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Bundeswehr:Seelsorge für jüdische Soldaten

Erstmals seit 100 Jahren wird es wieder Militärrabbiner in Deutschland geben. Der Bundestag beschließt, dass bis zu zehn Geistliche für die etwa 300 Truppenangehörigen jüdischen Glaubens da sein sollen.

Es ist ein historischer Beschluss, darin sind sich alle einig: Neben die evangelische und katholische soll künftig eine jüdische Militärseelsorge treten. Das hat der Bundestag an am Donnerstag einstimmig beschlossen. Es ist die erste Erweiterung des Seelsorgeangebots in der Bundeswehr seit 1957, als der Staatsvertrag mit der evangelischen Kirche geschlossen wurde. Erstmals nach dem Ersten Weltkrieg, in dem etwa 100 000 Juden für das Kaiserreich kämpften, und 75 Jahre nach dem Holocaust können jüdische Soldaten im Dienste Deutschlands damit schon bald wieder durch Rabbiner betreut werden.

Nach dem Zivilisationsbruch der Schoah und der Nazi-Diktatur konnte es sich auch angesichts der Verbrechen der Wehrmacht "kaum ein Jude vorstellen, in einer deutschen Armee Dienst zu tun", wie es der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, einmal formulierte. Trotz aller auch anerkannter Unterschiede zwischen Bundeswehr und Wehrmacht blieben jüdische Soldaten lange nahezu undenkbar - und damit auch Militärrabbiner. Inzwischen sind es schätzungsweise etwa 300 Juden, die unter den 180 000 Soldatinnen und Soldaten in der Bundeswehr dienen. Genau erfasst wird die Religionszugehörigkeit nicht. Mit der Einführung einer eigenen Militärseelsorge solle jüdischem Leben in der Bundeswehr wieder der Raum und der Platz eingeräumt werden, den es verdient habe, sagte Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) Mitte Mai bei der ersten Lesung des nun zur Abstimmung stehenden Gesetzes. Damals zeichnete sich bereits eine fraktionsübergreifend große Zustimmung ab.

Grundlage der jüdischen Militärseelsorge ist ein im vergangenen Dezember von Kramp-Karrenbauer und dem Zentralrat unterzeichneter Staatsvertrag, der denen ähnelt, die mit der evangelischen und der katholischen Kirche geschlossen wurden. Noch in diesem Jahr soll in Berlin ein Militärrabbinat - analog zu den christlichen Militärbischofsämtern - eingerichtet werden. Es wird von einem vom Zentralrat zu bestimmenden Militärbundesrabbiner geleitet. Bis zu zehn Militärrabbiner sind dann zunächst vorgesehen. Diese Zahl solle gewährleisten, dass Seelsorge im In- und Ausland geleistet und Auslandseinsätze auch zeitweise begleitet werden können, heißt es aus dem Ministerium. Die Auswahl der jüdischen Geistlichen werde voraussichtlich im Herbst beginnen.

Der Beauftragte der Bundesregierung für jüdisches Leben und die Bekämpfung von Antisemitismus, Felix Klein, begrüßt, dass die Militärrabbiner dazu beitragen könnten, "das Wissen über jüdisches Leben und jüdische Positionen zu Ethikfragen zu vergrößern und damit Vorurteile abzubauen".

© SZ vom 29.05.2020 / KNA

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