Bundeswehr:Bedingt einsatzbereit

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Bundeswehr: Weniger als 30 Prozent der Kriegsschiffe sind bei anspruchsvollen Operationen uneingeschränkt einsatzfähig: Hier der Einsatzgruppenversorger "Berlin" (vorn) und die Fregatte "Hessen" bei einer Übung im Jahr 2008.

Weniger als 30 Prozent der Kriegsschiffe sind bei anspruchsvollen Operationen uneingeschränkt einsatzfähig: Hier der Einsatzgruppenversorger "Berlin" (vorn) und die Fregatte "Hessen" bei einer Übung im Jahr 2008.

(Foto: Ricarda Schönbrodt/dpa)

Panzer, Flugzeuge oder Kriegsschiffe: Von den Hauptwaffensystemen der Bundeswehr sind nur 77 Prozent voll funktionsfähig. Besonders groß sind die Probleme bei der Marine.

Von Mike Szymanski, Berlin

Die neue Verteidigungsministerin Christine Lambrecht (SPD) erbt von ihrer Vorgängerin gravierende Probleme bei der Einsatzbereitschaft der Hauptwaffensysteme der Bundeswehr. Auch im vergangenen Jahr ist es trotz neuer Anstrengungen kaum gelungen, mehr Panzer, Flugzeuge oder Kriegsschiffe einsatzklar zu bekommen. Von den Hauptwaffensystemen der Bundeswehr sind zurzeit nur 77 Prozent einsatzbereit. So steht es im neuesten Bericht des Ministeriums zur materiellen Einsatzbereitschaft. Die Quote habe sich damit nach 76 Prozent im Mai vergangenen Jahres "verstetigt".

Ein Blick in die Berichte zur Lage in den Teilstreitkräften offenbart, mit welchen Schwierigkeiten die Bundeswehr tatsächlich zu kämpfen hat. Mit am härtesten betroffen ist die Marine. Dort wird offen infrage gestellt, ob künftig noch genügend Schiffe für alle Einsätze bereitgestellt werden können.

Probleme bereitet die Instandhaltung. Schiffe kommen erst später als geplant in die Werften und liegen dort mitunter länger als vorgesehen. Die Versorgung mit Ersatzteilen bleibe weiterhin schwierig. Nach Angaben der Marine liegen die Probleme auch bei der Auftragsvergabe: Verfahren zu Ausschreibungen zögen die Prozesse in die Länge und überforderten das Management. Mit "massiven Einbrüchen" bei der Bereitstellung "einsatzbereiter Kräfte" sei zu rechnen. Das Verteidigungsministerium könnte in die Lage geraten, bei den Einsätzen eine "Priorisierung" vorzunehmen. Bei Operationen, die besonders hohe Ansprüche an Material und Besatzungen stellten, seien weniger als 30 Prozent der Kriegsschiffe "uneingeschränkt einsatzfähig". Weiter heißt es in dem Lagebericht: "Der operationelle Aktionsrahmen der Marine ist aufgrund der materiellen Verfügbarkeit der Einheiten stark eingeschränkt."

Die Luftwaffe zieht eine gemischte Bilanz etwa beim Transportflugzeug A440M. Das Flugzeug habe sich bei der Evakuierungsoperation aus Kabul im Sommer 2021 zwar bewährt, im Berichtzeitraum zwischen Mai und Oktober sind laut Ministerium aber nur bis zu zehn der etwa 30 Maschinen "einsatzbereit" gewesen. Etliche Flieger waren in der Instandsetzung oder dafür vorgesehen, was die Luftwaffe auf eine unbefriedigende Produktreife zurückführt.

Probleme dürften sich noch verschärfen

Von den Hubschraubern der Bundeswehr sind nur 40 Prozent einsatzbereit. Im Ministerium freut man sich, dass diese Quote nicht noch schlechter ausgefallen ist. Beim Kampfhubschrauber Tiger beispielsweise kommen Bundeswehr und Industrie mit den Inspektionen nicht hinterher, erst in vier Jahren könnten mehr Maschinen als heute einsatzbereit sein. Beim Heer sieht man sich mit ähnlichen Problemen konfrontiert: Bei dessen Kriegsgerät führten "unverändert neben fehlenden Ersatzteilen unter anderem Personaldefizite und Mangel an Sonderwerkzeugsätzen zu Verzögerungen bei der Instandsetzung".

Überall in der Truppe dürften sich die Probleme verschärfen, wenn der Ausbildungs- und Übungsbetrieb wieder das Niveau von vor der Corona-Pandemie erreicht hat. In den vergangenen fast zwei Jahren hatte die Bundeswehr ihren Betrieb auf ein unbedingt notwendiges Maß heruntergefahren. Das hat auch das Material geschont.

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