Angesichts der hohen Umfragewerte für die AfD und der damit verbundenen Nervosität in der Union hat sich in der CDU eine neue Gruppe mit dem Namen „Compass Mitte“ gegründet. Sie setzt sich zusammen aus liberalen Parteimitgliedern, die für eine strenge Abgrenzung zur AfD eintreten und sich bei ihren Forderungen vom konservativen Kurs von Parteichef und Kanzler Friedrich Merz abgrenzen. Zu den 30 Erstunterzeichnern gehören etwa der frühere Generalsekretär Ruprecht Polenz und der Bundestagsabgeordnete Roderich Kiesewetter, aus der obersten Parteispitze ist niemand dabei. „Compass Mitte“ geht es vor allem darum, die Brandmauer auf keinen Fall aufzuweichen; außerdem plädiert die Gruppe anders als Merz dafür, die AfD zu verbieten.
„Die CDU ist in dem Wissen gegründet worden, dass Faschismus immer nur mithilfe von Konservativen an die Macht gekommen ist“, zitiert die Wochenzeitung Zeit aus der Gründungserklärung: „Es darf deshalb keinerlei politische Zusammenarbeit der CDU mit der rechtsextremistischen AfD geben.“ Und weiter: „Deshalb behandeln wir die AfD mit zivilisierter Verachtung, bekämpfen sie politisch und stehen zum Beschluss des CDU-Bundesparteitags, der jegliche politische Zusammenarbeit mit der AfD ausschließt.“
„Der soziale und liberale Teil der Union“ solle sichtbarer werden
Anders als die Parteispitze will „Compass Mitte“ auch die Zusammenarbeit mit der AfD in den Kommunen nicht tolerieren. Die Gründung könnte auch eine Reaktion auf den Vorstoß des ehemaligen Generalsekretärs Peter Tauber sein, der jüngst angeregt hatte, das Verhältnis zur AfD zu überdenken. Und den Erstunterzeichnern – laut Zeit fast alle aus den alten Bundesländern und mit dem Kurs der früheren Kanzlerin Angela Merkel verbunden – geht es auch noch um etwas anderes: „Die 28,6 Prozent bei der letzten Bundestagswahl dürfen uns nicht zufriedenstellen. Es bedarf einer Kurskorrektur, damit die CDU mit 40 Prozent wieder die Ergebnisse einer Volkspartei erreicht. Deshalb muss der soziale und liberale Teil der Union sichtbarer werden, um mehr Menschen anzusprechen.“ Aus der Parteizentrale gab es zunächst keine Reaktion.

