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75. Geburtstag:Die CDU feiert - und kritisiert sich selbst

75 Jahre CDU

"In der Mitte der Gesellschaft": Blick in den Saal beim ersten CDU-Bundesparteitag in Goslar fünf Jahre nach der Gründung.

(Foto: dpa)

Vor 75 Jahren wurde die CDU gegründet. In die Freude darüber mischen sich auch nachdenkliche Töne. Die Partei will jünger und diverser werden. "Ja, wir brauchen mehr Frauen", sagt Parteichefin Kramp-Karrenbauer.

Ein Geburtstag ist immer eine gute Gelegenheit, Bilanz zu ziehen - auch eine kritische. Die CDU-Spitze hat das am Freitag zum 75. Gründungsjubiläum der Partei getan. Parteichefin Annegret Kramp-Karrenbauer sagte, sie sehe in der CDU immer noch Defizite bei der Frauenförderung. Zwar sei die erste Kanzlerin in Deutschland und die erste Verteidigungsministerin eine Christdemokratin gewesen, gleichwohl räumte sie im Fernsehsender Phoenix ein: "Ja, wir brauchen mehr Frauen in unserer Partei. Wir brauchen auch mehr in der Repräsentanz, in Ämtern und Mandaten. Das ist mir ein persönliches, wichtiges Thema." Daran arbeite die Satzungskommission der Partei, die sich auch mit Themen wie Quoten und Paritäten beschäftige.

Generalsekretär Paul Ziemiak warnte die CDU davor, nach der Ära Angela Merkel in parteiinterne Macht- und Flügelkämpfe zu verfallen. Auch er forderte, die Partei müsse jünger, weiblicher und diverser werden. "Volkspartei bedeutet, in der Mitte der Gesellschaft zu sein und die Gesellschaft in der Mitgliedschaft abzubilden", sagte Ziemiak.

Um Jüngere anzusprechen, präsentiert die CDU zum Jubiläum einen Videoclip "120 Sekunden, 75 Jahre, 5 Bundeskanzler, eine Partei". Dabei geht es vom Wirtschaftswunder bis zu Finanz-, Flüchtlings- und Corona-Krise. Auch gleichgeschlechtliche Paare werden gezeigt. CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer wirbt auf Instagram für das Video und eine Beteiligungskampagne namens #Kickoff2030. Untermalt von Texten wie "Yo Leute" oder "Ihr denkt, die CDU ist Old School", sagt sie, ihre Partei sei doch ziemlich jung geblieben, und wünschte "Viel Spaß" mit dem Video über die CDU-Geschichte - was für die Jüngeren übersetzt wurde in "Gönn Dir".

Die CDU sei wie "das Bayern München der Politik", schreiben die Grünen-Chefs

Die Grünen gratulierten mit einem Artikel in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Die Parteichefs Annalena Baerbock und Robert Habeck präsentieren sich darin als Antithese zur CDU und schreiben: "Es muss ein Irrtum sein, dass die CDU 75 wird, sie muss es immer schon gewesen sein. Wie kann eine Partei erst 75 Jahre alt sein, wo doch allein schon Helmut Kohl ewig Kanzler war?" So wie die Grünen immer schon immer etwas gewollt hätten, sei die CDU immer schon etwas gewesen. "Ihr seid so etwas wie die institutionalisierte Regierungspartei, die Grundversorgung im Kanzleramt, das Bayern München der Politik."

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier betonte in einem Glückwunschschreiben die staatstragende Rolle der CDU. "Die Begründung der Demokratie in Deutschland nach 1945 und die Verwurzelung freiheitlich-demokratischer Werte in der bundesdeutschen Gesellschaft sind ohne die CDU nicht denkbar", heißt es darin. Das christliche Menschenbild sei die Basis für die Vorstellungen der CDU über gemeinschaftliches Zusammenleben geblieben. Bis heute präge das überkonfessionelle Bekenntnis zum christlichen Menschenbild das politische Wirken der CDU. Deutschland stehe vor der Aufgabe, die liberale Demokratie gegen autoritäre Bewegungen zu stärken. "Es ist meine tiefe Überzeugung, dass wir dafür lebendige, bürgernahe und überzeugungsstarke demokratische Parteien brauchen."

© SZ vom 27.06.2020 /dpa/KNA/SZ/mane
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