den Abschlussbericht des NSU- Untersuchungsausschusses.

(Foto: dpa)

Peer Steinbrück hat beim TV-Duell überraschend gut abgeschnitten. Viele Sozialdemokraten hoffen jetzt wieder auf einen Wahlerfolg. Muss sich die Union Sorgen machen?

Ein Kommentar von Robert Roßmann, Berlin

Sozialdemokraten verhalten sich gerne wie pubertierende Jugendliche: Sie sind entweder von sich berauscht oder unendlich betrübt. Wie ansatzlos die SPD den Wechsel zwischen den Gemütslagen beherrscht, beweist sie gerade wieder. Bis zum TV-Duell hatte man das Gefühl, die SPD habe die Wahl schon verloren gegeben, obwohl noch gar nichts entschieden ist. Seit dem Duell tritt dieselbe Partei auf, als ob eine rot-grüne Mehrheit nur noch Sache von Tagen sei. Die SPD ist zurück im Ring. Muss sich die CDU jetzt also Sorgen machen?

Offiziell reagiert die Union gelassen. Drei der vier Umfrage-Institute hätten doch Angela Merkel zur Siegerin gekürt, sagt der CDU-Generalsekretär. Das stimmt. Viel entscheidender ist aber, wer positiv überrascht hat - und wer bei den noch unentschiedenen Bürgern vorne lag. Und das war in beiden Fällen Steinbrück.

Schwarz-Gelb hatte schon vor dem Duell nur eine hauchdünne Mehrheit in den Umfragen. Seit Sonntag können sich Union und FDP ihres Sieges noch weniger gewiss sein. Ja, es gibt in Deutschland bisher keine Wechselstimmung. Aber es gibt auch keine Großdemonstrationen für die jetzige Koalition. Schwarz-Gelb ist ein zuschanden gerittener Gaul. Sogar die meisten Merkel-Fans könnten gut auf Brüderle verzichten. Dieses Gefühl hat das Duell jetzt noch verstärkt. Ein großer Teil der Zuschauer hat sich anschließend doch nicht für Merkel oder Steinbrück entschieden. Viele hätten jetzt gerne Merkel und Steinbrück.

Für die CDU ist das eine gefährliche Entwicklung. Die Partei lebt weitgehend von der einzigartigen Beliebtheit Merkels. Die Kanzlerin ist entrückt - in jeder Hinsicht. Wenn aus ihr jetzt wieder eine Normalsterbliche würde, wäre es auch schnell mit der Ausnahmestellung der CDU in den Umfragen vorbei.

Vielen ist nicht bewusst, wie knapp es für Schwarz-Gelb ist

15 Prozentpunkte liegt die Union derzeit vor der SPD. Das ist ein gewaltiger Abstand. Vielen CDU-Wählern ist deshalb gar nicht bewusst, wie knapp das Rennen für Schwarz-Gelb insgesamt ist. Anderen ist es sogar egal, weil ihnen ein Bündnis mit der SPD sowieso lieber wäre. Viele CDU-Anhänger könnten deshalb am 22. September nicht motiviert genug sein, tatsächlich zur Wahl zu gehen. Schon bei den vergangenen Bundestagswahlen hat die Union ja gute Umfragewerte nicht in gute Ergebnisse verwandeln können.

Deshalb wird in die CDU-Kampagne jetzt ein neuer Zungenschlag kommen: Merkel hat den Unionsabgeordneten aufgetragen, offensiv vor einer rot-rot-grünen Mehrheit zu warnen. Viele bürgerliche Wähler seien noch zu gutgläubig, findet Merkel. Sie würden der SPD leider abnehmen, keinesfalls mit der Linken paktieren zu wollen.

Die Sozialdemokraten machen der Union offenbar Angst. Doch mit dem neuen Selbstbewusstsein der SPD könnte es bald wieder vorbei sein. Anders als 2009 findet zwischen dem TV-Duell und der Entscheidung noch eine Landtagswahl statt. Und in Bayern erwartet die Sozialdemokraten eine Klatsche von historischem Ausmaß. Aus der SPD dürfte dann ganz schnell wieder ein depressives Häuflein werden.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema