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Castor-Transport nach Gorleben:Antreten zum Protest

Die ersten Castor-Behälter haben die Wiederaufbereitungsanlage in La Hague verlassen. Atomkraftgegner haben Demonstrationen angekündigt - und befürchten ein hartes Durchgreifen der Sicherheitskräfte.

Polizei und Atomkraftgegner machen sich bereit: Die ersten Castor-Behälter mit Atommüll haben die Wiederaufbereitungsanlage im nordfranzösischen La Hague verlassen. "Sie wurden auf Lastwagen zum Bahnhof von Valognes gebracht", sagte Greenpeace-Sprecherin Adélaide Colin am Dienstagabend in Paris. "Es waren sehr viele Sicherheitskräfte im Einsatz", fügte sie hinzu. Eine zweite Ladung werde voraussichtlich kommenden Dienstag von La Hague zu dem etwa 30 Kilometer entfernten Bahnhof gefahren und dort verladen. Der Zug, der die elf Castoren ins Zwischenlager nach Gorleben bringen soll, soll am 5. November starten.

Proteste gegen Atommuell-Transport

Warten auf den Castor-Transport: Zwei von Anwohnern gefertigte Puppen sitzen bei Gorleben im Wendland neben einem Schild mit der Aufschrift "Stopp Castor" in Gartenstühlen.

(Foto: dapd)

Atomkraftgegner haben massive Proteste gegen den Transport angekündigt. Für den Transport nach Gorleben rechnet die Deutsche Polizei-Gewerkschaft mit bis zu 50.000 Demonstranten, mindestens 16.500 Polizisten werden im Einsatz sein. Die Aktivisten befürchten dabei ein hartes Durchgreifen von Sicherheitskräften. Das Innenministerium in Hannover wies am Dienstag Darstellungen zurück, auch die Bundeswehr könne jetzt bei Anti-Atom-Demonstrationen im Wendland zum Einsatz kommen. Ein Eingreifen der Bundeswehr in Gorleben sei keinesfalls vorgesehen und vom Grundgesetz auch gar nicht gedeckt, sagte ein Sprecher des Innenministeriums.

Zuvor hatte die Bürgerinitiative Lüchow-Dannenberg empört mitgeteilt, Schwarz-Gelb setze anstelle einer politischen Lösung auf 16.500 Polizisten und nun sogar auf die Bundeswehr. Der Ministeriumssprecher berichtete, die Bundeswehr unterstütze wie bei jedem Transport die Polizei, indem sie ihre Kasernen und Verpflegung zur Verfügung stelle. Probleme, genügend Polizisten für den Castor-Transport bereitzustellen, gebe es nicht.

Die Bürgerinitiative (BI) und die Linksfraktion im niedersächsischen Landtag forderten dagegen, die Rückführung des Atommülls nach Gorleben zu stoppen. "Wir sagen nein zu derartigen Eskalationen und fordern politische Lösungen ein: Noch ist es Zeit, den Castor-Transport abzusagen", teilte die BI mit. Das Innenministerium betonte erneut, die Polizei setze auf die Strategie der Deeskalation.

Gegen Straftaten würden die Sicherheitskräfte aber vorgehen. Voraussichtlich am 5. November soll der Transport mit hoch radioaktivem Müll starten. Elf Behälter mit verglasten Atomabfällen aus deutschen Kernkraftwerken werden von La Hague in Frankreich rund 1000 Kilometer bis ins Zwischenlager Gorleben rollen. Am 6. November ist in Dannenberg eine große Demonstration geplant. Neben Anti-Atom-Initiativen wollen sich auch Parteien, Kirchen und Gewerkschaften an den Protesten beteiligen. In der Vergangenheit waren in Niedersachsen rund 10.000 Polizisten während des Atommülltransportes im Einsatz, dazu kamen noch zahlreiche Kräfte der Bundespolizei entlang der Transport-Route.

© sueddeutsche.de/dpa/beitz/gba

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