Bundeswehr in Afghanistan Tod durch die Kugel eines Kameraden?

War unsachgemäßes Hantieren an Waffen der Grund für den Tod des Soldaten, der Mitte Dezember in Afghanistan ums Leben kam? Die Staatsanwaltschaft ermittelt jetzt gegen einen Thüringer Kameraden.

Die erste Version kurz nach seinem Tod lautete: Ein Bundeswehrsoldat soll sich beim Reinigen seiner eigenen Waffe selbst eine Schussverletzung zugefügt haben. Inzwischen bringen Medienberichte ein andere Version in Umlauf. Demnach soll der Soldat, der Mitte Dezember in Afghanistan ums Leben kam, durch eine Kugel aus der Waffe eines Kameraden getötet worden sein.

Bundeswehrsoldat in Faisabad: Der Tod eines Soldaten, der Mitte Dezember in Afghanistan ums Leben kam, wirft weiter Fragen auf.

(Foto: dapd)

Nach Informationen der Stuttgarter Nachrichten löste sich der Schuss, als Soldaten auf unverantwortliche Weise mit Schusswaffen hantierten. Wie das Blatt unter Berufung auf Militärkreise berichtet, kam es zu dem Unfall, als eine Gruppe von neun oder zehn Soldaten in einem Zelt auf fahrlässige Weise mit Schusswaffen hantierte. Demnach durchschlug die Kugel den Kopf des Soldaten.

Die Staatsanwaltschaft Gera prüft nun Ermittlungen wegen fahrlässiger Tötung gegen einen Soldaten aus Thüringen. "Derzeit wird geklärt, ob wir zuständig sind", sagte der leitende Oberstaatsanwalt Thomas Villwock. Nach derzeitigen Erkenntnissen habe sich der tödliche Schuss aus einer Dienstwaffe gelöst.

Die Ermittlungen richteten sich gegen einen Soldaten, der seinen Hauptwohnsitz im Landgerichtsbezirk Erfurt habe. Weitere Details könne er nicht nennen, da ihm die Ermittlungsakte noch nicht vorliege.

Der 21-jährige Hauptgefreite aus der zweiten Kompanie des Gebirgsjägerbataillons 232 aus dem bayerischen Bischofswiesen war am 17. Dezember kurz vor dem Besuch von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in Afghanistan ums Leben gekommen. Er war mit einer Schusswunde in einem Außenposten nördlich des Regionalen Wiederaufbauteams (PRT) Pol-i Khomri aufgefunden worden und wenig später bei einer Notoperation gestorben.

Nachdem der Tod des Bundeswehrsoldaten im Dezember bekannt wurde, sprach Kanzlerin Merkel von einem tragischen Unglücksfall. Am Mittwoch hatte sich der Verteidigungsausschuss des Bundestags mit dem Fall befasst. Nach Berichten der ARD-Tagesthemen und von Spiegel Online wurde dabei die Möglichkeit erörtert, dass der 21-Jährige nicht beim Reinigen seiner Waffe und auch nicht durch Selbstmord ums Leben kam, sondern von einem Kameraden versehentlich getötet wurde, als dieser mit einer Waffe hantierte. Den Berichten zufolge war der 21-Jährige nicht allein, sondern mit etwa zehn anderen Soldaten zusammen, als der tödliche Schuss fiel.