bedeckt München 32°

CDU-Politiker Mißfelder tot:"Wir sind unfassbar traurig und schockiert"

Philipp Mißfelder

Philipp Mißfelder, außenpolitischer Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, ist gestorben

(Foto: picture alliance / dpa)
  • Der CDU-Außenpolitiker Philipp Mißfelder ist in der Nacht völlig überraschend an einer Lungenembolie gestorben. Er wurde 35 Jahre alt.
  • Mißfelder war außenpolitischer Sprecher der Unionsfraktion und bis 2014 Bundesvorsitzender der Jungen Union. Unionspolitiker würdigen ihn als Politiker und guten Freund.
  • Er hinterlässt eine Frau und zwei kleine Kinder.

Der CDU-Außenpolitiker Philipp Mißfelder ist tot. Er starb völlig überraschend in der Nacht von Sonntag auf Montag an einer Lungenembolie. Das teilte Unions-Fraktionschef Volker Kauder mit. Mißfelder wurde 35 Jahre alt.

"Die CDU/CSU-Bundestagsfraktion verliert einen ihrer profiliertesten Außenpolitiker und ich persönlich einen Freund, der mich auf vielen meiner Reisen begleitet hat", erklärte Kauder in Berlin. "In unseren Gedanken sind wir bei seiner Frau und seinen beiden kleinen Kindern." Mit großem Engagement "setzte er sich für die transatlantischen Beziehungen ein", sagte Kauder. "Außerdem war er ein ausgewiesener Kenner der Situation in Osteuropa und in Russland. Darüber hinaus verfügte er über herausragende Kontakte in Asien."

Der stellvertretende Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Franz Josef Jung, sagte: "Ich verliere mit ihm einen sehr geschätzten persönlichen Freund."

Armin Laschet, CDU-Parteichef in Nordrhein-Westfalen, nannte Mißfelder einen "christlichen Demokraten im Dienste der Völkerverständigung". Seine Leidenschaft habe den internationalen Beziehungen, der Aussöhnung mit Israel, der europäischen Einigung und dem Kampf gegen Antisemitismus" gegolten, sagte Laschet. Dennoch habe der Schatzmeister der NRW-CDU sich immer für seine Heimat, seinen Wahlkreis Recklinghausen und das Ruhrgebiet eingesetzt. Dort herrsche "Sprachlosigkeit, Fassungslosigkeit, tiefe Trauer."

Die Junge Union, deren Bundesvorsitzender Mißfelder bis 2014 war, erklärte: "Wir sind unfassbar traurig und schockiert (...). Er hat die Junge Union geprägt." CDU-Generalsekretär Peter Tauber würdigte Mißfelder als jemanden, der die Junge Union in den vergangenen Jahren stark geprägt habe. "Die CDU und die Junge Union haben Philipp Mißfelder viel zu verdanken." Die Nachricht von Mißfelders plötzlichem Tod habe ihn und seine Parteikollegen während der Präsidiumssitzung erreicht. Alle seien fassungslos und mit tiefer Trauer erfüllt.

CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer schrieb im Kurznachrichtendienst Twitter: "Ein guter Freund geht viel zu früh."

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) zeigte sich tief erschüttert vom Tode Mißfelders und würdigte seine Arbeit als Außenpolitiker. "Es hat mich beeindruckt, wieviel Erfahrung er in jungem Alter bereits gesammelt und in den politischen Diskurs eingebracht hat."

Auch der Grünen-Politiker Konstantin von Notz erklärte auf Twitter: "Ich bin bestürzt und traurig über den Tod des Kollegen Philipp Mißfelder." Der Grüne Jürgen Trittin nannte den Verstorbenen einen "sehr, sehr früh ein unbequemer, querdenkender Außenpolitiker der CDU. Ein Verlust für den Bundestag."

Der Linke Steffen Bockhahn meinte: "Politisch trennten uns Welten. Das hindert mich aber überhaupt nicht daran, diesen viel zu frühen Tod zu bedauern."

Philipp Mißfelder ist tot

Begegnung mit Alt-Bundeskanzler Helmut Kohl beim Deutschlandtreffen der Jungen Union 2004

(Foto: dpa)

Kanzleramtsminister Peter Altmaier twitterte zum Ableben seines Parteifreundes: "Viel zu jung, viel zu früh."

"Es ist unfassbar, dass ein so junger Mensch und ein so hoffnungsvolles politisches Talent so früh sterben musste", sagte Josef Schuster, der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland.

Zwölf Jahre Bundesvorsitzender der Jungen Union

Mißfelder wurde am 25. August 1979 in Gelsenkirchen geboren. 1993 trat er der Jungen Union bei, 1995 dann der CDU. Seit 1999 gehört er dem CDU-Bundesvorstand an. 2005 zog er in den Bundestag ein, seit 2009 war er außenpolitischer Sprecher der Unionsfraktion. Von 2002 bis 2014 war er Bundesvorsitzender der Jungen Union (JU).

Mißfelder galt als konservativ. Er hatte sich intensiv an der Diskussion über das deutsche Gesundheits- und Sozialsystem beteiligt und sie mit plakativen Äußerungen angeheizt. So hatte er 2003 vorgeschlagen, sehr alte Menschen sollten keine künstlichen Hüftgelenke auf Kosten der Solidargemeinschaft bekommen. Er forderte ein Renteneintrittsalter von 70 Jahren. 2009 sprach er sich gegen die Anhebung des Hartz-IV-Regelsatzes aus. Seine Befürchtung war, dass das Geld von Betroffenen für Zigaretten und Alkohol ausgegeben würde. Wegen dieser Äußerung wurde er selbst von der Jungen Union in Bayern kritisiert.

Mißfelder war laut Kauder ein "überzeugter Freund Israels". 2013 plädierte er für Waffenlieferungen an die syrische Opposition gegen Diktator Baschar al-Assad.

Für Schlagzeilen sorgte Mißfelder, als er im April 2014 an einer Geburtstagsfeier von Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder in Sankt Petersburg teilnahm. Das Fest hatte der russische Präsident Wladimir Putin mit dem russischen Gasförderungsunternehmen Gazprom veranstaltet. In der Union stieß seine Teilnahme auf Unverständnis, da Russland aufgrund des Ukraine-Konflikts heftig in der Kritik stand. Mißfelder hatte seinen Besuch damit erklärt, der Altkanzler und er würden "ein gutes Verhältnis pflegen". Außerdem hätte er versucht, auf Putin einzuwirken.

Nach Angaben von Fachverbänden sterben in Deutschland jährlich etwa 40 000 Menschen an einer Lungenembolie. Dabei gelangt ein Blutgerinnsel mit dem Blutstrom in die Lunge und führt dort zum Verschluss eines Lungengefäßes. Symptome für solche Thrombosen, etwa schmerzende Waden und Schmerzen beim Atmen, sind nicht immer leicht zuzuordnen.