Castor-Lagerung "Jetzt sind die anderen dran"

Andere Länder mit AKW-Standorten haben sich bisher nicht gemeldet. Niedersachsen sieht seine Schuldigkeit mit dem Zwischenlager in Gorleben getan. "Jetzt sind die anderen dran", heißt es im dortigen Umweltministerium. Hessen wiederum verweist auf die langen Transportwege. Bayern schweigt. "Befremdlicherweise hat sich kein anderes Bundesland dem Beispiel Schleswig-Holsteins und Baden-Württembergs angeschlossen", sagt der Kieler Umweltminister Habeck. "Seit dem Treffen vor zwei Wochen kann ich keinen politischen Fortschritt erkennen."

Dabei sind die Länder nur das eine Problem. Das andere sind die Betreiber selbst, also RWE, Eon, Vattenfall und EnBW. Sie müssten für die Zwischenlager Castor-Genehmigungen beantragen. Der Anreiz dazu ist gering, denn die Konzerne tragen das volle Risiko: Eine Genehmigung werden sie nur unter Auflagen erhalten. Beispiel Sicherheit: Ist ein Castor beschädigt, muss er auch am Standort repariert werden - ein Transport zu Vorrichtungen in Gorleben käme für den strahlenden Container wohl kaum infrage.

Die Lösung wäre eine "heiße Zelle" an jedem AKW-Lager, das einige der 26 Castoren übernimmt. Nur kostet jede einzelne Zelle hohe zweistellige Millionenbeträge. Warum die Betreiberfirmen, die eine gültige Genehmigung für die Transporte nach Gorleben schon lange besitzen, freiwillig diese Millionen zahlen sollten, ist bisher Altmaiers Geheimnis.

Die Unternehmen sind in einer bequemen Position

Diesen Mittwoch trifft sich der Minister mit den Stromkonzernen, um das weitere Prozedere zu klären. Aus Sicht seines Ministeriums sind die Investitionen für die Unternehmen "ohne Weiteres zu stemmen"; im Vergleich zu einem teuren Transport der Castoren nach Gorleben relativiere sich die ganze Last. Die Unternehmen selbst sehen das anders. Zwar sind die Verursacher per "Endlagervorausleistungs-Verordnung" verpflichtet, Kosten zu schultern. "Die Verordnung ist aber kein Blankoscheck", heißt es bei einem der Konzerne.

Einstweilen finden sich die Unternehmen in einer bequemen Position wieder: Sie müssen einfach nichts tun. Ohne Antrag keine Genehmigung, ohne Genehmigung keine anderen Zwischenlager. Und ohne andere Zwischenlager kein Endlagersuchgesetz - hatte doch Niedersachsen den Transport-Stopp nach Gorleben zur Bedingung für seine Zustimmung zum Suchgesetz gemacht. "Der ganze Konsens hängt an der Frage der Zwischenlager wie an einem seidenen Faden", heißt es in Kreisen der Atomaufsicht. Und den Betreibern wäre es gar nicht unlieb, wenn dieser Faden reißt. Schließlich sollen sie auch die teure Endlagersuche zahlen, obwohl sie an ihrem Favoriten festhalten: Gorleben.