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Chronik:Wo im Ausland die Bundeswehr im Einsatz war und ist

Bundeswehr im Kosovo

Juni 1999: Ein Konvoi der Bundeswehr fährt nach Passieren der mazedonisch-jugoslawischen Grenze durch den jugoslawischen Ort Djeneral Jankovic.

(Foto: picture-alliance / dpa)

Bereits seit 1960 leistet die Bundeswehr Katastrophenhilfe im Ausland. 1994 entschied das Bundesverfassungsgericht, dass auch bewaffnete Einsätze legitim sein können. Ein Überblick.

An humanitären Hilfsaktionen außerhalb Deutschlands beteiligt sich die Bundeswehr schon lange. 1960, fünf Jahre, nachdem Deutschland wieder Streitkräfte aufgestellt hatte, flog die Luftwaffe erstmals Hilfsgüter nach Marokko, wo die Stadt Agadir durch ein Erdbeben zerstört worden war. In den Jahren darauf wurden Bundeswehrsoldaten zur Katastrophenhilfe in Algerien, Italien, Äthiopien, Namibia und in Iran eingesetzt.

1994 entschied das Karlsruher Verfassungsgericht, dass auch bewaffnete Einsätze im Ausland legitim sein können - etwa im Rahmen des Verteidigungsbündnisses Nato.

Derzeit sind Bundeswehrsoldaten an zehn Missionen beteiligt, von denen einige schon vor Jahren begonnen haben.

Eine chronologische Übersicht

1990 - Zweiter Golfkrieg

Eine erste tatsächlich militärische Aufgabe vor dem Hintergrund eines Krieges außerhalb Deutschlands übernahmen Bundeswehrsoldaten im August 1990: Nachdem der Irak unter dem Diktator Saddam Hussein kurz zuvor Kuwait besetzt hatte, erließen die Vereinten Nationen Resolutionen, die sich als Legitimation für ein militärisches Vorgehen gegen den Aggressor interpretieren ließen. Ein Bündnis unter US-Führung befreite Kuwait im sogenannten Zweiten Golfkrieg.

Die Bundesregierung in Bonn schickte zum Zeichen der Solidarität Schiffe zum Aufspüren und Räumen von Minen ins Mittelmeer, um die im Kriegseinsatz befindlichen Verbündeten zu entlasten (Operation Südflanke). Anfang 1991 wurden deutsche Kampfflugzeuge in die Türkei verlegt, um das Nato-Mitglied vor Angriffen aus dem Irak zu schützen. Nach der Befreiung Kuwaits 1991 baten die USA Deutschland um Hilfe beim Räumen von Minen im Persischen Golf. Dieser Einsatz galt als humanitäre Hilfeleistung für Kuwait. Ebenfalls eine Hilfsaktion war die Versorgung kurdischer Flüchtlinge in Anatolien und im Iran durch die Bundeswehr. Von 1991 bis 1996 transportierten Bundeswehrflugzeuge und -hubschrauber UN-Waffeninspektoren im Irak.

1991 bis 1993 - Kambodscha

Nachdem Vietnam die "Roten Khmer" in Kambodscha gestürzt hatte, kam es zum Bürgerkrieg. 1991 wurde ein Friedensvertrag vereinbart, das Land kam übergangsweise unter die Verwaltung der Vereinten Nationen. Die Bundeswehr errichtete in Phnom Penh ein Feldlazarett zur Versorgung von UN-Mitarbeitern und Zivilisten, in dem schließlich etwa 150 deutsche Sanitätssoldaten im Einsatz waren. Damit war erstmals ein größeres deutsches Truppenkontingent im Ausland aktiv.

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1992 bis 2012 - ehemaliges Jugoslawien

Das Auseinanderbrechen Jugoslawiens führte zu Kämpfen insbesondere zwischen Serben, Kroaten und muslimischen Bosniern, es kam zu erheblichen Menschenrechtsverletzungen. Von 1992 an beteiligte sich die Bundeswehr an einer Luftbrücke nach Sarajewo, Schiffe wurden in die Adria gesandt, um als Nato-Mitglied ein von den UN legitimiertes Embargo gegen die ehemaligen jugoslawischen Staaten durchzusetzen. 1995 wurde die Bundeswehr zur Unterstützung der Blauhelme der Unprofor eingesetzt, die seit 1992 Zivilisten in Bosnien-Herzegowina und Kroatien vor serbischen Verbänden beschützen sollten.

Bundeswehrsoldaten waren ab Ende 1995 als Teil der Nato-Friedenstruppe Ifor, dann 1996 als Teil der Nato-Schutztruppe Sfor im Einsatz, die die Unprofor-Mission ablösten. 2004 beendete die Nato ihre Operation, die Verantwortung für die Stabilität in Bosnien übernahm die Europäische Union, die weiterhin auch deutsche Soldaten in Bosnien einsetzen konnte. Im Herbst 2012 verließen die letzten Bundeswehrsoldaten, die noch als Berater der bosnischen Streitkräfte gearbeitet hatten, das Land.

SFOR SECURES SARAJEVO AHEAD OF BALKAN SUMMIT VENUE

Deutsche Soldaten der SFOR 1999 in Sarajevo.

(Foto: REUTERS)

1994 bis 2009 - Georgien

Um eine Sicherheitszone zwischen Georgien und Abchasien zu überwachen begann 1993 die UN-Mission Unomig, an der sich Deutschland seit 1994 mit einigen Militärbeobachtern beteiligte. Das Mandat wurde vom UN-Sicherheitsrat 2009 nicht mehr verlängert.

1993 bis bis 1994 - Somalia

Als es am Horn von Afrika durch den Bürgerkrieg in Somalia zur humanitären Katastrophe kam, schickten die Vereinten Nationen 1992 im Rahmen der Mission Unosom II Blauhelmsoldaten in das Land. 1993 wurden Nachschub- und Transportbataillons der Bundeswehrsoldaten nach Somalia geschickt mit der Aufgabe, andere UN-Truppen logistisch zu unterstützen und humanitäre Hilfe zu leisten. Zwei Transportflugzeuge waren in Kenia stationiert. Im März 1994 verließen die meisten UN-Truppen Somalia, auch die Bundeswehr zog ihre Soldaten ab.

Brigadegeneral Helmuth Harff

Brigadegeneral Helmuth Harff, Kommandeur der deutschen Soldaten 1993 in Belet Uen, Somalia.

(Foto: REUTERS)

1994 - Ruanda

Nach dem Bürgerkrieg und dem Völkermord an den Tutsi durch die Hutu in Ruanda, der durch eine Tutsi-Armee aus Uganda beendet worden war, flogen Ende des Jahres Bundeswehrtransporter Hilfsgüter zur Versorgung von Flüchtlingen in das Land. Sie waren Teil der UN-Mission Unamir.