Bundeswehr-PersonalienPistorius will neuen „Schwung“ für das Heer

Lesezeit: 2 Min.

Er besetzt Posten in der Bundeswehr neu, in der Hoffnung auf rasche Veränderungen: Boris Pistorius.
Er besetzt Posten in der Bundeswehr neu, in der Hoffnung auf rasche Veränderungen: Boris Pistorius. (Foto: Liselotte Sabroe/Reuters)

Der Verteidigungsminister tauscht den Inspekteur des Heeres aus.  Ein Vertrauter soll die Truppe schneller einsatzbereit machen. Ein anderer wichtiger Posten wird mit einer Frau besetzt – ein Novum in der Bundeswehr.

Von Georg Ismar, Berlin

Alfons Mais ist ein Freund klarer Worte. Als Russland am 24. Februar 2022 die Ukraine überfiel, schrieb der bisherige Inspekteur des Heeres im Netzwerk Linkedin: „Ich hätte in meinem 41. Dienstjahr im Frieden nicht geglaubt, noch einen Krieg erleben zu müssen. Und die Bundeswehr, das Heer, das ich führen darf, steht mehr oder weniger blank da.“ Und weiter schrieb Mais: „Wir haben es alle kommen sehen und waren nicht in der Lage, mit unseren Argumenten durchzudringen, die Folgerungen aus der Krim-Annexion zu ziehen und umzusetzen. Das fühlt sich nicht gut an! Ich bin angefressen!“

Das machte einige Schlagzeilen, auch danach blieb Alfons Mais ein Mahner, kritisierte immer wieder die fehlende Vollausstattung des Heeres oder die personellen und logistischen Herausforderungen beim Aufbau der Litauen-Brigade. Rund 5000 Soldaten werden dauerhaft an der Nato-Ostflanke in Litauen stationiert. Ohnehin gibt es große Zweifel, dass mit dem von Pistorius geplanten, zunächst auf Freiwilligkeit setzenden neuen Wehrdienstmodell das Ziel von zusätzlichen 60 000 Soldaten und weiteren 200 000 Reservisten zu erreichen sein wird.

Der Leiter des Sonderstabs Ukraine steigt auf

Doch intern gab es auch Kritik am Heeresinspekteur. Mais habe den Laden nicht immer richtig im Griff, um das Heer rascher zu modernisieren, hieß es. Aber er habe auch immer für seine Truppe gekämpft, wird in Bundeswehrkreisen betont. Ein Dauerthema ist die Herausforderung durch die Revolution in der Kriegsführung mit Drohnen geworden.

Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) hat nun entschieden, dass Mais im September abgelöst werden soll. Generalmajor Christian Freuding soll neuer Inspekteur des Heeres werden. Er ist zu einem engen Vertrauten des Ministers aufgestiegen. Er hat den neuen Planungs- und Führungsstab des Ministeriums aufgebaut und leitet ihn; zudem ist er Leiter des Sonderstabs Ukraine, war sehr oft im Krisengebiet und hat ein breites internationales Netzwerk. Freuding wurde auch zu einem Erklärer der militärischen Unterstützung und des Kriegsgeschehens in der Ukraine, etwa im Bundeswehr-Format „Nachgefragt“.

Er muss die Einsatzbereitschaft der Truppe im Eiltempo verbessern: Generalmajor Christian Freuding soll neuer Heeresinspekteur werden.
Er muss die Einsatzbereitschaft der Truppe im Eiltempo verbessern: Generalmajor Christian Freuding soll neuer Heeresinspekteur werden. (Foto: Friedrich Bungert)

Der passionierte Läufer wird mit seiner ruhigen Art in der Bundespolitik sehr geschätzt, doch nun muss er auch zeigen, ob er nach der Zeit im Ministeriumsapparat auch ein guter Truppenführer sein kann. Und im Zusammenspiel mit Pistorius wird es besonders darauf ankommen, ob die durch die Herausnahme von der Schuldenbremse entstehenden, enormen finanziellen Spielräume auch zielgerichtet genutzt werden können.

Freuding hat in der Ukraine auch immer wieder die Drohnenproduktion besucht und viele Erfahrungen dort sammeln können. Zudem muss eine neue Flugabwehr aufgebaut werden. Und das alles wegen der Spannungen mit Russland im Eiltempo. Pistorius’ Ziel sei es, „die Einsatzbereitschaft der Truppe in den kommenden Jahren massiv zu stärken“, heißt es vom Verteidigungsministerium.

Alfons Mais habe sich mit viel Engagement und Herzblut dieser Aufgabe gewidmet. Freuding werde diesen Weg weiter verfolgen „und mit seiner militärischen, administrativen sowie politischen Expertise zusätzlichen Schwung und Veränderung in die Projekte des Heeres bringen“. Das kann auch als leise Kritik an Mais gelesen werden.

Im Zuge der personellen Veränderungen gibt es außerdem noch ein Novum. Generaloberstabsarzt Nicole Schilling wird als erste Frau in der Geschichte der Bundeswehr Stellvertreterin des Generalinspekteurs, General Carsten Breuer. Sie löst Generalleutnant Andreas Leonhard Hoppe ab. 1993 begann sie an der Sanitätsschule der Luftwaffe in Giebelstadt ihre Karriere und wurde 2024 auch erster weiblicher Drei-Sterne-General. Schilling steht für das Ziel von Pistorius, mehr Frauen in der Bundeswehr zu Vorbildern aufzubauen, um den weiblichen Anteil in der Truppe zu erhöhen. Zuletzt leitete sie im Ministerium die Abteilung Einsatzbereitschaft und Unterstützung Streitkräfte. Schon bei der Beförderung auf diesen Posten sagte Schilling der Süddeutschen Zeitung:  „Untertauchen geht in meiner Funktion nicht. Aber das geht den Herren ja ähnlich.“ Nun wird die Aufmerksamkeit für ihre Arbeit noch einmal deutlich zunehmen.

© SZ - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
Zur SZ-Startseite

MeinungVerteidigung
:Ohne die Wehrpflicht wird es kaum gehen

SZ PlusKommentar von Sina-Maria Schweikle
Portrait undefined Sina-Maria Schweikle

Lesen Sie mehr zum Thema

  • Medizin, Gesundheit & Soziales
  • Tech. Entwicklung & Konstruktion
  • Consulting & Beratung
  • Marketing, PR & Werbung
  • Fahrzeugbau & Zulieferer
  • IT/TK Softwareentwicklung
  • Tech. Management & Projektplanung
  • Vertrieb, Verkauf & Handel
  • Forschung & Entwicklung
Jetzt entdecken

Exklusive Gutscheine für SZ-Abonnenten: