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CDU:Kramp-Karrenbauer verzichtet auf Beförderung ihres engsten Vertrauten

CDU-Bundesgeschäftsführer Stefan Hennewig

Stefan Hennewig, neuer Bundesgeschäftsführer der CDU.

(Foto: Steffen Böttcher/dpa)
  • Neuer Bundesgeschäftsführer der CDU wird der 45-jährige Stefan Hennewig.
  • Damit verzichtet Parteichefin Kramp-Karrenbauer auf die Ernennung von Nico Lange, der als ihr Favorit galt.
  • An Lange hatte es in jüngster Zeit zum Teil heftige Kritik aus der CDU gegeben.

CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer hat darauf verzichtet, ihren engsten politischen Vertrauten Nico Lange zum Bundesgeschäftsführer zu befördern. Sie reagierte damit offensichtlich auf die zunehmenden Vorbehalte gegen Lange in der Partei. Unter anderem wird ihm vorgeworfen, in einer Wahlanalyse die Schuld für den Absturz der Partei bei der Europawahl fast überall, aber nicht bei der CDU-Chefin verortet zu haben. Vor allem die Junge Union (JU) war deshalb verärgert. Lange hatte auch "einen vermeintlichen ,Rechtsruck' bei der JU" als Ursache für die Niederlage ausgemacht. Die JU sah sich deshalb als Sündenbock für das schlechte Wahlergebnis dargestellt. Außerdem wurde Lange für die unglückliche Reaktion der Parteizentrale auf das Video des Youtubers Rezo mitverantwortlich gemacht. Auch an dem Werkstattgespräch der CDU zur Flüchtlingspolitik, das von Lange mitbetrieben wurde, hatte es Kritik gegeben. Die Veranstaltung war als Abkehr der CDU von der Flüchtlingspolitik Angela Merkels wahrgenommen worden.

Statt Lange wurde am Montag Stefan Hennewig zum neuen Bundesgeschäftsführer der CDU ernannt. Der 45-Jährige war bisher Leiter der Abteilung "Zentrale Aufgaben" im Konrad-Adenauer-Haus. Hennewig folgt auf Klaus Schüler. Der Merkel-Vertraute war seit zwölf Jahren Bundesgeschäftsführer, er hatte unter anderem die CDU-Bundestagswahlkämpfe 2009, 2013 und 2017 organisiert. Mitte Mai hatte Schüler mitgeteilt, dass er zum Kölner Chemie-Konzern Lanxess wechseln wird. Er soll dort "Bevollmächtigter des Vorstands für nationale und internationale Politikbeziehungen" werden.

Die Rolle von Nico Lange soll aufgewertet werden

Schüler sagte damals, ihn verbinde "mit Angela Merkel eine lange, vertrauensvolle und erfolgreiche Zusammenarbeit". Mit Merkels Entscheidung, nicht mehr als Parteivorsitzende und als Kanzlerkandidatin zur Verfügung zu stehen, habe sich für ihn "die Möglichkeit eröffnet", noch mal etwas anderes zu machen. Damals war noch angenommen worden, dass auf den Merkel-Vertrauten Schüler der Kramp-Karrenbauer-Vertraute Lange folgen würde.

Der 44-jährige Lange war bisher in der CDU-Zentrale Leiter der Abteilung "Politische Planung". Seine Rolle soll jetzt aufgewertet werden. Künftig soll er auch für "Strategie" und "Internationale Beziehungen" zuständig sein. Seine Funktion als stellvertretender Bundesgeschäftsführer soll er behalten.

Kramp-Karrenbauer hatte Lange nach ihrer Wahl zur CDU-Generalsekretärin im vergangenen Jahr aus dem Saarland in die CDU-Zentrale geholt. Bis dahin war er Bevollmächtigter für Innovation und Strategie in der Saarbrücker Staatskanzlei. Vor seiner Zeit im Saarland war er unter anderem Leiter der Außenbüros der Konrad-Adenauer-Stiftung in Washington und in Kiew. Er gilt als selbstbewusster und kluger Analytiker. Die Kritik an ihm ist weitgehend ungerecht. Viele, die eigentlich die Vorsitzende kritisieren wollen, haben stattdessen Lange in den Fokus genommen.

Der jetzt zum Bundesgeschäftsführer gekürte Hennewig arbeitet schon seit fast 20 Jahren im Adenauerhaus, erst als Online-Redakteur, dann als Leiter der Internet-Redaktion. Von 2004 bis 2006 und während des Bundestagswahlkampfs 2017 leitete er den Bereich Öffentlichkeitsarbeit. Zuletzt gehörten zu seinem Aufgabenbereich unter anderem Personalwesen, Controlling, Mitgliederwerbung sowie die Weiterbildung von Parteimitgliedern.

Das CDU-Präsidium billigte die Ernennung Hennewigs am Montag einstimmig. Er soll jetzt eine Art Verwaltungschef der CDU-Zentrale werden, seine Rolle wird also nicht so stark sein wie die des scheidenden Bundesgeschäftsführers Schüler. Schüler war oft mit großem Machtanspruch aufgetreten. CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak sagte, Hennewig werde "im Team" mit Nico Lange und Ulf Leisner, dem anderen stellvertretenden Bundesgeschäftsführer, arbeiten. Der Kramp-Karrenbauer-Vertraute Lange wird also auch künftig eine wichtige Rolle in der CDU-Zentrale spielen.

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