Bundeswehreinsatz in Mali:"Die Sicherheit Deutschlands endet nicht am Mittelmeer"

Verteidigungsausschuss des Bundestags berät über Anschlag in Mali

Größere Fahrzeuge mit einer höheren Schutzklasse fordert der CDU-Politiker Henning Otte für die deutschen Soldaten in Mali.

(Foto: Christophe Gateau/dpa)

Unionspolitiker verteidigen nach dem Attentat vom Freitag die UN-Mission in Afrika. Alle verletzten Soldaten haben die Intensivstationen verlassen

Keiner der in Mali verletzten Bundeswehrsoldaten muss mehr intensivmedizinisch behandelt werden. Der letzte der drei schwer verletzten Soldaten sei aus der Intensivstation entlassen worden, sagte eine Sprecherin des Verteidigungsministeriums am Mittwoch in Berlin. Bei einem Selbstmordanschlag waren am Freitag nordöstlich der Stadt Gao in Mali 13 Soldaten der UN-Stabilisierungsmission Minusma verletzt worden, davon zwölf aus Deutschland. Drei deutsche Soldaten wurden schwer verletzt.

Derweil verteidigte Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) das deutsche Engagement in Mali. Bei Gesprächen mit UN-Generalsekretär António Guterres und US-Verteidigungsminister Antony Blinken in den USA habe Kramp-Karrenbauer bekräftigt, dass Deutschland gemeinsam mit Partnern einen Beitrag für den Friedensprozess in Mali leisten wolle, sagte die Sprecherin des Verteidigungsministeriums. Seit einem Putsch und einem Aufstand bewaffneter Gruppen, die 2012 den Norden Malis besetzt hatten, kommt es in dem Land verstärkt zu Anschlägen islamistischer Gruppen und Entführungen. Die Mission Minusma, an der die Bundeswehr mit bis zu 1100 Soldaten beteiligt ist, gilt mit fast 250 Todesopfern als der derzeit gefährlichste Einsatz der Vereinten Nationen. Der Bundeswehreinsatz ist umstritten: Oppositionspolitiker und Experten monieren, dass er nicht zu einer Verbesserung der Sicherheitslage in dem westafrikanischen Land beitrage.

Otte plädiert für konkrete Ziele

Der CDU-Verteidigungspolitiker Henning Otte plädierte für ein erheblich stärkeres und besser koordiniertes europäisches Engagement in Westafrika. "Wir müssen unsere Ziele konkret und messbar formulieren - und dann auch bereit sein, sie konsequent zu erfüllen", sagte Otte der dpa. "Die Bundeswehr passt ihre Ausrüstung permanent den aktuellen Lageentwicklungen an. Natürlich muss jetzt überlegt werden, ob wir nicht größere Fahrzeuge mit einer höheren Schutzklasse und besserer Wirkung nach Mali bringen sollten", so Otte. "Und die Einsatzregeln müssen es den Soldaten erlauben, sich gegen Bedrohungen auch erfolgreich wehren zu können." Auch Otte widersprach Forderungen, den Einsatz in Mali zu beenden. "Die Sicherheit Deutschlands endet nicht am Mittelmeer. Machtfreie Räume in Westafrika, in denen islamistische Terrorgruppen Fuß fassen können, sind eine ernste Bedrohung für die Sicherheit Europas und damit auch Deutschlands", warnte er.

© SZ/epd/dpa/rop
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