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Baden-Württemberg:Der Teflon-Mann

Online-Parteitag CDU Baden-Württemberg

Thomas Strobl, hier beim digitalen Parteitag der CDU Baden-Württemberg, bleibt trotz Wahlniederlage Chef des Landesverbandes.

(Foto: Bernd Weissbrod/dpa)

Nach dem Debakel der CDU bei der Landtagswahl stand die politische Zukunft von Parteichef Thomas Strobl infrage. Nun ist er wieder obenauf.

Von Claudia Henzler, Stuttgart

Die Sitzordnung im neu gewählten Landtag von Baden-Württemberg, der am Dienstag zum ersten Mal zusammengetreten ist, führt das Wahldebakel der CDU noch einmal deutlich vor Augen: Die Grünen können jetzt an 58 Tischen Platz nehmen - ihre Fraktion zählt 16 Abgeordnete mehr als die der CDU.

Nach dem historisch schlechten Ergebnis von 24,1 Prozent haben viele CDU-Kreisverbände einen Neuanfang gefordert. Die Verantwortung dürfe nicht allein der Spitzenkandidatin Susanne Eisenmann zugeschoben werden. Auch Thomas Strobls Zukunft stand zur Debatte. Schließlich führt der Landesvorsitzende die Partei seit zehn Jahren und hat deren Abstieg nicht verhindern können.

Für den 61-jährigen Juristen ging es nach der Wahl um alles. Er war 2016 aus dem Bundestag nach Stuttgart gekommen, um die erste grün-schwarze Koalition zu schmieden. 2021 trat er in seiner Heimatstadt Heilbronn zum ersten Mal bei einer Landtagswahl an - und scheiterte. Zwei Monate später hat er sich nun einmal mehr als Teflon-Mann erwiesen, an dem Misserfolge abperlen.

Er hat die Partei wieder so weit im Griff, dass sie ihm folgt. Das hat sich am vergangenen Wochenende bei einem CDU-Parteitag gezeigt. Da war weder Kritik am Koalitionsvertrag zu hören noch an Strobls Anspruch auf das wichtigste Regierungsamt auf CDU-Seite. Er bleibt Innenminister und stellvertretender Ministerpräsident. Und die inhaltliche Aufarbeitung der Niederlage soll bis nach der Bundestagswahl warten.

Einfache Botschaften, prägnante Sprache

Bei öffentlichen Auftritten setzt Strobl auf einfache Botschaften. Er spricht so langsam, dass Journalisten bequem mitschreiben können, und hat eine Vorliebe für prägnante Sprache: "Sonntags Radau, montags im Bau", jubelte er nach der sogenannten Krawallnacht in Stuttgart. Und als die ersten Täter verurteilt waren, ließ sich der Innenminister so zitieren: "Das möchte sich der Mob hinter die Ohren schreiben." Doch man sollte den erfahrenen Parteistrategen nicht unterschätzen.

Noch vor einer Woche hatte es so ausgesehen, als würde sich die alte CDU-Führungsriege fast komplett im neuen Kabinett wiederfinden - einzig Justizminister Guido Wolf, der gescheitete Spitzenkandidat von 2016, hatte keine Lobby mehr. Aber Landwirtschaftsminister Peter Hauk, 60, galt als gesetzt - schon allein, weil man den Bezirksvorsitzenden von Nordbaden nicht einfach zur Seite schieben kann. Auch der bisherige Fraktionsvorsitzende Wolfgang Reinhart, 65, wollte weiter vorne mitspielen.

Die Spitze der Fraktion hatte da schon der 33-jährige Manuel Hagel übernommen. Er war Generalsekretär und damit auch irgendwie am bisherigen Kurs der CDU beteiligt. Geschadet hat ihm das aber bisher nicht. Nach der Wahl hatte er sich schnell die Unterstützung der jungen Abgeordneten gesichert und damit Reinhart verhindert. Hagels Wechsel hat Strobl die Gelegenheit gegeben, beim Parteitag mit einer Personalie zu überraschen, die ein weiteres Signal der Erneuerung aussenden sollte: Generalsekretärin wird Isabell Huber, eine 33-jährige Abgeordnete.

Das hat den Druck von der Basis zwar verringert, die Delegierten haben aber deutlich gemacht, dass sie sich auch in der Regierungsmannschaft neue Köpfe wünschen. Zwei Tage später löst sich dann alles in Wohlgefallen auf: Drei Frauen und zwei Männer sitzen für die CDU im neuen Kabinett, davon immerhin zwei Neuzugänge: Nicole Razavi, 55, als Ministerin für Wohnen und Landesentwicklung und Marion Gentges, 49, für das Justizressort.

Möglich wurde das, weil sich Wolfgang Reinhart angesichts des parteiinternen Drucks mit dem Posten des stellvertretenden Landtagspräsidenten abfinden musste. Hinzu kam ein Trick: Die CDU hat vom Wirtschaftsministerium einen Teil abgespalten und zum neuen Ministerium für Wohnen aufgewertet. Wo bisher eine Frau führte, sind es jetzt also zwei.

© SZ
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