MeinungBaden-WürttembergDie CDU vergisst die Ihren nicht

Portrait undefined Roland Muschel

Kolumne von Roland Muschel, Stuttgart

Lesezeit: 2 Min.

Einer der gekappten Erststimmensieger, die von Manuel Hagels (li.) tätiger Mithilfe profitieren, ist Moritz Oppelt. Er macht nun in Stuttgart als Justizminister Karriere.
Einer der gekappten Erststimmensieger, die von Manuel Hagels (li.) tätiger Mithilfe profitieren, ist Moritz Oppelt. Er macht nun in Stuttgart als Justizminister Karriere. Marijan Murat/dpa
  • Sechs CDU-Wahlkreissieger aus Baden-Württemberg blieben bei der Bundestagswahl 2025 aufgrund des reformierten Wahlrechts ohne Mandat.
  • CDU-Landeschef Manuel Hagel verhalf vier der sechs gekappten Wahlkreissieger durch Regierungsposten oder Nachrücken doch noch in politische Ämter.
  • Hagel versetzte eine 59-jährige CDU-Regierungspräsidentin ohne Begründung in den Ruhestand, um Alexander Föhr den Posten zu geben. Daran gibt es nun Kritik.
Von der Redaktion überprüft

Diese Zusammenfassung wurde mit der Unterstützung einer generativen künstlichen Intelligenz erstellt. Lesen Sie mehr über unseren Umgang mit KI.

Fanden Sie diese Zusammenfassung hilfreich?
Mehr Feedback geben

Sechs Wahlkreissieger der Südwest-CDU blieben bei der Bundestagswahl 2025 ohne Mandat. Nun haben sie plötzlich doch eines – oder einen gut dotierten politischen Posten. Dank Parteichef Manuel Hagel. Zu viel des Guten?

SZ bei Google bevorzugen

Wenn Sie keinen Artikel zu Baden-Württemberg in der Süddeutschen Zeitung verpassen wollen, dann melden Sie sich hier für den kostenlosen „Im Südwesten“-Newsletter an:

Auf dem Index der baden-württembergischen CDU stehen nicht nur das „Rehaugenvideo“ und die früheren Superlativ-Parolen für Bahnhofstieferlegungen. Auf dem Index steht auch das noch von der Ampelregierung in Berlin reformierte Bundestagswahlrecht. Es führte zwar zu einer viel gelobten Verkleinerung des Bundestages, doch zu einem hohen Preis: Nicht mehr automatisch jeder Kandidat, der in seinem Wahlkreis die meisten Erststimmen erhält, zieht in den Bundestag ein. Ausschlaggebend für die Zahl der Sitze ist nun allein die Zweitstimme. Bei der Bundestagswahl 2025 blieben deshalb 23 Wahlkreissieger ohne Mandat.

Besonders hart traf es die CDU Baden-Württemberg: Gleich sechs ihrer Erststimmensieger schafften es nicht ins Parlament, entsprechend groß war der Frust über die „Kappung“ der Mandate. Der CDU-Landeschef Manuel Hagel sagte am Tag nach der Wahl, „dieses schräge Wahlrecht der Ampel“ müsse wieder weg, weil es das „Gerechtigkeitsempfinden der Menschen“ verletze.

Tatsächlich wollen Union und SPD im Bund das Wahlrecht wieder ändern. Doch für das mandatslose Sextett der Südwest-CDU kommt jede Reform zu spät. Allerdings hat die Partei, wenn der Eindruck nicht täuscht, ihre gekappten Wahlkreissieger nicht vergessen.

Als Vize-Ministerpräsident hat Hagel nicht nur dafür gesorgt, dass Moritz Oppelt, der Erststimmensieger im Bundestagswahlkreis Rhein-Neckar, nun als Justizminister in Stuttgart Karriere macht. Er holte in Andreas Jung (Kultusminister) und Ronja Kemmer (Chief Digital Officer) auch zwei bisherige Bundestagsabgeordnete in sein Regierungsteam. Damit konnten die gekappten Wahlkreissieger Christoph Naser (Tübingen) und Stefan Glaser (Lörrach-Mühlheim) in den Bundestag nachrücken. Und nun hat der Innenminister Hagel auch noch Alexander Föhr (Heidelberg) zum Regierungspräsidenten von Karlsruhe ernannt.

Hagels Vorgehen ist rechtens, aber klug ist es nicht

Mit seiner Fürsorge hat es der CDU-Politiker aber womöglich übertrieben. Denn für Föhr hat der Innenminister die bisherige Regierungspräsidentin mit 59 Jahren in den Ruhestand versetzt, dabei gehört sie ebenfalls der CDU an. Eine Begründung lieferte er nicht für die Personalie, die dazu führt, dass eine anerkannte und arbeitsfähige Spitzenbeamtin bald Ruhegehalt kassiert.

Nun sind Regierungspräsidenten in Baden-Württemberg politische Beamte, sie können ohne Angabe von Gründen in den Ruhestand versetzt werden, daher ist das Vorgehen rechtens. Klug ist es nicht.

Denn aktuell stimmt die Landesregierung die Bürger auf Einschnitte ein. Da berührt ein kostenträchtiger Wechsel in einer Spitzenposition das Gerechtigkeitsempfinden vieler Wählerinnen und Wähler mehr als das Schicksal der gekappten Wahlkreissieger.

Diese Kolumne erscheint auch im Newsletter „Im Südwesten“, der die Berichterstattung der SZ zu Baden-Württemberg bündelt. Gleich kostenlos anmelden.

© SZ - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
Zur SZ-Startseite

Urteil Landgericht Stuttgart
:Wieder ein Freispruch für ehemaligen Karrierepolizisten

Erst wurde Andreas R., ehemals ranghöchster Polizist in Baden-Württemberg, vom Vorwurf der sexuellen Nötigung freigesprochen – jetzt auch noch vom Vorwurf der Bestechlichkeit. Das Disziplinarverfahren läuft dennoch weiter.

Von Roland Muschel

Lesen Sie mehr zum Thema

  • Medizin, Gesundheit & Soziales
  • Tech. Entwicklung & Konstruktion
  • Consulting & Beratung
  • Marketing, PR & Werbung
  • Fahrzeugbau & Zulieferer
  • IT/TK Softwareentwicklung
  • Tech. Management & Projektplanung
  • Vertrieb, Verkauf & Handel
  • Forschung & Entwicklung
Jetzt entdecken

Exklusive Gutscheine für SZ-Abonnenten: