BurundiChronisch pleite

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Es ist schwer einzuschätzen, welchen Kurs Évariste Ndayishimiye verfolgen wird, vielleicht weiß er es selbst noch nicht. Die Nachwehen des Bürgerkriegs prägen sein Land noch immer.
Es ist schwer einzuschätzen, welchen Kurs Évariste Ndayishimiye verfolgen wird, vielleicht weiß er es selbst noch nicht. Die Nachwehen des Bürgerkriegs prägen sein Land noch immer. Berthier Mugiraneza/AP

Der neue Präsident Évariste Ndayishimiye übernimmt ein isoliertes Krisenland, dessen Politik immer noch von den Nachwehen des Bürgerkriegs geprägt ist.

Von Bernd Dörries, Kapstadt

Es war eine eher triste und einsame Angelegenheit. Am Donnerstagnachmittag hob Évariste Ndayishimiye die Hand und schwor den Eid, als Präsident das beste für sein Land Burundi zu tun. Auf den Fotos, die im kleinen Stadion der Hauptstadt Gitega gemacht wurden, sehen die Ränge spärlich besetzt aus. Eine Delegation aus der Demokratischen Republik Kongo soll sich unter die Zuschauer gemischt haben, ein ausländische Staatsoberhaupt fand sich aber nicht unter den Gästen. Das lag nicht daran, dass die Regierung niemanden eingeladen hätte, sondern eher an den Reisebeschränkungen durch die Corona-Pandemie, der abgelegenen Lage der Hauptstadt und nicht zuletzt der Tatsache, dass sich Burundi in den vergangenen Jahren dermaßen isoliert hatte, dass selbst hartgesottene Autokraten und Diktatoren wenig Lust verspürten, sich mit dem dortigen Regime sehen zu lassen. Warum auch,? Nicht mal gute Geschäfte sind dort noch zu machen, so runtergewirtschaftet ist das Land.

Fünfzehn Jahre lang wurde es von Pierre Nkurunziza regiert, einem sehr gläubigen und nicht besonders schlauen ehemaligen Rebellenführer, der die Opposition brutal unterdrückte, die Verfassung missachtete und schließlich aller Wahrscheinlichkeit an Corona verstarb, das er für nicht existent hielt. "Ich werde seine hochqualitative Arbeit fortsetzen", sagte sein Nachfolger Ndayishimiye nun. Es klingt wie eine Drohung. Manche Beobachter sehen in ihm aber tatsächlich eine Chance. Langzeitherrscher Nkurunziza war zur Wahl zwar nicht mehr angetreten, hatte aber wohl durchaus vor, im Hintergrund weiter die Fäden zu ziehen, sich schon den Sondertitel "Ewiger oberster Führer" gegeben. Sein Tod könnte dem Nachfolger nun mehr Spielraum geben. Im Wahlkampf versprach er, die Korruption zu bekämpfen und sein Land zu öffnen. Was man halt so sagt.

Letztlich ist es schwer einzuschätzen, welchen Kurs Ndayishimiye verfolgen wird, vielleicht weiß er es selbst noch nicht. Das Land ist chronisch pleite, die allermeisten Geberländer haben ihre Zuwendungen eingestellt, die Beziehungen zu den meisten Nachbarländern sind frostig, Hilfsorganisationen wurden aus dem Land geworfen. Einen Plan verfolgte der verstorbene Präsident dabei wohl nicht, seine Entscheidungen entsprangen eher einer Mischung aus Inkompetenz, Dickköpfigkeit und wohl auch Wahnsinn. Die Frage ist, ob sich daran etwas ändern wird.

Die Politik des Landes ist immer noch durch den 2005 zu Ende gegangenen Bürgerkrieg geprägt, die großen Parteien sind die Nachfolgeorganisationen der Rebellenarmeen, ihre Führer wichtige Kämpfer oder Generäle. So auch Ndayishimiye. Letztlich wird er aber etwas ändern müssen, schon allein deshalb, damit Geld ins Land fließt, an dem sich die Elite bereichern kann. Die BBC lobt ihn dennoch bereits hoffnungsfroh als "religiös" und "bescheiden", eine überraschende Einschätzung, vielen Menschen in Burundi ist der 52-Jährige als "Terminator" bekannt, er kommandierte bisher die "Imbonerakure", die Schlägertruppen der Regierungspartei, die bei den Bürgern Geld erpressen und jene umbringen, die anderer Ansicht sind. "Wir werden unsere dunkle Vergangenheit schlucken, die nicht unser Gefängnis sein darf", orakelte der neue Präsident im Wahlkampf, es klang nach einer Art Selbstabsolution für seine eigenen Verbrechen.

Offen bleibt in Burundi auch nach dem Amtseid vom Donnerstag die Besetzung eines Postens, der dem verstorbenen Präsidenten mindestens so wichtig war wie der des Staatsoberhauptes: Der Präsidentenposten der Fußballclubs Hallelujah FC, dessen Spieler und Chef er war. Es ist der erfolgreichste Verein des Landes, der immer gewann, weil zu gute Gegner im Gefängnis landeten. Es brechen wohl schwere Zeiten an für den Club.

© SZ vom 19.06.2020 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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